Tjumen oder nicht Tjumen? Biathleten sind gespalten

Biathlon im russischen Tjumen

Kritik am Weltverband und Boykott des Weltcupfinals in Russland

Tjumen oder nicht Tjumen? Biathleten sind gespalten

Von Dirk Hofmeister

Kontiolahti, Oslo, Tjumen - drei Weltcups haben die Biathleten in diesem Winter noch vor sich. Kontiolahti und Oslo verbinden viele mit stimmungsvollen Weltmeisterschaften 2015 und 2016. Und Tjumen? Mit Russlands Dopingskandal. Weil der Weltverband am Saisonfinale in Russland festhält, boykottieren einige Sportler den letzten Weltcup. Kritische Stimmen gibt es auch aus dem deutschen Lager.

Erst am Dienstag (06.03.2018) hatte sich der Boykottfraktion ein prominenter Athlet angeschlossen. Der schwedische Staffel-Olympiasieger und Verfolgungs-Zweite Sebastian Samuelsson kündigte auf Twitter an, dass er beim letzten Weltcup der Saison im russischen Tjumen nicht teilnehmen werde. "Nationen ohne funktionierende Anti-Doping-Agentur sollten keine Wettbewerbe auf internationaler Ebene austragen", schrieb der 20-Jährige. Zudem sei er über die Sicherheit seiner eigenen Dopingproben in Russland besorgt.

Nordgren: "Korrupte Führung des Weltverbandes"

Der schwedische Biathlet Sebastian Samuelsson

Sebastian Samuelsson fehlt in Tjumen.

Neben Samuelsson erklärte der vierfache slowenische Olympiateilnehmer Klemen Bauer ebenfalls in dieser Woche, dass er nicht zum Saisonfinale vom 22. bis 25. März nach Russland fliegen werde. Die beiden folgen den tschechischen, kanadischen und US-amerikanischen Biathleten, die aus Protest gegen den russischen Dopingskandal komplett auf Starts in Tjumen verzichten. Biathlet Leif Nordgren, einer der Wortführer aus dem US-amerikanischen Team, applaudierte Samuelsson via Twitter und forderte "weitere Top-Athleten" auf, sich "dem Boykott anzuschließen, sich gegen die korrupte Führung des Biathlon-Weltverbandes auszusprechen und zu zeigen, dass das Risiko, nach Tjumen zu gehen, zu groß ist."

Weltverband: Keine Weltcups 2018/19 - Tjumen bleibt

Die Kritik der Sportler richtet sich dabei in erster Linie an den Weltverband IBU. Nach den Enthüllungen des Dopingermittlers Richard McLaren zum Staatsdoping in Russland und der Verwicklung der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA in das Dopingsystem hatte der Weltverband zwar einige Biathlon-Veranstaltungen in Russland gestrichen und entschieden, in der Saison 2018/2019 keine Weltcups nach Russland zu vergeben. Am Weltcup in Tjumen wurde aber festgehalten. Erst am 14. Februar bestätigte die IBU den Weltcup im März in Sibirien.

Lesser: "Es ist ein falsches Zeichen"

Erik Lesser

Erik Lesser

Und dann werden auch die deutschen Biathleten dabei sein. "Es ist für uns klar, dass wir dort hingehen, dass wir nicht boykottieren", sagte Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbandes noch während der Olympischen Spiele. Sonderlich glücklich mit der Entscheidung des DSV scheinen aber nicht alle Athleten zu sein. Erik Lesser, Staffel-Bronzemedaillengewinner Pyeongchang, kritisiert dabei den Weltverband IBU für das Festhalten an Tjumen als Weltcup-Standort. Dem Internetportal fasterskier.com sagte der 29-Jährige: "In den letzten Jahren haben die WADA und einige Kommissionen eine Menge Beweise zum Dopingsystem in Russland gefunden. Aber die russische Anti-Doping-Agentur und die russische Biathlon-Union haben nichts getan, um Doping zu bekämpfen. Es ist ein falsches Zeichen, nach all den Problemen nach Russland zu gehen und Weltcups zu veranstalten."

Lesser im Dilemma

Die von Steinle angebotene Möglichkeit auf einen Tjumen-Verzicht ("Wenn der eine oder andere Athlet nicht hingehen möchte, ist es seine Entscheidung"), will Lesser allerdings nicht wahrnehmen. "Der Sport steht an erster Stelle und wir werden teilnehmen." Sein Dilemma beschreibt Lesser so: "Wenn wir nicht gehen, ist es falsch, weil es der Sport ist, den wir lieben. Wenn wir nach Tjumen gehen, senden wir vielleicht ein falsches Zeichen an die IBU."

Thema in: Sportschau, 22. März, ab 14 Uhr

Stand: 07.03.2018, 17:29

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