Das sind die Favoriten der Biathlon-WM

Die Norweger Johannes Thignes Bö, Sturla Holm Laegreid und Johannes Dale bejubeln ihre jeweiligen Podestplätze.

Biathlon | Weltmeisterschaft in Pokljuka

Das sind die Favoriten der Biathlon-WM

Von Dirk Hofmeister

Welcher Norweger darf es denn sein? Im Weltcup teilen die Bös, Laegreids und Dales das Podest reihenweise unter sich auf. Wird das auch bei der WM so sein? Wer könnte den Topfavoriten dazwischenfunken? Eine Auswahl.

Johannes Thingnes Bö - der Gejagte

Im Biathlon-Weltcup hat Johannes Thingnes Bö den dritten Gesamtsieg vor Augen, bei Weltmeisterschaften sammelte er bereits zehn Goldmedaillen, außerdem ist er Olympiasieger und einer der schnellsten Biathleten der Welt. Logisch, dass Bö auch der Topfavorit bei den Titelkämpfen in Pokljuka ist.

Johannes Thignes Bö bejubelt seinen Sieg im Ziel

Spannend wird trotzdem sein, wie und ob der 27-Jährige mit der Favoritenrolle umgehen kann. Wir erinnern uns: auch 2020 in Antholz war Bö als scheinbar übermächtiger Favorit angereist. Abgereist ist er dann nur mit einer Einzel-Goldmedaille.

In diesem Winter zeigt Bö, der bei Weltcups, Weltmeisterschaften und Olympia insgesamt bereits 52 Siege feierte, zudem überwunden geglaubte Schwächen im Stehendschießen.

Sturla Holm Laegreid - der aufgehende Stern

Am ehesten von einem schwächelnden Bö profitieren könnten die Teamkollegen. Im Gesamt-Weltcup lauern hinter Bö mit Sturla Holm Laegreid, Tarjei Bö und Johannes Dale gleich drei Norweger. Mehrfach in dieser Saison machte Team Norge das Siegerpodest dabei unter sich aus.

Sturla Holm Laegreid aus Norwegen in Aktion auf der Strecke

Ein Phänomen ist dabei der erst 23-jährige Laegreid: Im vergangenen Winter durfte er nur viermal im Weltcup ran - in diesem Winter feierte er dafür schon vier Siege in Einzelrennen, stand insgesamt siebenmal auf dem Podest.

Was ihn so stark macht: Er ist der beste Schütze unter den Top-Athleten. Zudem steigerte sich Laegreid läuferisch. In Pokljuka strebt der Hobby-Gitarrist aus Lillehammer nun seine erste WM-Medaille an. Die Überraschung wäre sicher größer, wenn er ohne Edelmetall bleibt.

Quentin Fillon Maillet - aus dem Schatten getreten

Ein starkes Männerteam haben auch die Franzosen, was nicht nur die Staffelsiege in Oberhof und Antholz zeigten. Und wer ist der Stärkste der Post-Martin-Fourcade-Ära? Der einstige Weltcup-Gesamtvierte Simon Desthieux? Der flatterhafte Emilien Jaquelin? Der erfahrene Antonin Guigonnat? Nein. Am besten präsentierte sich in diesem Winter Quentin Fillon Maillet.

Biathlet Quentin Fillon Maillet

In den Zeiten der Fourcade-Dominanz liefen die Erfolge des 28-jährigen neunfachen WM-Medaillengewinners oft unter dem Radar seines übermächtigen Landsmannes. In diesem Winter zeigte er mit vier Weltcup-Podestplätzen, dass er die französische Tricolore in die Höhe halten kann. In seinen 14 Einzelrennen dieses Winters verpasste er mit zwölf Top-10-Ergebnissen das Podest nur knapp.

Zur Krönung der Karriere fehlen Fillon Maillet eigentlich nur noch sein erstes Einzel-Gold bei einer WM und eine Olympiamedaille. Mission eins beginnt am 9. Februar in Pokljuka - wo Fillon Maille in der vergangen Saison übrigens den Massenstart gewann und Zweiter in der Verfolgung wurde.  

Jakov Fak - der Alleinkämpfer

Erfolge in Pokljuka - die kennt auch Jakov Fak. Der 33-Jährige ist so etwas wie der Alleinunterhalter beim WM-Gastgeber und der einzige Slowene mit halbwegs realistischen Medaillenchancen.

Jakov Fak

Zwei Olympia-Medaillen und vier WM-Medaillen zieren bereits den Trophäenschrank des gebürtigen Kroaten. In Pokljuka gewann er zudem bereits einen Sprint und wurde Massenstart-Zweiter - auch wenn diese Erfolge schon wieder neun Jahre zurückliegen.

Dass mit dem treffsicheren Fak aber immer noch zu rechnen ist, zeigte er ausgerechnet im letzten Wettkampf vor der WM: Im Massenstart wurde er Dritter und ließ dabei fast die gesamte Weltelite hinter sich.

Arnd Peiffer - Immer für einen Sieg gut

Und wer holt für die deutschen Männer die ersehnte Einzelmedaille? Die besten Chancen hat wohl Arnd Peiffer. Der Niedersachse hat nicht die allerbesten Erinnerungen an Pokljuka, seine Top-Ergebnisse holte er woanders.

Biathlet Arnd Peiffer jubelt über seinen Sieg beim Massenstart-Rennen

Doch Peiffer freut sich, "endlich einmal ausgeruht" und nicht am Ende eines Biathlon-Trimesters auf die in rund 1.300 Meter Höhe liegende Strecke zu fahren. Und dass Peiffer überraschen kann, zeigte er in seiner Karriere bereits mehrfach. Zum Beispiel, als er 2019 WM-Gold im "ungeliebten Einzel" gewann. Oder als er 2018 Olympiasieger im Sprint wurde. Oder als er in diesem Winter in Hochfilzen zu seinem ersten Sieg in einem Massenstart lief.

Außerdem reist Peiffer mit hohen Ansprüchen nach Slowenien: "Ich möchte mit einer Medaille nach Hause fahren", sagte er vor den Titelkämpfen. Dreimal schaffte Peiffer es in dieser Saison bereits aufs Podest - also warum nicht auch bei der WM?

Stand: 06.02.2021, 08:03

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