Humphries holt historisches Monobob-Gold vor deutschen Schlitten

Bob-WM - Humphries ist erste Monobob-Weltmeisterin Sportschau 14.02.2021 00:36 Min. Verfügbar bis 14.02.2022 Das Erste

Bob | Weltmeisterschaft in Altenberg

Humphries holt historisches Monobob-Gold vor deutschen Schlitten

Von Dirk Hofmeister

Der erste Weltmeister-Titel im Monobob der Frauen geht in die USA. Silber und Bronze holten deutsche Fahrerinnen.

Die US-Amerikanerin Kaillie Humphries ist die historische erste Weltmeisterin im Monobob. Bei den Titelkämpfen im sächsischen Altenberg setzte sich die Zweierbob-Weltmeisterin am Sonntag (14.02.2021) in vier Läufen in 3:59,62 Minuten gegen gleich drei deutsche Schlitten durch. Stephanie Schneider wurde auf ihrer Heimbahn Zweite (+ 0,50 Sekunden), Laura Nolte fuhr zu Bronze (+ 0,80 Sekunden).

Schneider: Im "bockigen Pony" zu Silber

Schneider, vor einer Woche im Zweierbob noch enttäuschte Vierte, freute sich über Silber: "Wir hatten in der letzten Woche im Zweier auch die Chance, um Silber zu kämpfen. Das ist uns leider nicht gelingen. Dafür ist es umso schöner, dass es heute geklappt hat", sagte die 30-Jährige nach dem Rennen. Die Sächsin hatte zur WM-Halbzeit der erst in dieser Saison eingeführten neuen Monobob-Disziplin auf der schweren Bahn im Erzgebirge noch geführt. Im ersten Lauf am Sonntag war sie dann trotz Knacken der Ein-Minuten-Marke (59,80 Sekunden) auf Rang drei zurückgefallen.

Doch mit einer starken finalen Fahrt in erneut 59,80 Sekunden verwies sie Teamkollegin Nolte auf Rang drei. Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in China hat Schneider aber noch einige Arbeit vor sich. Am Samstag sprach sie von ihrem Schlitten als einem "bockigen Pony". Sonntag erklärte sie: "Ganz unter Kontrolle hab ich den Bob noch nicht. Aber der letzte Lauf war schon ganz ordentlich."

Nolte reist mit zwei Medaillen von der WM ab

Nolte, die 2016 im Monobob bereits Jugend-Olympiasiegerin geworden war, war nach dem Rennen hin- und hergerissen: "Ich bin enttäuscht über den letzten Lauf. Da wäre mehr drin gewesen. Aber ich bin sehr zufrieden, dass es noch eine Medaille geworden ist." Die 22-Jährige reist nach Bronze im Zweierbob als einzige deutsche Athletin mit zwei Medaillen aus dem Erzgebirge ab.

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Humphries mit Bahnrekord zum Titel

Kaillie Humphries

Kallie Humphries jubelt über WM-Gold.

Sogar mit zwei Titeln reist Humphries ab. Die 35-jährige zweifache Olympiasiegerin und nun fünffache Weltmeisterin sicherte sich den Monobob-Titel mit drei Bestzeiten in vier Läufen. Nach Rang vier im ersten Durchgang steigerte sich die frühere Kanadierin und fuhr am Sonntag in 59,59 Sekunden und 59,47 Sekunden zweimal Bahnrekord.

Jamanka und Kalicki auf vier und sechs

Monobob-Kritikerin Mariama Jamanka wurde bei der WM-Premiere des Solo-Schlittens Vierte. Die Zweierbob-Olympiasiegerin fuhr damit zum besten Monobob-Ergebnis ihrer Karriere. "Ich habe mir Top 6 vorgenommen, jetzt ist es der vierte Platz. Damit kann ich gut leben. Im letzten Lauf bin ich die drittbeste Laufzeit gefahren. Das ist die beste Quote, die ich in Mono-Wettkämpfen bisher hatte. Alles gut", sagte die 30-Jährige nach dem Wettkampf.

Kim Kalicki fiel nach Rang drei im ersten Lauf nach drei unsauberen weiteren Durchgängen noch auf Rang sechs zurück. Dabei wurde sie unter anderem von der fünftplatzierten Kanadierin Cynthia Appiah abgefangen, die mit 5,92 Sekunden einen neuen Startrekord aufstellte.

Spies: "Haben unsere Ziele übertroffen"

Bundestrainer René Spies zog ein überaus positives Fazit: "Wir haben alle unsere Ziele voll erreicht. Ich würde sogar sagen übertroffen. Wenn man die letzten Wochen gesehen hat, da sind wir von den Ergebnissen ziemlich verprügelt worden. Das war eine gute Antwort von allen."

Premieren-Weltmeisterin Humphries erntete von Spies viel Respekt: "Kaillie besitzt außerordentliche Fähigkeiten und ganz viel Erfahrung. Das spielt im Monobob noch mehr in ihre Karten." Auf dem Weg zur Olympia-Premiere 2022 will Spies in den Monobobs "noch einmal die Lenkung optimieren. Wir müssen sehen, dass sich die Mädels wohler fühlen mit dem Gerät."

Meyers Taylor stürzt zweimal - und wird 15.

Historisch auch das Rennen von Humphries‘ Landsfrau Elana Meyers Taylor. Die zweifache Weltmeisterin und zweifache Olympia-Silbermedaillengewinnerin stürzte in den vier Läufen zweimal - und beendete die WM trotzdem als 15. Im ersten Lauf konnte sie die Ausfahrt nach Kurve neun nicht halten, im finalen vierten Lauf stürzte sie bei der Einfahrt in Kurve elf. Jeweils in der folgenden Kurve stellte sich der Schlitten der 36-Jährigen aber wieder auf und sie konnte ins Ziel fahren. Sehr zur Freude von Ehemann und Söhnchen, die im Ziel die Stürze mit ansehen mussten.

Monobob: Zwischen "Gaudiveranstaltung" und "Lieblingsdisziplin"

Die Monobob-Disziplin der Frauen ist nicht unumstritten. Der Schlitten war in dieser Saison vom Weltverband IBSF eingeführt worden. Die Frauen sollten so bei Großveranstaltungen die gleiche Anzahl von Wettkämpfen wie die Männer bekommen, die neben dem Zweierbob auch den Vierer fahren. Doch von den Frauen gab es Gegenwind. Vor allem 2018-Olympiasiegerin Jamanka kritisiert das neue Gerät offen als "Gaudiveranstaltung" und "keine adäquate Disziplin".

Der Monobob ist leichter, langsamer und schwerer zu lenken. Doch es gibt auch Fans. Für die Premieren-Weltmeisterin Humphries ist der Monobob eine "Lieblingsdisziplin." Bundestrainer Spies analysierte bereits vor der Saison: "Sehr gute Athletinnen sind bevorteilt gegenüber guten Pilotinnen." Nach der WM-Premiere in Altenberg steht 2022 an: Dann gibt es in China im Monobob Olympiamedaillen. Das Hauptziel für Spies, der die WM nur als "Zwischenstation auf dem Weg zu Olympia" bezeichnete.

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Stand: 14.02.2021, 11:15

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