"Oranje" fällt in Inzell ein

Holländische Fans in der Max-Aicher-Arena Inzell

Eisschnelllauf-WM

"Oranje" fällt in Inzell ein

Ab Donnerstag treffen sich die besten Eisschnellläufer in Inzell. Die Weltmeisterschaften auf den Einzelstrecken werden wieder zu einem Wallfahrtsort für Fans vor allem aus den Niederlanden.

Die nur knapp 4.500 Einwohner zählende Gemeinde Inzell in den Chiemgauer Alpen gilt neben Heerenveen als das Eisschnelllauf-Mekka schlechthin. Die WM-Titelkämpfe finden hier bereits zum zwölften Mal statt - so häufig wie nirgendwo sonst. Bevor es losgeht, beantworten wir die wichtigsten Fragen.

Welche Entscheidungen fallen bei der Einzelstrecken-WM?

16 Medaillensätze - je acht bei Herren und Damen - werden an den vier Tagen von Inzell vergeben. Neben den traditionellen olympischen Strecken gehören erstmals auch die Teamsprints der Damen und Herren zum WM-Programm. Beide Rennen werden am Eröffnungstag stattfinden.

Wie stehen die Chancen der Deutschen?

Patrick Beckert auf der Bahn

Hat Medaillenchancen: Patrick Beckert

Die bisherigen Weltcup-Ergebnisse ohne Podestplatz lassen nicht auf einen Medaillenrausch hoffen. Der bislang letzte WM-Titel einer deutschen Eisschnellläuferin liegt acht Jahre zurück. Bei der ersten WM in der gerade fertiggestellten Max-Aicher-Arena von Inzell gewann Jenny Wolf die 500 Meter. Die Berlinerin, die 2014 ihre Laufbahn beendete, ist seit diesem Jahr für die Trainer-Ausbildung in der DESG zuständig.

Wem wird am ehesten eine Medaille zugetraut?

Der Erfurter Patrick Beckert kratzte als Vierter beim Weltcuprennen über 10.000 Meter im polnischen Tomaszow am Podestplatz, lief am zurückliegenden Wochenende auch über 5.000 Meter in Hamar auf Platz fünf. Auch die Sprinter Nico Ihle und Joel Dufter schafften in diesem Winter Top-Sechs-Platzierungen und wollen sich bei der Heim-WM weiter steigern. Die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein plagt sich mit Rückenproblemen, hat aber auch im Alter von fast 47 Jahren Chancen, über 5.000 Meter noch einmal in Podestnähe zu laufen.

Wer sind die Favoriten?

Sven Kramer jubelt über Gold

Sven Kramer peilt in Inzell sein 20. WM-Gold an

Hollands Rekordweltmeister Sven Kramer peilt über 5.000 Meter am Donnerstag seinen 20. WM-Titel an. Auch im Team der Herren sind die Niederländer Favorit. Auch auf den langen Strecken der Damen geht der Sieg nur über die "Oranje"-Sportlerinnen. Im Sprint wollen vor allen Doppel-Olympiasiegerin Nao Kodaira aus Japan und Havard Lorentzen aus Norwegen ihre Erfolge von Pyeongchang bestätigen.

Sind Weltrekorde möglich?

Auf den meisten Strecken sind Weltrekorde nur noch auf den Hochlandbahnen von Salt Lake City und Calgary möglich. Aber im Teamsprint und auch den ganz langen Strecken über 5.000 bzw. 10.000 Meter scheint zum Saison-Höhepunkt eine Bestmarke denkbar. "Das wäre das schönste Dankeschön für uns Organisatoren", sagt Organisations-Chef Kreutz. "Oranje"-As Esmee Visser hatte vor zwei Wochen in Heerenveen in 6:47,47 Minuten den Weltrekord über 5.000 Meter um weniger als fünf Sekunden verfehlt und eine inoffizielle Bestmarke für Flachlandbahnen fixiert.

Wie ist die Zuschauer-Resonanz?

Mehr als 1.500 niederländische Fans haben sich Tickets für alle vier Wettkampftage gesichert, rund 500 Bestellungen gingen aus Norwegen ein. Doch die Resonanz unter den heimischen Fans kommt nicht an die WM 2011 heran, als die Aicher-Arena mit fast 5.000 Besuchern oft ausverkauft war. Diesmal stehen für alle Tage noch Tickets an den Tageskassen zur Verfügung. Ein Loch im 700.000-Euro-Budget wird aber auch bei nicht ganz gefüllten Rängen nicht gerissen. "Es gibt dann aber weniger Gewinn, der sonst dem Eisschnelllauf zugute käme", sagt Organisationsleiter Hubert Kreutz.

Warum sind die Eisschnellläufer gerade von Inzell so begeistert?

Max-Aicher-Arena Inzell

Max-Aicher-Arena Inzell

Kreutz spricht von einer magischen Anziehungskraft der kleinen Gemeinde in den Chiemgauer Alpen. Das gesamte Jahr über trainieren Teams aus aller Welt auf der schnellen Bahn unterhalb des Falkenbergs. "Vor allem ist es die Ruhe. Die Uhren gehen hier langsamer als in einer Großstadt", fügte Kreutz hinzu. Die Organisation läuft stets perfekt, in den Quartieren wird Sportlern wie Fans jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Bislang fanden vier Allround-, fünf Sprint- und zwei Einzelstrecken-WM der Eisschnellläufer in dem 693 Meter hoch gelegenen Örtchen statt.

Thema in: B5 Sport, Donnerstag, 07.02., 15.54 Uhr

dpa | Stand: 04.02.2019, 11:08

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