Das ändert sich im Wintersport in der Saison 2020/2021

Mariama Jamanka und Annika Drazek (l), Denise Herrmann (m) und Markus Eisenbichler

Neue Regeln

Das ändert sich im Wintersport in der Saison 2020/2021

Neue Wintersportsaison, neue Regeln: In vielen Sportarten gibt es kleinere Änderungen. Was neu ist, woran sich Sportler und Zuschauer gewöhnen müssen, hier!

Biathlon

Qualifikationskriterien: Wegen der Corona-Pandemie wurden die Wettbewerbe im zweitklassigen IBU-Cup reduziert. Daher dürfen die nationalen Biathlon-Verbände für das erste Trimester - je nach Bedarf auch darüber hinaus- je zwei Athleten nominieren, die die Qualifikationskriterien nicht erfüllt haben.

Streichresultate: Die zweite Regeländerung betrifft die Streichresultate. Diese erhöhen sich in diesem Winter von zwei auf vier. Konnten die Athleten bislang zwei Resultate streichen, erhöht sich die Zahl im Corona-Winter 2020/21 auf vier Streichergebnisse. Streichresultate werden auch im Nationencup, in den Disziplinwertungen und in der IBU-Cup-Gesamtwertung eingeführt. Sollte die Gesamtanzahl an Wettkämpfen sinken, wird die Anzahl der Streichresultate daran angepasst.

Die Neuerungen bei den Qualifikationskriterien und der Streichresultate sind nur zweitweise Veränderungen, die der Corona-Pandemie geschuldet sind.

Blaues Trikot: Die IBU führt in der kommenden Saison ein dunkelblaues Trikot ein: Dieses trägt der beste Athlet und die beste Athletin, die bis zum 31. Dezember noch unter 25 Jahre alt sind.

Biathlon-WM, Staffel der Frauen

Supersprint und Schießregeln: Am Supersprint-Format wurden ebenfalls Änderungen durchgeführt, um die Gewichtung von Schießen und Laufen auszugleichen. Die Runde hat nun eine Standardlänge von 1,5 km. Es dürfen außerdem keine Nachlader mehr verwendet werden.

Auch die Strafen für bestimmte Vergehen am Schießstand wurden angepasst: Crossfire auf Scheiben in einer anderen Schießbahn und die Wahl der falschen Schießbahn in Wettkämpfen mit vorgegebener Schießbahnnummer führen nicht mehr automatisch zu einer Disqualifikation.

Ski alpin

Frauen-Parallelslalom

Parallel-Rennen: Bei den Parallel-Rennen im alpinen Skiweltcup wird es künftig ausschließlich Duelle mit zwei Läufen geben. Um die Bewerbe nicht extrem in die Länge zu ziehen, werden allerdings nur noch 16 statt wie bisher 32 Fahrer für die K.o-Phase qualifiziert sein. Ursprünglich gab es nur in der ersten Runde Hin- und Rücklauf, ab dem Achtelfinale fiel die Entscheidung, wer in die nächste Runde kommt, in nur einem Lauf. Das führte zu Protesten bei den Fahrern. Mit der nun angepassten Regel soll mehr Chancengleichheit gewährleistet werden.

Skispringen

Keile und Anzüge: Im Skispringen hat sich der Weltverband FIS auf zwei große Änderungen geeinigt. Symmetrische und einheitliche Keile und eine Anpassung der Anzüge. Mit der Anpassung der Keile reagiert der Verband auf die große Anzahl der schweren Knieverletzungen. Andreas Bauer, der für den Deutschen Skiverband in der Materialkommission der FIS, sitzt, erklärt: "Die Keile, die man in die Schuhe reinsteckt, müssen links und rechts an den Unterschenkeln vorbeilaufen und gleichmäßig dick sein. Die dürfen nicht einseitig ausgeprägt sein, dass es einem dadurch in der Luft den Ski planer stellt, bei der Landung aber das hintere Knie nach innen drückt."

Sven Hannawald erklärt die Anpassung der Keile im Skispringen Sportschau 22.11.2020 06:27 Min. Verfügbar bis 22.11.2021 Das Erste

Andreas Wellinger beim Skisprung-Weltcup 2018 in Wisla

Andreas Wellinger - die Skispringer haben jetzt symmetrische Keile in den Schuhen.

Bauer sagt, dass man durch die Änderung ein insgesamt stabileres System hat, "die Keile geben dem Springer direkt nach dem Schanzentisch im ersten Flugdrittel mehr Sicherheit. Gerade auch bei hohen Windgeschwindigkeiten."

Katharina Althaus

Katharina Althaus beim Skispringen - die taillierten Anzüge bei den Frauen sind passé.

Zudem gab es eine Anpassung der Anzüge, die allerdings nur die Frauen betrifft. Die Anzüge der Frauen haben nun fast den gleichen Schnitt wie die der Männer - nur ein Reißverschluss vor der Brust bei den Frauen unterscheidet beide Geschlechter. Der Anzug der Frauen ist nun weniger tailliert, die Frauen haben weniger Flugfläche. Aber die Neuregelung macht für die Frauen auch vieles leichter. Das erklärt Bauer, der auch Bundestrainer der Skisprung-Frauen ist: "Bei den Frauen hatten wir bisher 19 Stoffteile für einen Anzug. Bei den Männern nur elf. Ein Damen-Anzug hat in der Produktion doppelt so viel Zeit in Anspruch genommen. Daher bin ich ganz froh, dass wir uns den Männern angeglichen haben."

