Deutsche Biathlon-Frauen-Staffel: "Sind definitiv in WM-Form"

Deutsche Biathlon-Frauen werden Zweite - Norwegen und Schweden schwächeln Sportschau 24.01.2021 01:47 Min. Verfügbar bis 24.01.2022 Das Erste

Biathlon-Weltcup in Antholz

Deutsche Biathlon-Frauen-Staffel: "Sind definitiv in WM-Form"

Von Dirk Hofmeister

Die deutschen Biathlon-Frauen sind in der Staffel ein Garant für das Podest. Bei der WM-Generalprobe in Antholz zeigten sich die Oberhof-Siegerinnen zwar treffsicher am Schießstand, Platz eins ging diesmal jedoch an Russland.

Die deutschen Biathlon-Frauen sind im letzten Staffelrennen vor der Weltmeisterschaft Zweite geworden. Das Quartett um Vanessa Hinz, Janina Hettich, Denise Herrmann und Franziska Preuß musste sich am Sonntag (24.01.2021) nach 4 x 6 Kilometern nur Russland um 11,0 Sekunden geschlagen geben.

Auf Rang drei lief Frankreich (+21,2 Sekunden). Mit nur sechs Nachladern und ohne Strafrunde waren die DSV-Frauen die Besten am Schießstand. Russland musste neunmal nachladen, die Französinnen sogar einmal in die Strafrunde.

Herrmann: "Sind in WM-Form"

"Wir sind definitiv in WM-Form. Wir haben die letzten Staffeln immer eine richtig gute Teamleistung angeboten. Das war heute die Generalprobe", sagte eine glückliche Denise Herrmann nach dem Rennen im ZDF.

"Wir hoffen jetzt, dass wir den Schwung mit nach Pokljuka nehmen können", ergänzte die Verfolgungs-Weltmeisterin von 2019.

Hinz kommt mit einem Nachlader durch

Startläuferin Vanessa Hinz ging wie schon bei ihren jüngsten Staffeleinsätzen zuverlässig und routiniert ins Rennen. Die Schlierseerin hielt sich beim hektischen Beginn des Wettkampfes aus den Stürzen im hinteren Feld heraus.

Vanessa Hinz, Janina Hettich, Denise Herrmann und Franziska Preuß freuen sich im Ziel über ihren zweiten Platz

Vanessa Hinz, Janina Hettich, Denise Herrmann und Franziska Preuß freuen sich im Ziel über ihren zweiten Platz

Beim Liegendanschlag hate sie zwar eine leichte Verlagerung nach rechts im Trefferbild, kam aber mit einem Nachlader durch. Stehend räumte sie dann alles ab und übergab als Zweite auf Janina Hettich. Mit der drittbesten Schießzeit und der viertbesten Laufzeit mischte sie ganz vorn mit.

Einen Tag nachdem Hinz im Massenstart eine Podestplatz mit vier Schießfehlern beim letzten Schießen deutlich verpasste, war die 28-Jährige diesmal zufrieden: "Ich habe nicht mehr an das Rennen gestern gedacht. Ich hatte einen Blackout von etwa 35 Sekunden gestern. Es ist blöd, aber das passiert", erklärte Hinz im ZDF.

Zu den Bedingungen auf 1.600 Metern Höhe sagt sie: "Das ist schon schwer hier. Wir wollten alle Stehend ohne Fehler durchkommen. Man zittert je länger man steht."

Frankreich und Norwegen starten mit Strafrunde

Schneller war nur die fehlerfreie italienische Startläuferin Lisa Vitozzi. Die Mitfavoritinnen aus Frankreich und Norwegen hatten nach einer Strafrunde für Anais Bescond und Karoline Oftigstad Knotten als 12. und 18. dagegen schon rund eine Minute Rückstand.

Hettich übergibt als Erste

Stark auch Janina Hettich als zweite Läuferin im DSV-Quartett. Die am Schießstand starke Schönwalderin räumte Liegend alles ab und kam Stehend mit einem Nachlader durch. Nach ihrem zweiten Schießen ging sie als Führende wieder auf die Strecke zurück, konnte die Position behaupten und übergab als Spitzenreiterin auf Denise Herrmann.

Elvira Öberg und Johanna Taliharm während des Staffelrennens

Elvira Öberg und Johanna Taliharm während des Staffelrennens

"Es ist etwas anderes, wenn man ganz von am Schießstand steht, als wenn man in der Mitte steht, Aber der Druck ist immer da. Ich bin froh, dass ich heute mit einem Nachlader durchgekommen bin", sagte Hettich und erklärte zu ihrem Schlussspurt gegen die Russin: "Ich hatte einen sehr guten Ski und wollte bis zum Schluss um jede Sekunde kämpfen."

