Diese Entscheidungen fallen am letzten Biathlon-Wochenende

Biathlon: Abschluss des Biathlon-Weltcups in Östersund Morgenmagazin 19.03.2021 01:30 Min. Verfügbar bis 19.03.2022 Das Erste Von Jörg Klawitter

Weltcupfinale in Östersund

Diese Entscheidungen fallen am letzten Biathlon-Wochenende

Für die Biathleten stehen an diesem Wochenende in Östersund die letzten Rennen in diesem Winter auf dem Programm. Wir geben einen Überblick über die noch ausstehenden Entscheidungen im Weltcup.

Sprint, Verfolgung und Massenstart sind die Disziplinen beim abschließenden Weltcup-Wochenende der Biathleten in Östersund. Während bei den Frauen nur noch eine Entscheidung aussteht, ist es bei den Männern deutlich spannender.

Frauen: Massenstart noch völlig offen

So hat die Norwegerin Tiril Eckhoff - die überragende Skijägerin in dieser Saison - in der Vorwoche in Nove Mesto sowohl im Gesamtweltcup als auch im Sprint und der Verfolgung schon alles klargemacht. Daher verspricht bei den Frauen nur noch das abschließende Massenstartrennen ganz viel Spannung über die Vergabe einer kleinen Kristallkugel. Da liegen die besten sechs innerhalb von 16 Punkten - unter ihnen auch Franziska Preuß. Bei noch 60 zu vergebenen Punkten hätte sie noch alle Chancen, müsste dafür aber gleich vier Kontrahentinnen deutlich hinter sich lassen.

Auch der dritte Rang im Gesamtklassement wäre für Deutschlands aktuell beste Biathletin noch möglich. Bei Preuß' Rückstand (795 Punkte) auf die drittplatzierte Schwedin Hanna Öberg beträgt nach dem Sprint 29 Punkte. Auch Dorothea Wierer hat sich vor den letzten zwei Rennen noch dazwischen geschoben (811).

Preuß denkt nicht an Punkte

"Ich versuche ohne Druck in Östersund zu starten, ohne Punkte in meinem Kopf", erklärte Preuß im Vorfeld der "harten Rennen" beim Saisonabschluss. "Ich bin nach wie vor sehr zufrieden mit meiner Saison. Deswegen gehe ich mit einer gewissen Lockerheit, optimistisch und zuversichtlich ins Finale rein", erklärte die 27-Jährige, die in dieser Saison mit einer beeindruckenden Beständigkeit überzeugte. 17 Mal kam sie in den bisherigen 23 Rennen unter die besten zehn.

Ist auf Rang vier die beste Deutsche im Gesamtweltcup: Franziska Preuß.

Franziska Preuß

Bö-Brüder in allen Wertungen vorne

Bei den Männern sind hingegen alle einige Entscheidungen noch offen. Die beste(n) Ausgangslage(n) hat Johannes Thingnes Bö. Der Gesamtsieger der vergangenen beiden Jahre hat nach dem Sprint-Auftakt nur noch 15 Zähler Vorsprung vor seinem norwegischen Landsmann Sturla Holm Laegreid nach dem Östersund-Sprint.

Den Sprintweltcup hat Bö schon sicher. In der Verfolgung liegt der Franzose Emilien Jacquelin nur neun Zähler hinter dem Norweger. Weitere zwei Punkte danach folgt Laegreid.

Ähnlich wie bei den Frauen ist die meiste Spannung im Massenstart zu erwarten. Aufgrund der geringen Anzahl an Rennen in diesem Winter ist dort noch alles eng beieinander. Dort führt mit Tarjei der ältere der Bö-Brüder vor Johannes Thingnes (- 9 Punkte). Auch Quentin Fillon Maillet kann sich noch große Hoffnungen machen. Theoretische Chancen haben sogar acht Athleten.

Diese Wintersportler machen Schluss

Abschied von der Wintersport-Bühne: Nach der ersten kompletten Saison ohne Zuschauer verlassen einige Wintersportler die große Wettkampfbühne.

Arnd Peiffer macht einfach Schluss "Irgendwann mache ich einfach Schluss", hatte Arnd Peiffer während der Saison noch verkündet. Wenige Wochen später war es schon soweit. Noch vor dem Saisonfinale beendete der 34-Jährige seine Karriere. 13 Winter im Biathlon reichen, Olympia 2022 stellte für ihn keinen Reiz dar. Der Zeitpunkt sei ideal, sagte Peiffer, der bei der WM im Februar mit Silber die einzige deutsche Einzelmedaille gewann. Es war seine 17. insgesamt.

