Die Frau, die Katarina Witt stählte

"Eiserne Lady" im Pelzmantel - Jutta Müller wird 90 Jahre alt Sportschau 12.12.2018 06:17 Min. Verfügbar bis 12.12.2019 Das Erste

Zum 90. Geburtstag von Jutta Müller

Die Frau, die Katarina Witt stählte

"Ohne sie hätte ich nie diese Weltkarriere erreicht." Mit großen Worten würdigt Kati Witt ihre langjährige Trainerin Jutta Müller. Die Chemnitzerin, die maßgeblich für Witts Erfolge mit verantwortlich ist, wird am 13. Dezember 90 Jahre alt.

Jutta Müller studierte Deutsch und Sport. 1949 wurde sie DDR-Meisterin im Paarlauf - gemeinsam mit Irene Salzmann, da es nach dem Krieg keine männlichen Eiskunstläufer mehr gab.

Ab 1955 war Jutta Müller, die auch Mitglied der SED war, Eiskunstlauftrainerin. 55 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen gewannen Athleten, die sie betreute. Neben Kati Witt führte sie auch ihre Tochter Gaby Seyfert zu großen Erfolgen: Sie gewann Silber bei den Olympischen Spielen in Grenoble und wurde je einmal Vize Welt- und Europameisterin.

Weltweit erfolgreichste Trainerin

Jutta Müller galt als streng. Kati Witt beschreibt sie als "Trainerin aus Passion", Jutta Müller habe nur ans Eiskunstlaufen gedacht und nichts dem Zufall überlassen. Auch deshalb war sie zur damaligen Zeit die erfolgreichste Trainerin weltweit. Ihre Schützlinge entdeckte sie oft schon in jungen Jahren. In ihrem Beruf war Jutta Müller ehrgeizig, wollte gemeinsam mit den Sportlern das Beste aus ihnen herausholen, was ihr oft gelang. Die Zeit mit ihr habe sie "für immer gestählt", sagt Kati Witt. Aber sie hatte auch eine andere Seite: "Selbst als Trainerin hat sie sich, wenn wir unterwegs waren, sehr rührend um ihre Sportler gekümmert", erinnert sich Kati Witt. Dass Witt Jutta Müller bis heute verehrt und respektiert, wie sie selbst sagt, zeigt sich auch in einem Detail: "Lustigerweise sieze ich sie noch immer."

Bilderstrecke - Das Wirken der Jutta Müller

Sie ist die erfolgreichste Eiskunstlauf-Trainerin der Welt und eine Legende in der Geschichte des DDR-Sports. 57 Medaillen gewann Jutta Müller mit ihren Schützlingen.

Gabriele Seyffert wird sie von ihrer Mutter und Trainerin Jutta Müller umarmt.

Jutta Müller begann ihre Karriere als Eiskunstlauf-Trainerin 1955. Die erste Sportlerin, die sie an die Weltspitze führte, war ihre Tochter Gaby Seyfert. Zwischen 1961 bis 1970 gewann sie zehn Titel bei DDR-Meisterschaften, wurde zwei Mal Weltmeisterin und holte Olympiasilber.

Jutta Müller begann ihre Karriere als Eiskunstlauf-Trainerin 1955. Die erste Sportlerin, die sie an die Weltspitze führte, war ihre Tochter Gaby Seyfert. Zwischen 1961 bis 1970 gewann sie zehn Titel bei DDR-Meisterschaften, wurde zwei Mal Weltmeisterin und holte Olympiasilber.

Streng, autoritär und erfolgreich: Das waren die Markenzeichen der in Chemnitz geborenen Jutta Müller. So formte sie ihre Athleten zu Stars. Jan Hoffmann (hier nach seinem DM-Titel 1975) gewann u.a. Olympia-Silber.

1984 Bosnien-Herzegowina, Sarajewo: Bei den Olympischen Spielen gewinnt Kati Witt - das "schönste Gesicht des Sozialismus" - Gold.

"Ohne sie hätte ich nie diese Weltkarriere erreicht", versicherte Kati Witt. 1984 wurde sie nicht nur Olympiasiegerin, sondern auch Europameisterin.

Vier Jahre später wiederholte Katarina Witt ihren Olympiasieg in Calgary.

Nach dem Mauerfall spielte Jutta Müller keine große Rolle mehr, trainierte aber in Chemnitz noch jahrelang Nachwuchsläufer. Ihre Erfolge bleiben aber für die Ewigkeit. Zum 80. Geburtstages gratulierten ihre erfolgreichsten Sportler: Jan Hoffmann, Gabriele Seyfert, Katarina Witt und Anett Pötzsch.

Dem Sport ist Jutta Müller immer verbunden geblieben. 2011 gratuliert sie den neuen Weltmeistern Aljona Savchenko (r) und Robin Szolkowy.

Bei Kati Witt ist aus einer Hassliebe zu Athletenzeiten ein großer Respekt, eine große Verehrung und eine große Dankbarkeit geworden - aber keine Freundschaft: "Lustigerweise sieze ich sie noch immer."

Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag, Jutta Müller!

Jobverlust nach der Wende

Die Anerkennung, die Jutta Müller noch heute von ihren Schützlingen bekommt, erfuhr sie nicht überall. Nach der Wende war ihre Expertise nicht mehr gefragt, man habe sie "bedauerlicherweise kaltgestellt", sagt Kati Witt. Auch Jutta Müller selbst haderte mit den Umständen. "Natürlich war ich ein Kind des alten Systems, aber ich hätte mehr Verständnis dafür erwartet, dass ich mich während des Umbruchs in vielen Dingen neu zurechtfinden musste", sagte sie vor einigen Jahren. Doch die Deutsche Eislauf-Union wollte sie nicht als Trainerin, ein Fehler, wie Sportdirektor Udo Dönsdorf heute sagt: "Man hätte mehr von ihrem Know-how rüberretten können." Denn dass sie über eine große Expertise verfügte, erkennt auch Udo Dönsdorf an. Jutta Müller habe die Erfolge der DDR verkörpert und gewusst, wie man Erfolg produziert.

Ehrenbürgerin von Chemnitz

Nach dem Mauerfall trainierte Jutta Müller in ihrer Heimatstadt Chemnitz noch Jahre lang Nachwuchsathleten. Insgesamt war sie dort vierzig Jahre lang als Eiskunstlauftrainerin tätig und bekam im Dezember 2008 die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen.

Thema in: MDR FERNSEHEN "Die Eiskönigin aus Chemnitz - Ein Abend für Jutta Müller", 16.12.2018, 20:15 Uhr

ves/dpa | Stand: 10.12.2018, 14:00

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