Eisschnellläufer attackieren Verbandsspitze

Eisschnellläufer Joel Dufter

Eine Woche vor Europameisterschaft

Eisschnellläufer attackieren Verbandsspitze

Es rumort bei Deutschlands Eisschnellläufern: Die Sprintgruppe um Joel Dufter hat in einem Schreiben die Verbandsführung um Präsident Michael Große attackiert: "Eigeninteresse" und "Machtbestrebungen" stünden im Vordergrund.

Ungewohnt scharf und deutlich haben einige deutsche Athleten die Führung der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) angegriffen. Die Kernmannschaft der Sprinter um den Inzeller Joel Dufter erhob schwere Vorwürfe gegen die Verbandsführung um Präsident Matthias Große - und das nur eine Woche vor der EM in Heerenveen.

"Die DESG präsentiert sich nach außen als fair und kommunikativ und sagt, dass jeder seine Meinung sagen darf und auch gehört wird. Trotzdem handelt sie intern genau gegensätzlich", heißt es in dem Schreiben: "Es wird nicht im Sinne der Sportler entschieden, sondern nach Eigeninteressen. Persönliche Differenzen und Machtbestrebungen Einzelner stehen über allem." Unterzeichnet ist das Schreiben unter anderem von den Athleten Jeremias Marx, Hendrik Dombek und Stefan Emele.

Personalpolitik: "Wenig Fingerspitzengefühl und Sachverstand"

Ein zentrales Anliegen der Athleten: die Personalpolitik. Dass nach über sechs Monaten der Präsidentschaft "viele Trainer und Mitarbeiter meist ohne Begründung entlassen, ihre Stellen aber nicht adäquat oder gar nicht neu besetzt wurden, zeigt, mit wie wenig Fingerspitzengefühl und Sachverstand die DESG arbeitet."

Es gebe "offensichtlich menschliche Verfehlungen" und "persönliche Rachepläne". Zuletzt wurde der Vertrag mit Sprinttrainer Danny Leger nicht verlängert: "Das stellt die Sportler vor ein Loch, das nur schwer zu füllen ist." Versuche, klärende Gespräche zu führen, seien bisher ignoriert worden.

Die Sportler werfen Präsident Große auch jenseits des sportlichen Bereichs zweifelhafte Personalentscheidungen vor. So seien etwa auf der Geschäftsstelle Posten an Mitarbeiter von Großes Unternehmensgruppe "oder an systemtreue, unkritische, langjährige BegleiterInnen von Claudia Pechstein" vergeben worden. Pechstein ist die Lebensgefährtin des Präsidenten, der dem Verband seit dem vergangenen Jahr vorsteht.

Sportdirektor und Bundestrainerin weg

In seiner Ära trennte sich die DESG unter anderem von Sportdirektor Mathias Kulik. Die ehemalige Topläuferin Jenny Wolf wurde neue Bundestrainerin, schmiss aber schon nach sieben Wochen wieder hin. Große hatte dagegen im Dezember ein positives Fazit seiner ersten Monate im Amt gezogen. "Es ist sicherlich ganz, ganz Großes geleistet worden", sagte er unter anderem.

sid | Stand: 12.01.2021, 10:05

Darstellung: