Die deutschen Eisschnellläufer müssen sich neu erfinden

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hält einen Finger vor den Mund

Weniger Geld, unveränderter Ärger

Die deutschen Eisschnellläufer müssen sich neu erfinden

Neuer Sportdirektor, alter Ärger: Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) will den Negativtrend endlich stoppen, Geld hat sie dafür immer weniger. Und außer Claudia Pechstein, die zuletzt den Verband kritisierte, sind kaum Topsportler in Sicht.

"Ich habe mich darüber geärgert, denn sie weiß, dass sie mit ihren Anliegen immer zu uns kommen kann", sagte DESG-Präsidentin Stefanie Teeuwen zur jüngsten Kritik von Pechstein: "Ich kenne Claudia seit dem Junioren-Alter und habe überhaupt nichts gegen sie. Aber sie braucht solche Kritik, um sich selbst zu motivieren."

Pechstein hatte sich zuletzt über die Trainings-Rahmenbedingungen beklagt, weil sie im Sommer viel improvisieren musste. "Wenn du nicht mal weißt, wann du wo trainieren kannst, wer mit dabei sein darf und wo man welche Leistungen nutzen kann, dann wird es extrem schwierig, sich ein eigenes Trainingsumfeld zu schaffen", schimpfte die Berlinerin vor dem Auftakt der neuen Saison mit den deutschen Meisterschaften in Inzell, die sie dominiert hat: "Ich kann nichts zum Verband sagen. Denn es gibt über diesen Verband nichts mehr zu sagen."

Stefanie Teeuwen, Präsidentin der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft

DESG-Präsidentin Stefanie Teeuwen

Teeuwen erklärte, sie habe inzwischen mit Pechstein gesprochen. Ob das allerdings für Ruhe in der in der Vergangeheit oft gebeutelten, Gemeinschaft sorgt, ist offen. Die DESG will sich neu definieren, mit einem neuen Sportdirektor an der Spitze. Will oder muss? Nach der enttäuschenden vergangenen Saison ohne Medaille bei den Olympischen Winterspielen von Pyeongchang hatten Sportdirektor Robert Bartko und Cheftrainer Jan van Veen hingeworfen.

Nur langsam scheint wieder Struktur in die DESG zu kommen. Erst nach sieben Monaten wurde der vakante Posten des Sportdirektors neu besetzt. "Wir haben uns die Zeit gegeben", begründete Teeuwen die lange Ungewissheit. Laut Teeuwen habe man nach externen und internen Bewerbungen mit drei Bewerbern in der engeren Wahl Zweitgespräche geführt.

Matthias Kulik - ein Shorttrack-Experte soll es richten

Matthias Kulik, neuer Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG

Der neue DESG-Sportdirektor Matthias Kulik

Der "Neue" ist der Münchner Matthias Kulik, bisher bei der DESG im Shorttrack unterwegs. Er soll vor allem auf dem Input seines Vorgängers aufbauen. "Die bisherige Ausrichtung unter Robert Bartko und Jan van Veen war nicht schlecht. Viele dieser Ansätze werden nun weiter geführt", sagte Teeuwen.

Heißt konkret: Die internen Normen sollen weiterhin hoch und anspruchsvoll bleiben, der Aufbau von talentiertem Nachwuchs soll auch weiterhin im Fokus stehen. "Und wir hatten uns vorgenommen, erstmal Ruhe hereinzubekommen", erklärte Teeuwen, räumte aber auch ein: "Wir haben es versäumt, unsere Arbeit zu kommunizieren."

Denn die gab's reichlich - neben der Suche nach einem neuen Sportdirektor. "Vor allem die Beantwortung des Fragebogens der PotAS-Kommission hat uns sehr beschäftigt und war zeitintensiv, es gab Verzögerungen", sagte die Präsidenten.

Problem Sportförderung: weniger Geld für die DESG

Das Bundesministerium des Inneren (BMI) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) haben die Spitzensportförderung im vergangenen Jahr kräftig umgekrempelt. "PotAS" ist dabei das neu geschaffene "Potenzialanalysesystem", das im Januar 2018 verabschiedet wurde. 151 Fragen hatten die Wintersportverbände zu beantworten.

Zudem hatten DESG und DOSB am 5. Septembver ein Strukturgespräch, das Teeeuwen grundsätzlich positiv beurteilt. Aber: "Klar ist, wir befinden uns mitten im Umstrukturierungsprozess. Natürlich sind die Gelder, die wir ab 1. Januar erwarten können, nicht mehr vergleichbar mit denen von vor zehn Jahren." Zumal PotAS den Winterspielen 2018 einen recht hohen Stellenwert einräumte.

"Und wir waren da nicht gut. Also müssen wir mit den Konsequenzen leben. Alles ist nachvollziehbar aufgrund der Leistungen", bedauert Präsidentin Teeuwen. Die DESG steht also unter doppeltem Druck. Einerseits muss gespart werden, andererseits wollen die Eisschnellläufer irgendwann auch wieder in der Weltspitze anklopfen.

dpa/red | Stand: 09.11.2018, 17:04

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