Arnd Peiffer macht einfach Schluss "Irgendwann mache ich einfach Schluss", hatte Arnd Peiffer während der Saison noch verkündet. Wenige Wochen später war es schon soweit. Noch vor dem Saisonfinale beendete der 34-Jährige seine Karriere. 13 Winter im Biathlon reichen, Olympia 2022 stellte für ihn keinen Reiz dar. Der Zeitpunkt sei ideal, sagte Peiffer, der bei der WM im Februar mit Silber die einzige deutsche Einzelmedaille gewann. Es war seine 17. insgesamt.

Simon Schempp sucht neue Herausforderungen

Der ehemalige Spitzenathlet Simon Schempp hing das Gewehr schon im Januar an den Nagel, auch weil sein Körper den Belastungen nicht mehr gewachsen ist. Die langjährige deutsche Nummer eins hatte in seiner Karriere vier WM-Titel, zweimal Olympia-Silber und einmal Bronze sowie zwölf Weltcupsiege gewonnen. Er "habe viele tolle Momente erleben können", so der 32-Jährige, der sich ein Wirtschaftsingenieursstudium als neues Ziel vorgenommen hat.

Andi Bauer - "privates Projekt" statt Skispringen

Der Mann der ersten Stunde im Frauen-Skispringen verlässt die Bühne. Andreas Bauer betreute die Skispringerinnen seit dem erstem Weltcup, seinen Abschied zum Saisonende kündigte er während der Ski-WM in seinem Heimatort Oberstdorf an. Der zeitintensive Trainer-Job sei mit dem nicht näher erläuterten privaten Projekt zukünftig nicht mehr vereinbar, sagte der 57-Jährige.

Snowboard-Weltmeisterin Selina Jörg hört auf

Selina Jörg beendet ihre überaus erfolgreiche Laufbahn im Frühling. "Mit zwei WM-Medaillen beim Heim-Weltcup am Götschen abzutreten - besser geht’s nicht", sagt die Sonthofenerin. Mit zweimal Gold und einmal Bronze ist sie die erfolgreichste deutsche Snowboarderin bei einer WM. 21 Mal stand sie auf dem Weltcup-Podest und bei drei Rennen sogar ganz oben. Zur Sammlung gehört auch das Olympia-Silber von 2018.

Auch Snowboarderin Cheyenne Loch sagt Servus

Der Körper spielt nicht mehr mit: Nach anhaltenden Problemen am Sprunggelenk beendet auch Cheyenne Loch ihre Karriere. "Der Funke ist nach meinem Comeback diesen Winter nicht mehr zurückgekommen", sagt die 26-Jährige, die mit zahlreichen Verletzungen (u. a. zwei Kreuzbandrissen) zu kämpfen hatte.

Ski Alpin: Hannes Reichelt beendet Karriere

Ex-Weltmeister Hannes Reichelt verabschiedet sich von der großen alpinen Ski-Bühne. Der 40-jährige Österreicher hat "das Gefühl gehabt, dass nach 20 Jahren im Skiweltcup der Zeitpunkt gekommen ist, mich zu verabschieden." Größter Erfolg von Reichelt war der Gewinn der Goldmedaille im Super-G bei der WM 2015. Bei der WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen hatte er bereits Silber in dieser Disziplin geholt, drei Jahre zuvor die kleine Weltcup-Kristallkugel.

Skirennläuferin Marina Wallner - der Körper spielt nicht mehr mit

"Wenn der Körper nicht mehr so belastbar ist, wie man sich das wünscht, dann leidet die Motivation und es ist Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen." Skirennläuferin Marina Wallner hört auf, weil die Belastungen zu groß sind. Immer wieder wurde die 26-Jährige, die 2013 ihr Weltcupdebüt gefeiert hatte, von Verletzungen zurückgeworfen. Unter anderem kämpfte sie sich zwei Mal nach einem Kreuzbandriss zurück. Von ihren Verletzungen geprägt, will sie jetzt eine Ausbildung als Physiotherapeutin beginnen. 

Ondrej Moravec - der Sotschi-Abräumer geht

Mit 36 sagt der beste tschechische Biathlet des zurückliegenden Jahrzehnts Servus: Ondrej Moravec beendete in seiner Heimat Nove Mesto seine Karriere. Ohne Fans, aber mit seiner Familie. Emotional waren die Bilder, die um die Welt gingen. Von den neun Medaillen, die Moravec von 2013 bis 2020 bei Olympia und Weltmeisterschaften gewann, holte er drei bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi.