Knapp hinter Hettich lag die Russin Tatjana Akimowa, auf Rang drei Anais Chevalier Bouchet, die das französische Team mit zwei fehlerfreien Schießen wieder nach vorn brachte. Dafür blieb Norwegen mit Ingrid Landmark Tandrevold auf Rang zwölf deutlich zurück. Zudem leistete sich die Schwedin Elvira Oeberg drei Strafrunden, sie übergab als 17. mit knapp zwei Minuten Rückstand auf die Spitze.

Herrmann verteidigt Spitzenposition

Die laufstarke Denise Herrmann konnte nach dem Wechsel schnell eine Lücke reißen und blieb nach fehlerfreiem Liegendanschlag in Führung. Stehend musste die in Ruhpolding lebende Sächsin dann zweimal nachladen. Aber auch die Konkurrenz mit der Russin Swetlana Mironowa und der Belarussin Elena Kruchinkina kamen nicht fehlerfrei durch. Mironowa ging zwar als Erste zurück auf die Strecke, Herrmann überholte die Russin aber und übergab in Spitzenposition auf Franziska Preuß.

"Meine Teilleistung war okay. Ich habe aber auch noch ein bisschen Potenzial nach oben. Die Belastung ist enorm, wenn du zum Schießen kommst", erklärte Herrmann im ZDF: "Das wurde im Lauf der Serie zum Glück besser. Beim Absetzen konnte ich mich noch einmal neu fokussieren und habe mich recht sicher gefühlt. Mit den zwei Nachladern war ich trotzdem nicht zufrieden. Jetzt brauchen wir aber alle eine Pause."

Ihren Rückstand auf die Spitze etwas verkleinern konnte Norwegens Tiril Eckhoff, die mit je zwei Nachladern auf Rang sechs nach vorn lief, und Schwedens Linn Persson, die sich fehlerfrei von Rang 17 auf Platz zwölf verbesserte.

Preuß braucht einen Nachlader - "Zitterpartie"

Die deutsche Schlussläuferin Franziska Preuß kam gemeinsam mit der Russin Uliana Kaischewa zum Liegendanschlag. Beide räumten alles ab, während die von der Französin Jusina Braisaz-Bouchet angeführte Konkurrenz nachladen musste. So musste die Entscheidung über den Staffelsieg im letzten Schießen fallen. Die Russin musste zwar zweimal nachladen, schoss insgesamt aber schneller, als Preuß, die nur einmal nachladen musste.

Franziska Preuß jubelt im Ziel über den zweiten Platz der Frauenstaffel

Franziska Preuß jubelt im Ziel über den zweiten Platz der Frauenstaffel

Zu ihrem mit 49,2 Sekunden außergewöhnlich langen letzten Schießen sagte Preuß später: "Als ich mich hingestellt habe, ab ich schon gemerkt, dass von den Füßen ein blödes Wackeln kommt. Dann bin ich etwas in die Rücklage gegangen. Das hat aber nichts gebracht. Ich konnte mit dem Schießen nicht anfangen. Dann bin ich in die Kniebeuge. Ich habe zwar Zeit verloren. Wenn ich aber angefangen hätte zu Schießen, wäre das eine große Zitterpartie geworden. So habe ich es ganz gut gelöst. Das Stehendschießen war eine große Herausforderung."

Auf den letzten 1,5 Kilometern konnte Preuß die Lücke von zunächst 8,6 Sekunden nicht mehr zulaufen. Fast zeitgleich mit Preuß ging Frankreichs Julia Simon auf die Strecke zurück, konnte die Deutsche auf der Schlussrunde aber nicht mehr einholen. Vorn lief die russische Staffel zum Sieg, Preuß bejubelte mit dem Team Silber.

Norwegen und Schweden auf Plätzen sechs und sieben

Die mitfavorisierten Norwegerinnen (1 Strafrunde, 12 Nachlader) und Schwedinnen (3 Strafrunden, 5 Nachlader) kamen letztlich auf Rang sechs und sieben. Norwegens Schlussläuferin Marte Olsbu Roeiseland musste stehend zweimal nachaden und hatte im Ziel 59,6 Sekunden Rückstand auf Russland.

Hanna Oeberg für Schweden ließ Stehend ebenfalls zwei Scheiben stehen und musste nachladen, sie hatte letztlich 1:09,7 Minuten Rückstand.

Stand: 24.01.2021, 15:09

Biathlon | Weltcupstand Herren

NameP
1.Johannes Thingnes Bö871
2.Sturla Holm Laegreid839
3.Johannes Dale720
4.Quentin Fillon Maillet678
5.Tarjei Bö663

Biathlon | Weltcupstand Damen

NameP
1.Tiril Eckhoff803
2.Hanna Öberg765
3.Marte Olsbu Röiseland759
4.Lisa Theresa Hauser679
5.Dorothea Wierer639
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