Weitere Änderungen hat der Weltverband auch schon im Blick: "Als nächsten Schritt sollen spätestens nach Olympia auch die Schuhe symmetrisch werden. Die letzte Bastion ist der gebogene Bindungsstab, mit dem Simon Ammann 2010 in Vancouver die gesamte Skisprung-Fachwelt überrascht hat. Da will man wieder zu einem geraden Stab zurückkehren", erklärt Bauer.

Skilanglauf

Langlauf-Staffel der Herren

Staffel-Punkte für den Einzel-Weltcup: Eine kleinere Änderung gibt’s im Skilanglauf - der Weltverband FIS vergibt künftig auch in den Staffelrennen Punkte für den Einzel-Weltcup und den Distanz-Weltcup, bei Teamsprints Punkte für den Gesamt- und Sprint-Weltcup. Damit sollen die Staffeln aufgewertet werden - in der Vergangenheit haben die Top-Läufer immer mal wieder die Team-Wettkämpfe ausgelassen, um Kräfte für den Einzel-Weltcup zu sparen. Ab dieser Saison erhält jeder Läufer/jede Läuferin aus dem Sieger-Team eines Mannschafts-Wettbewerbes 25 Punkte. Platz 15 erhält noch einen Zähler. Bei den Athleten wird die Änderung skeptisch aufgenommen. Der norwegische Vorjahres-Gesamt-Weltcup-Sieger Johannes Hoesflot Klaebo sagte im norwegischen Fernsehen: "Es ist zwar schön, dass die FIS etwas Neues versucht, aber ich bezweifle, dass das so der richtige Weg ist. Stellt euch vor, es würde einen neuen Dario Cologna geben, der kein Staffelteam hat."

Bob

Monobob bei Jugend-Olympia im Januar 2020

Frauen-Monobob: Im Bob-Weltcup der Frauen gibt es eine neue Disziplin. Kein Viererbob, sondern der Alleine-Bob, oder auch Monobob. Im Monobob wird bei den Winterspielen 2022 um Olympia-Medaillen gefahren, und so hat der Weltverband IBSF im Frühjahr kurzfristig entschieden, dass die Frauen auch im Weltcup mit dem Gefährt unterwegs sein sollen. Erstmals geht es die Eisrinne Anfang Dezember in Innsbruck/Igls hinunter.

Die Begeisterung über die Einführung der neuen Disziplin ist nicht eben groß. Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) musste im finanziell ohnehin klammen Winter sechs Monobobs mit Kosten von 22.500 Euro pro Schlitten kaufen - und muss nun die Gesamtsumme über drei Jahre abstottern. Zweierbob-Olympiasiegerin Mariama Jamanka sagte Mitte November: "Ich bin noch nie Monobob gefahren. Ich werde mich da aus der Kalten draufsetzen." Im RBB hatte sie zuvor die kurzfristige Entscheidung des Weltverbandes IBSF kritisiert und gesagt: "Für mich ist es nach wie vor keine adäquate zweite Disziplin. Ich finde, dass es eine Verschlechterung der Situation ist." Der Monobob war ursprünglich als Lerngerät konzipiert, ist deutlich langsamer. Und, so Jamanka: "Bobfahren ist für mich aber eine Teamsportart. Da ist für mich dann einfach das Konzept vom Bobfahren verloren gegangen." Aus dem deutschen Team ist Laura Nolte bereits Monobob im Wettkampf gefahren - 2016 holte sie in dem Gerät den Jugend-Olympiasieg. Doch auch Nolte kritisiert die Aufnahme der Disziplin in den Weltcup.

Die Wertungs-Punkte gehen in eine Disziplin-Rangliste sowie auch eine gemeinsame Rangliste mit Frauen-Zweierbob ein.

Ski Nordisch - Noch kein Verbot für fluorhaltige Ski-Wachse

Eigentlich sollte ab diesem Winter auch für alle Skiwachse ein Verbot fluorhaltiger Inhaltsstoffe gelten. Der Ski-Weltverband FIS und der Biathlon-Weltverband IBU wollten damit eine EU-Richtlinie umsetzen, die wegen der schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit Fluor-Verbindungen seit Juli 2020 verbietet. Weil Fluorverbindungen noch lange nach dem Aufbringen auf die Ski in den Wachstrucks und Containern nachweisbar sind, führte der Beschluss der beiden Weltverbände dazu, dass einige Langlauf- und Biathlon-Nationen bereits ihre Trucks großflächig und gründlich reinigten. Außerdem stellten Skiwachs-Firmen die Produktion komplett auf fluorfreie Wachse um.

Im Oktober hieß es dann: Kommando zurück. Die Testverfahren, die das Fluorwachs im Ski nachweisen und das Verbot überprüfen sollen, sind noch nicht ausgereift. Der Ski-Weltverband berichtete von einigen fehlerhaften Messserien. Daher entschieden sich FIS und IBU, das Verbot um ein Jahr nach hinten zu schieben.

Fluorwachse helfen den Sportlern vor allem bei nassem und weichem Schnee, besser über die Pisten und durch die Loipen zu gleiten. Ohne Fluorwachse sind die Sportler rund 1 bis 3 Prozent langsamer, was bei einem Biathon-Sprint einem Zeitverlust von 20 Sekunden bis 1 Minute entspricht.

nho/dh/FIS/IBU | Stand: 20.11.2020, 16:28

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