Große greift nach der Macht

Matthias Große

Eisschnellauf

Große greift nach der Macht

Matthias Große will sich am Samstag (19.09.2020) zum Präsidenten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) wählen lassen. Der Lebensgefährte von Claudia Pechstein ist umstritten und muss sich neue Vorwürfe gefallen lassen.

Große sieht sich auf einem guten Weg, doch kurz vor den Präsidentschaftswahlen der DESG flammt neue Kritik an seinem Führungsstil auf. Zudem soll es Verstöße gegen das Good Governance geben.

Die Meinungen gehen weit auseinander

Dennoch deutet viel auf ein Votum pro Große hin. "Manche der Sportler beschreiben ihn als 'herrisch' und 'schwierigen Typen', andere als 'Macher' und 'Anpacker'. Doch alle sehen, dass es keinen Gegenkandidaten gibt und gehen von seiner Wahl aus", sagte DESG-Athletensprecher Moritz Geisreiter, der sich in der Vergangenheit häufig kritisch zu Große geäußert hatte.

Geisreiter warf Große vor, dass dieser sich kürzlich in einem Interview "inhaltlich falsch und abschätzig über mich" geäußert habe. Ein Präsident sollte seine Kritiker "ernst nehmen, anstatt zu versuchen, sie ins Abseits zu stellen", meinte Geisreiter. Große hatte seine Aussagen als "Phrasen" und "substanzlos" abgetan. Große selbst sieht sich nach einer Wahlkampftour durch die Stützpunkte gut aufgestellt. "Der Zuspruch von Rostock bis Oberstdorf, von Dortmund bis Dresden war perfekt", sagte der Immobilienmakler aus Berlin, der seit dem 18. Juni kommissarischer DESG-Präsident ist.

Nur 80 Mitglieder zugelassen

Die Versammlung mit den Wahlen findet am Samstag satzungsgemäß unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wegen Corona sind nur 80 Mitglieder zugelassen. DOSB-Präsident Alfons Hörmann wird ein Grußwort sprechen. Große glaubt offenbar auch, dass er mittlerweile seine Kritiker überzeugt hat. Diese hatten ihm vorgeworfen, dass er Personen bedrohe und ein Klima der Angst erzeuge.

"Ich habe außer von einer Person in den letzten acht Monaten keine offizielle Kritik bekommen", sagte Große und meinte Geisreiter. Dabei vergaß er wohl die Querelen mit Bundestrainer Erik Bouwman und Sportdirektor Matthias Kulik, die beide auf sein Geheiß hin gehen mussten. Weiter im Clinch liegt Große auch mit Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Die SPD-Politikerin hatte ein Hausverbot für Große im Bundestag erwirkt, nachdem dieser Mitarbeiter von ihr bedroht haben soll.

Nun teilte Große mit, dass er über die Fraktion Die Linke eine Einladung in den Bundestag erhalten werde und fügte an: "Dieser Punkt geht an mich." Doch Freitag konterte. "Entgegen den öffentlichen Behauptungen des Herrn Große" gebe es keinen Antrag der Linksfraktion, "Herrn Große in den Sportausschuss des Bundestages einzuladen", sagte Freitag. Zudem entscheide nicht eine Partei, sondern das Obleutegespräch über Einladungen.

Klare Kritik von Sylvia Schenk

Sylvia Schenk, Sportexpertin von Transparency Deutschland, bemängelte, dass Große seine Kandidatur mit viel Geld in Verbindung bringe. "Wer wie Matthias Große im Spiegel-Interview den Eindruck erweckt, ein deutscher Sportverband sei käuflich und man müsse nur genug Leuten Pöstchen geben, damit ihn alle wählen, untergräbt die demokratische Struktur im deutschen Sport", so Schenk.

Auch bringe die Tatsache, dass der Präsident zugleich Lebensgefährte der bekanntesten Athletin ist, Probleme mit sich. "Good Governance ist ein ausdrückliches Kriterium für die Spitzensportförderung des Bundes - dieses offensichtliche Defizit an Führungskultur sollte Anlass für eine Überprüfung der Mittelvergabe an die DESG sein", meinte Schenk.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) reagierte distanziert. "Die Sorgen von Frau Schenk sehen wir als völlig unbegründet", meinte DOSB-Präsident Hörmann. Er gehe davon aus, dass die Aspekte des Good Governance von der Mitgliederversammlung am Samstag berücksichtigt werden.

sid | Stand: 18.09.2020, 12:55

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