Biathlet Philipp Horn: Pleiten, Pech und - endlich geht's los

Fehlte in Kontiolahti: Philipp Horn

Biathlet Philipp Horn: Pleiten, Pech und - endlich geht's los

So viel geändert und so oft ausgebremst. Für Biathlet Philipp Horn verlief der Herbst noch gar nicht nach Plan. Nun will er in Hochfilzen angreifen - und hat große Ziele in einem bisher starken deutschen Team.

Wenn am Freitag (11.12.2020) im österreichischen Hochfilzen der Biathlon-Sprint der Männer beginnt, und wenn sich kurz darauf auch Philipp Horn endlich auf die anspruchsvolle Strecke in den Alpen machen wird - dann wird die Erleichterung beim 26-jährigen Thüringer groß sein. Sehr groß. Der bisherige Winter lief für den Staffel-WM-Dritten von Antholz noch gar nicht rund.

Corona-Test, Rücken, Corona-Test

Nach starken Leistungen in der Vorsaison, einem guten Sommer und zwei Podestplätzen bei den deutschen Meisterschaften gehört Horn erstmals in seiner Karriere zum gesetzten Weltcupteam der deutschen Männer. Nur: Seine gute Form konnte er bisher nicht unter Beweis stellen. Beim letzten Vor-Weltcuptest im finnischen Muonio war er wegen Rückenproblemen lange zum Nichtstun verdammt. Als es dann endlich in Kontiolahti losging, bremste Horn ein positiver Corona-Test aus.

Covid-19-Entwarnung kommt zu spät

"Alle waren geschockt. Die Sorgen waren groß. Ärzte und Betreuer hatten viel zu tun", blickt Horn auf die Stunden nach dem Positiv-Ergebnis zurück. Es war bereits Horns zweites Positiv-Ergebnis in diesem Herbst - und wieder stellte sich das erste Ergebnis bei Test-Wiederholung als falsch heraus. Für Horn allerdings zu spät: Zum Zeitpunkt der Entwarnung war bereits alles für seine Rückreise nach Deutschland vorbereitet.

Wut? Nein - Fragezeichen? Oh, ja

Nun also Horns persönlicher Saison-Auftakt in Hochfilzen. Ein Start mit Wut im Bauch? "Nein, ich habe keine Wut. Da kann ja keiner etwas dafür. Und ich habe mir nichts vorzuwerfen. Es war einfach Pech. Da bringt es nichts, sich darüber aufzuregen", erklärt der Oberhofer in einem virtuellen Pressegespräch am Donnerstag (09.12.2020). Wenn auch ohne Wut, so geht Horn doch mit einigen Fragezeichen an den Start: Der vierfache deutsche Meister hat im Sommer viel am Schießen gearbeitet. Wird sich das auszahlen? Und falls ja, wie sehr?

Der als Tüftler im deutschen Team bekannte Horn hat einen eigenen Test entwickelt, um die beste Passung von Laufintensität und Anschlagswechsel zu finden. "Ich bin der Meinung, ich habe vor allem Liegend mehr Sicherheit bekommen", erklärt er und gibt auch gleich eine Zielvorgabe für die beiden Hochfilzen-Wochen mit: "Ich hätte gern 90 Prozent Treffer. Das ist realistisch - aber nicht leicht." Vor allem wäre es eine enorme Steigerung: In den vergangenen Jahren hatte Horn zwischen 71 und 83 Prozent Trefferquote.

Starker Weltcup-Auftakt der deutschen Biathleten

Kommt Horn wie angepeilt ins Ziel, könnte er sich umgehend in die starken Leistungen seiner Teamkolleginnen und Teamkollegen einreihen. Denn: In den ersten beiden Wochen in Kontiolahti lief es überraschend gut für das deutsche Team, das wegen einer immer auf Olympia oder die WM ausgerichteten Trainingsplanung in den ersten Weltcup-Wochen traditionell etwas schwerer in die Gänge kommt. Aber: Mit drei Einzelpodestplätzen, zwei Staffel-Podestplätzen, sechs Athleten in den Top 10 und bereits sechs gelösten WM-Tickets haben die deutschen Skijäger die Messlatte für die kommenden beiden Wochen in den österreichischen Alpen hoch gelegt.

Bundestrainer Kirchner: "Zur Topform noch Reserven"

"Ich hoffe, dass wir das, was wir bereits erreicht haben, weiter festigen und unter Beweis stellen können", fordert Bundestrainer Mark Kirchner in Hochfilzen erneut vordere Plätze seiner Athleten. "Es ist in Kontiolahti recht ordentlich gelaufen für das Team", so der gewohnt nüchterne Rückblick von Kirchner auf die beiden Finnland-Wochen. Dem kritischen Blick des Thüringers ist nicht entgangen: "Am Schießstand und in der Loipe gibt´s zur Topform noch Reserven."

Geringe Änderungen zum Kontiolahti-Team

Das deutsche Team in Hochfilzen wird durch Weltcup-Rückkehrer Horn ein leicht verändertes Gesicht haben: "Lucas Fratzscher wird in Hochfilzen nicht mehr dabei sein. Dafür kommt Philipp Horn ins Weltcup-Team zurück. Ansonsten wird es keine Änderungen im Team geben", erklärt Kichner. Heißt: Bei den Männern sind die beiden Podestplatzierten von Kontiolahti, Erik Lesser und Arnd Peiffer, dazu Benedikt Doll, der sein WM-Ticket lösen könnte, sowie Johannes Kühn, Roman Rees und Horn am Start. Bei den Frauen Denise Herrmann, die Podestläuferin von Kontiolahti, Maren Hammerschmidt und Franziska Preuß, die die WM-Quali schafften, sowie Vanessa Hinz, Janina Hettich und Sophia Schneider.

Wann kommt Schempp zurück?

Noch nicht zurück im Weltcup-Team ist Simon Schempp, der sich in Muonio in einem teaminternen Ausscheidungswettkampf Erik Lesser geschlagen geben musste. Doch Schempp klopft bereits an. "Er ist auf dem richtigen Weg", berichtet Bernd Eisenbichler, sportlicher Leiter der deutschen Biathleten. Schempp trainiert derzeit in Ruhpolding. Eine Weltcup-Rückkehr könnte im neuen Jahr folgen. "Ich hoffe, dass er bald wieder im Weltcup auftaucht. Wir werden Simon nicht abschreiben. Wir wissen, was für ein Top-Athlet Simon ist", so Eisenbichler.

Dirk Hofmeister | Stand: 10.12.2020, 13:55

Biathlon | Weltcupstand Herren

NameP
1.Johannes Thingnes Bö1052
2.Sturla Holm Laegreid1039
3.Quentin Fillon Maillet930
4.Tarjei Bö893
5.Johannes Dale843

Biathlon | Weltcupstand Damen

NameP
1.Tiril Eckhoff1152
2.Marte Olsbu Röiseland963
3.Franziska Preuß840
4.Hanna Öberg826
5.Dorothea Wierer821
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