Bernhard Gruber - Österreichs erfolgreichster WM-Kombinierer und das Herz

Eigentlich hatte Bernhard "Bernie" Gruber diese Saison sein großes Comeback geplant. Ein Jahr nach seiner Herz-Operation hatte er sogar mit der WM in Oberstdorf geliebäugelt. Im Januar in Lahti stand er wieder auf der Schanze - doch dann wurde es dramatisch. Herkranzgefäßverengung, eine erneute Operation, zwei neuerliche Stents. "Das war recht heftig und ein ordentlicher Schuss vor den Bug. Ich habe auch mit den Ärzten gesprochen, und sie haben gesagt, es ist eher gescheiter, wenn ich mich vom Leistungssport verabschiede", erklärte Gruber. Statt Comeback folgte das engültige Karriereende für den 38-Jährigen. Mit je drei Gold- Silber- und Bronzemedaillen war er Österreichs erfolgreichster Nordischer Kombinierer - sogar erfolgreicher als Felix Gottwald .

Ski Alpin: Ted Ligety - der Rücken streikt

Überraschend kam der Rücktritt nicht - zu viele Verletzungen hatte der US-amerikanische Skirennläufer Ted Ligety in seiner Karriere erlitten: Kreuzbandriss, Operation an der Wirbelsäule, Bandscheibenprobleme. Eigentlich wollte der 36-Jährige noch die WM 2021 in Cortina fahren. Doch der Rücken machte nicht mit. Vor den Titelkämpfen gab er sein Karriereende bekannt. Was bleibt? Ligety gewann in seiner langen Karriere allen Disziplinen Weltcuprennen und geht als einer der besten Riesenslalomfahrer in die Geschichte ein. Fünf WM-Titel gewann er, außerdem 2006 und 2014 Olympia-Gold.

Drei Debütanten im deutschen Team

Einer dieser Anwärter wäre auch Arnd Peiffer gewesen. Der aber ist vom aktiven Sport zurückgetreten und entsprechend nicht in Östersund am Start. Nicht nur deswegen werden die Wettkampftage von Schweden etwas Besonderes für das deutsche Team sein.

Insgesamt drei Debütanten hat der DSV auf die Reise nach Schweden geschickt. Bei den Männern sind Justus Strelow und David Zobel erstmals Teil der Weltcup-Mannschaft. Bei den Frauen darf sich Juliane Frühwirt bewähren.

Angeführt wird das deutsche Aufgebot bei den Männern von Erik Lesser und Benedikt Doll. Bei den Frauen ist neben Preuß auch Denise Herrmann wieder eine Kandidatin für das Podium. Durch die guten Leistungen im IBU-Cup stehen dem DSV-Team jeweils acht Startplätze zur Verfügung. So wird auch Vansesa Voigt nach ihrem Gesamtsieg noch einmal Weltcup-Luft schnuppern dürfen.

Das Aufgebot des deutschen Teams in Östersund

Frauen: Marion Deigentesch , Juliane Frühwirt, Denise Herrmann, Janina Hettich, Vanessa Hinz, Franziska Preuß, Vanessa Voigt, Anna Weidel

Männer: Benedikt Doll, Philipp Horn, Johannes Kühn, Erik Lesser, Philipp Nawrath, Roman Rees, Justus Strelow, David Zobel

Das Wettkampfprogramm in Östersund (19. bis 21. März)
19.03. (12:30 Uhr)Sprint FrauenSiegerin: Tiril Eckhoff
19.03. (15:30 Uhr)Sprint MännerSieger: Lukas Hofer
20.03. (12:15 Uhr)Verfolgung Frauenab 12.05 Uhr in der Sportschau
20.03. (15:15 Uhr)Verfolgung Männerab 15.10 Uhr in der Sportschau
21.03. (13:00 Uhr)Massenstart Frauenab 12.45 Uhr in der Sportschau
21.03. (15:00 Uhr)Massenstart Männerab 15.19 Uhr in der Sportschau

rho | Stand: 19.03.2021, 17:07

Biathlon | Weltcupstand Herren

NameP
1.Simon Desthieux88
1.Johannes Thingnes Bö88
3.Tarjei Bö83
4.Vetle Sjaastad Christiansen78
5.Sivert Guttorm Bakken72

Biathlon | Weltcupstand Damen

NameP
1.Marketa Davidova86
2.Dsinara Alimbekawa86
3.Marte Olsbu Röiseland79
4.Lisa Theresa Hauser74
5.Denise Herrmann64
Darstellung: