Bob-Trainer René Spies im Interview

René Spies

Vor dem Saisonstart

Bob-Trainer René Spies im Interview

Die Rodler sind bereits in der Erfolgsspur, am Wochenende geht’s nun endlich auch für die Bob-Piloten wieder in den Eisrinne. Vor dem Weltcup-Start in Sigulda (Lettland) haben wir mit Bundestrainer René Spies über eine Premiere, Neuzugänge und Favoriten gesprochen.

Nach dem Gold-Coup von Pyeongchang gehen die deutschen Bobs als Topfavoriten in die nacholympische Saison. Spüren Sie jetzt Vorfreude oder Druck?

René Spies: Der Druck ist dank den Erfolgen bei Olympia weg. Jetzt freue ich mich auf die Saison und vor allem auf die Weltmeisterschaft in Whistler. Die Bahn ist die schnellste der Welt. Wir waren vor drei Wochen zum Training in Kanada, um Feinheiten zu erarbeiten für die man sonst keine Zeit hat. Die WM ist natürlich das Saison-Highlight.

 Welche Ziele haben Sie in der Saison?

Wir wollen bei der Weltmeisterschaft um die Medaillen mitfahren. Ich möchte, dass wir bei den Männern und Frauen im vierten Lauf noch die Chance haben, nach Gold zu greifen. Das ist das große Ziel in dieser Saison. Weitere Ziele sind, dass sich jeder individuell verbessert; wir wollen an der Athletik feilen, im Material vorankommen und strukturell im Trainerteam besser werden.

Der Start in Sigulda ist gleichzeitig eine Weltcup-Premiere auf einer zu engen Bahn. Erklären Sie uns das bitte kurz.

Es gibt Bahnen mit Kurven mit großen Radien, die sehr offen sind, wo man wenig Druck hat und Kurven mit engen Radien. Diese Bobbahn ist speziell für das Rennrodeln gebaut, da funktioniert das auch gut. Wir haben längere Sportgeräte und wenn dann die Kurven kleiner und die Radien enger werden, ist das für den Zweier zwar kein großes Problem, aber für den Vierer würde es nicht funktionieren.

… deshalb gibt’s am Wochenende kein Viererrennen, sondern zwei Wertungsläufe im kleinen Schlitten. Ärgert Sie das?

Nein. Die Entscheidung ist völlig okay. Wir freuen uns darauf, die neue Bahn kennenzulernen. Wir müssen uns die Bahn viel akribischer erarbeiten, aber das ist es eine schöne Herausforderung. Die Bahn macht Spaß und ist für alle ein neuer Reiz und eine Freude.

Haben Sie sich speziell auf diese Bahn vorbereitet?

Wir haben bis Mittwoch acht Läufe gemacht. Das ist ausreichend. Wir beherrschen die Bahn zwar nicht im Detail, aber in groben Zügen haben wir da schon einen Plan.

Von den deutschen Olympiasiegern war für den Weltcup nur Francesco Friedrich gesetzt. Alle anderen mussten in die interne Qualifikation. Warum?

Nach Olympia ist immer die Zeit, wo man den jungen Piloten die Chance geben muss, sich zu messen und sich im besten Fall sogar zu qualifizieren. In den letzten beiden Jahren war das Team eigentlich gesetzt, da gab es für die jungen Athleten keine Chance reinzurutschen. Jetzt hatte ich klar kommuniziert, dass nur der Doppel-Olympiasieger gesetzt ist.

Ist einer der Nachwuchspiloten ins Rampenlicht gefahren?

Christoph Hafer hat in der ersten Sektion Johannes Lochner im Vierer geschlagen und sich aufgrund seiner Leistungen den Weltcup-Startplatz in Sigulda erkämpft. Bei den Frauen hat Laura Nolte angeklopft und den Arrivierten das Leben ganz schön schwer gemacht hat. Es hat noch nicht ganz für den Weltcup gereicht, aber sie hat gezeigt, dass sie da ist.

Johannes Lochner ist in Sigulda nicht dabei. Wie geht es ihm nach seiner Adduktorenverletzung?

Ihm geht’s wieder gut. Er startet am Wochenende im Europacup in Altenberg. Wir gehen davon aus, dass er nächste Woche in Winterberg im Vierer starten kann.

Lisa Buckwitz war in Pyeongchang noch als Anschieberin unterwegs, jetzt ist sie Pilotin. Ist sie schon bereit für den Weltcup?

So schnell geht das nicht. Der Plan ist, dass sie in dieser Saison viele Fahrten auf verschiedenen Bahnen macht. Im nächsten Jahr wäre dann ein Start im Europacup das Ziel.  Danach muss man abwarten, ob sie im vorolympischen Jahr schon im Weltcup anklopfen kann. Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel, aber nicht unmöglich. Meist dauert es vier, fünf Jahre bis man soweit ist. Sie ist eine verdienstvolle Athletin. Wir versuchen alles, um sie zu fördern, setzen sie aber nicht unter Druck.

Es gab Anzeichen, dass Anschieberinnen wie Annika Drazek selbst Pilotin werden wollen – was ist daraus geworden?

Das stand mal im Raum. Die Pläne sind aber vom Tisch. Annika ist eine der stärksten Anschieberin der Welt. Sie wird die nächsten vier Jahre Anschieberin bleiben und sich bei Olympia 2022 dann hoffentlich mit Gold belohnen.

Gibt es Neuzugänge in den Schlitten?

Jedes Team hat einen Neuen. Bei Nico Walther ist Paul Krenz neu. Alexander Schiller schiebt den Bob von Francesco Friedrich mit an und Florian Bauer verstärkt das Team von Johannes Lochner. Allerdings wird bis zu den nächsten Olympischen Spielen personell sicher noch einiges passieren.

Der Monobob wird ja demnächst olympisch – wie ist da der aktuelle Stand, die Leistungsdichte international?

Dazu kann ich nur wenig sagen, weil einfach noch zu viel unklar ist. Der Weltverband IBSF muss erst Entscheidung bekanntgeben, welches Fabrikat es geben wird und ob die Zweierbob-Pilotinnen gleichzeitig die Monobob-Pilotinnen sein werden. Es gab viele Gespräche und Tendenzen, aber ich brauche klare Entscheidungen.

Zum Schluss noch: Wer sind für Sie die Favoriten in diesem Winter?

Ich gehe natürlich davon aus, dass wir ganz vorn mitfahren. Die größten Konkurrenten bei den Männern kommen aus Kanada und Russland. Bei den Frauen rechne ich auch ganz stark mit den Kanadiern und den USA.

Das Gespräch führte Sanny Stephan.

Thema in: Das Erste, Sportschau live, 7.12., ab 14.05 Uhr

Stand: 06.12.2018, 17:37

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