Dopingvorwürfe - Österreichische Polizei bei russischen Biathleten

Herren-Staffel beim Biathlon-Weltcup in Oberhof

Vor dem Biathlon-Weltcup in Hochfilzen

Dopingvorwürfe - Österreichische Polizei bei russischen Biathleten

Russlands Biathleten haben vor dem Weltcup in Hochfilzen uneingeladenen Besuch bekommen. Wegen Dopingvorwürfen tauchte die österreichische Polizei im Teamhotel auf. Inzwischen haben sich Staatsanwaltschaft, der Biathlon-Weltverband und auch russische Sportler geäußert.

Russische Biathleten und Trainer haben am Rande des Biathlon-Weltcups in Hochfilzen Besuch von der Polizei bekommen. Wie die österreichische Staatsanwaltschaft, der Weltverband (IBU) und der Russische Biathlon-Verband RBU am Donnerstag (13.12.2018) übereinstimmend bestätigten, soll es dabei um angebliche Dopingverstöße bei der Biathlon-WM 2017 in Hochfilzen gegangen sein.

Ermittlungen gegen fünf Sportler und fünf Betreuer

"Die Vertreter der Polizei haben einige russische Sportler und Spezialisten befragt", heißt es in einer Mitteilung des russischen Verbandes. Konkreter sind die Angaben der Zentralen Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKStA) in Österreich. Demnach werde gegen zehn Mitglieder des russischen Biathlonteams ermittelt.

Gegen fünf Sportler werde der Verdacht des "schweren Betrugs im Zusammenhang mit Doping" verfolgt. Gegen fünf Betreuer ermittele man wegen "der Anwendung verbotener Substanzen beziehungsweise Methoden zum Zweck des Dopings". Durchsuchungen oder Vernehmungen habe es jedoch nicht gegeben.

Schipulin streitet Vorwürfe ab

Zu den Beschuldigen gehören auch Anton Schipulin und Alexander Loginow. Beide meldeten sich noch am Donnerstag zu Wort. Olympiasieger Schipulin wies die Vorwürfe zurück. "Ich bin wütend über die Hexenjagd, die hier stattfindet", teilte er auf Instagram mit: "Ich war immer ehrlich gegenüber mir selbst, der Biathlonfamilie und meinen Unterstützern", schrieb Schipulin, der wegen Formschwäche in dieser Saison noch kein Rennen bestritt.

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Loginow: "Machenschaften mit Bluttransfusionen"

Ebenfalls auf Instagram äußerte sich Loginow, der Sprint- und Verfolgungs-Dritte vom Weltcup in Pokljuka. Der 26-Jährige äußerte sich zu den konkreten Vorwürfen gegen ihn und seine Teamkollegen: "Mir und nicht nur mir wirft man Machenschaften mit Bluttransfusionen und noch irgendetwas vor (Konkret hat man uns das nicht gesagt)", schrieb Loginow, der bereits zwischen 2015 und 2017 wegen EPO-Dopings gesperrt war. Wie Loginow weiter schrieb, würden die Vorwürfe vor allem auf Aussagen des mittlerweile in die USA geflüchteten früheren Leiter des Moskauer Dopingkontrolllabors, Alexander Rodschenkow, beruhen.

Trotzdem Start bei Weltcup

Wie der russische Biathlon-Verband mitteilte, werde man aber sowohl bei dem am Donnerstag mit dem Frauen-Sprint beginnenden Weltcup in Hochfilzen und anderen internationalen Wettbewerben antreten. Der Besuch der österreichischen Polizei im russischen Teamhotel soll sich bereits am Mittwoch (12.12.2018) ereignet haben. Athleten anderer Nationen reagierten verhalten. "Wenn die IBU Proben hat, die positiv sind, gehört das bestraft. Wenn nicht, dann gehe ich davon aus, das alles okay ist", sagte Erik Lesser.

Liste mit zehn Athleten und Betreuern

Der russische TV-Sportkommentator Dmitri Gubernijew veröffentlichte auf Instagram eine Liste mit Namen aller zehn Beschuldigten - Sportlern, Trainern, Ärzten und Masseuren. Von den Sportlern sollten  Mannschaftskapitän Anton Schipulin, Alexander Loginow, Jewgeni Garanitschew, Alexej Wolkow sowie Irina Starych vernommen werden. Nicht alle von ihnen befinden sich jedoch aktuell bei der Weltcup-Mannschaft, unter anderem hat Schipulin noch kein Saisonrennen bestritten.

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IBU nimmt Vorfall zur Kenntnis

Nach der Bestätigung der Vorgänge durch die österreichische Staatsanwaltschaft hat sich auch der Biathlon Weltverband geäußert. Die Internationale Biathlon-Union (IBU) teilte mit, man habe den Vorfall zur Kenntnis genommen, wolle sich aber zunächst einen Überblick verschaffen.

Langer Konflikt

Der Konflikt zwischen Russland und den internationalen Sportverbänden wegen weitverbreiteten Dopings dauert seit ersten Enthüllungen von Ende 2015 an. Zu den Winterspielen in Pyeongchang in Südkorea in diesem Februar hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) nur handverlesene russische Sportler zugelassen.

Thema in: Deutschlandfunk, 13.12.2018, 22.50 Uhr

dh/dpa/sid | Stand: 13.12.2018, 17:45

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