Claudia Pechstein konkurrenzlos zum 39. Titel

Claudia Pechstein

Eisschnelllauf-Meisterschaften in Inzell

Claudia Pechstein konkurrenzlos zum 39. Titel

Die Berliner Eisschnellläuferin hat schon viele Titel gewonnen. Die 39. Goldmedaille bei Deutschen Meisterschaften gehört aber in die Kategorie "kurios". Gold stand quasi schon vor dem Rennen fest…

Nach dem Titel über die 3.000 Meter-Distanz hat sich Claudia Pechstein auch über 5.000 Meter mit Gold geschmückt und ihre Titelsammlung so weiter ausgebaut. Normalerweise muss man um Medaillen mächtig kämpfen, bei der DM in Inzell war das anders. Der Sieg der 47-Jährigen stand schon vor dem Start fest, weil ihre Rivalinnen Roxanne Dufter (Inzell) und Michelle Uhrig (Berlin) verzichteten.

Sablikova zehn Sekunden schneller

"Mein Ziel war es, konstant zu laufen, es ist eine ordentliche Zeit herausgesprungen", sagte Rekordmeisterin Pechstein, die nach 7:10,07 Minuten ins Ziel kam. "Dass sich keine der Konkurrentinnen auf den 5000 Metern gestellt hat, dafür kann ich Nichts", fügte sie hinzu. Dass Pechstein im Eis-Oval keine einsamen Runden drehen musste, lag daran, dass die Deutschen Meisterschaften gleichzeitig international ausgeschriebene Titelkämpfe sind. So durfte auch die dreimalige Olympiasiegerin Martina Sablikova aus Tschechien starten. Sie war fast zehn Sekunden schneller als Pechstein. Zum Auftakt am Freitag hatte Pechstein bereits Gold über 3.000 Meter gewonnen. Dabei war sie fast vier Sekunden schneller, als die Zweitplatzierte, die 20 Jahre jüngere Roxanne Dufter aus Inzell.

Ihle und Dufter wechseln sich ab

Nico Ihle, Joel Dufter, Hendrik Dombek

Nico Ihle, Joel Dufter, Hendrik Dombek auf dem Siegertreppchen

Nico Ihle revanchierte sich am Samstag indes für seine Vortagsniederlage über 500 Meter. Auf der doppelten Distanz holte sich der Chemnitzer in 1:09,74 Minuten seinen insgesamt 14 nationalen Titel. Er beendete die Serie des Inzellers Joel Dufter, der den Titel in den vergangenen drei Jahren gewonnen hatte. Über 500 Meter hatte Dufter am Freitag den Spieß umgedreht und Ihles zehnten DM-Titel über die Sprintstrecke zunichte gemacht. Die Zeiten waren allerdings weit von der internationalen Spitze entfernt. "Das war ein guter Mittellauf", hatte Dufter danach ehrlich gesagt.

 Beckert gewinnt Doppel-Gold

Gewohnte Konstanz unterstrich der WM-Vierte Patrick Beckert, der sich nach den 5.000 Metern auch Gold über 10.000 Meter sicherte. In 13:14,28 Minuten lief er zum 22. deutschen Meistertitel. "Es ging nur darum, den Titel zu verteidigen und für den Weltcup in Minsk in den Rhythmus zu kommen", sagte der Erfurter. Die 1.000 Meter der Damen hatte Michelle Uhrig in 1:16,76 Minuten für sich entschieden.

Es geht drunter und drüber

Die Meisterschaften wurden im Vorfeld von Negativ-Meldungen überschattet. Einen Tag vor Beginn der Titelkämpfe warf Präsidentin Stefanie Teeuwen das Handtuch. Sie begründete ihren Rücktritt mit zunehmenden Anfeindungen. "Ich habe das mit Leidenschaft gemacht. Aber wenn es auf einer persönlichen Ebene zu Anfeindungen kommt, und es irgendwann die Gesundheit betrifft, dann muss man sich fragen, ob das noch das Richtige ist", sagte die 50-Jährige der "Süddeutschen Zeitung". Damit steht die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) derzeit führungslos da. Der Verband hat zudem keinen Hauptsponsor, in den traditionellen Hochburgen Inzell und Berlin fehlen Stützpunkttrainer. Dazu flammt immer wieder Streit mit Claudia Pechstein auf, aktuell liegt die 47-Jährige mit Erik Bouwman quer und trainiert nun in Polen.

Pechstein-Partner will Präsident werden

Claudia Pechstein

Claudia Pechstein mit Lebenspartner Matthias Große bei der 14. Verleihung der Victress Awards 2019.

Pechstein brachte als Teeuwen-Nachfolger ihren Lebensgefährten Matthias Große ins Spiel. Der Berliner Unternehmer unterstrich sogleich seine Ambitionen auf das Präsidenten-Amt. Er wolle den Verband "vor dem drohenden Untergang" retten. "Dieser Verband hat so viele Verbindlichkeiten. Man weiß nicht einmal, ob sie nicht schon hätten Insolvenz anmelden müssen. Es geht einfach nicht weiter so", erklärte der Freund der fünfmaligen Olympiasiegerin.

Wenn er Verantwortung übernähme, würde er den Verband "komplett durchrütteln". Er habe erlebt, was sich dort abspiele, wo nur hinter dem Rücken von Betroffenen geredet werde. "Wer soll diese Suppe auslöffeln? Es geht um die Zukunft der Sportler und des Verbandes", sagte Große. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, werde "es den Verband 2022 nicht mehr geben".

sst/dpa | Stand: 09.11.2019, 17:03

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