Preuß und Dahlmeier - Jubel- und Leidenszeit bei den Biathletinnen

Biathlon-WM-Sprint der Damen in Oslo

Nach Rang 1 und 30 im Biathlon-Heim-Weltcup von Ruhpolding

Preuß und Dahlmeier - Jubel- und Leidenszeit bei den Biathletinnen

Von Dirk Hofmeister

Franziska Preuß krönte den Heim-Weltcup in Ruhpolding mit einem perfekten Tag, für Laura Dahlmeier war es eher einer zum Abhaken. Nach Platz 1 und 30 im Massenstart von Ruhpolding hätte die Gefühlslage bei den nominell stärksten deutschen Biathlon-Frauen unterschiedlicher nicht sein können. Während Preuß mehr und mehr zur Medaillenanwärterin für die WM im März in Östersund wird, ist Dahlmeiers Leidenszeit noch nicht vorbei.

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, da stellte sich Preuß die große Grundsatzfrage im Sport: Weitermachen oder Aufhören? Preuß war am Boden, körperlich und mental. Eine Vielzahl von Verletzungen hatten sie zermürbt, Infekte, Entzündungen, Probleme mit dem Steißbein. Wegen einer hartnäckigen Nasennebenhöhlenentzündung musste Preuß sogar operiert werden. "Ich war ein Wrack", gestand sie rückblickend auf die Saison 2016/17 später. Manchmal in diesem Winter vor zwei Jahren habe sie es wegen zu großer Erschöpfung nicht geschafft, den ganzen Tag das Bett zu verlassen. "Da überlegt man schon, etwas anderes zu machen."

Preuß: WM-Silber 2015, Olympia-Vierte 2018

Irgendwann im Frühjahr, während Dahlmeier bei der WM in Hochfilzen 2017 zu fünf Goldmedaillen lief, entschied sich Preuß, Gewehr und Langlaufski doch nicht an den Nagel zu hängen. Nach Ärzte-Marathon und mit psychologischer Hilfe kam Preuß wieder zu Kräften. Im Olympia-Winter 2017/18 bestritt sie dann schon fast alle Rennen und landete mit Rang vier im Einzel von Olympia einen echten Achtungserfolg.

Franziska Preuß jubelt auf dem Siegerpodest in Ruhpolding (20.01.2019)

Ein Sieg und sechs Mal Top 10

In diesem Winter nun avanciert Preuß zur besten und beständigsten deutschen Biathletin. Bereits vor ihrem Sieg im Massenstart lief sie sechs Mal in Einzelrennen in die Top 10, legte dabei u.a. im Verfolger von Oberhof eine irre Aufholjagd von Rang 45 auf Platz sechs hin. Preuß, im Alter von nur 20 Jahren bereits Vize-Weltmeisterin im Massenstart und von Magdalena Neuner einst zum größten Talent neben Dahlmeier geadelt, scheint in diesem Winter tatsächlich ihr komplettes Potenzial abrufen zu können: Gewohnt schießstark konnte sich Preuß läuferisch in dieser Saison in den Top 15 der Welt etablieren.

"Weiß diesen Erfolg umso mehr zu schätzen"

Vergessen sind die Leiden der vergangen Zeit aber noch nicht: "Ich weiß diesen Erfolg nach meinen letzten Jahren umso mehr zu schätzen", erinnerte sie auch im Siegesgefühl von Ruhpolding an die bitteren Momente in ihrer Karriere, jubelte dann aber doch ganz ausgelassen: "Es ist ein wahnsinnig geiles Gefühl, hier in meinem Wohnzimmer ganz oben zu stehen", freute sich die Weltcup-Gesamt-Achte.

Dahlmeier: Seuchenjahr

Und während Preuß vor 24.000 Zuschauern begeistert gefeiert wurde, verschwand Laura Dahlmeier still aus dem Zielbereich der Chiemgau Arena. Wie Preuß stellte sich auch Dahlmeier bereits die große Frage: Aufhören oder Weitermachen? Nach ihren zwei Goldmedaillen von Olympia fragte sich die 25-Jährige, was jetzt noch kommen könne. Dahlmeier entschied sich im Sommer für den Biathlonsport. Glücklich wird sie in diesem Winter aber nicht. Was für Preuß das "Seuchenjahr" 2016/17 war, ist für Dahlmeier dieser Winter. Immer wieder wird die siebenfache Weltmeisterin von Rückschlägen geplagt, zuletzt fing sie sich Weihnachten einen Infekt ein.

"Mich selten so quälen müssen"

Zehnmal lief Dahlmeier in ihrer Karriere in Ruhpolding auf das Podest - an diesem Sonntag kam sie erstmals in einem Massenstart als 30. und Letzte ins Ziel. Vor allem in der Loipe ist Dahlmeier weit von ihrer Normalform entfernt. Die Laufzeiten 19 und 28 in den Einzelrennen sprechen eine deutliche Sprache. "Ich habe mich selten so brutal quälen müssen", sagte Dahlmeier nach dem Sprint und verschwand danach schnell zur Regeneration.

Start in Antholz geplant

Immerhin: Eine erneute Pause steht bei Dahlmeier wohl nicht zur Debatte. Beim Weltcup in dieser Woche in Antholz in Südtirol, wegen seiner Lage auf 1.600 Meter Höhe einer der anspruchsvollsten der Saison und zugleich einer der Lieblings-Weltcups von Dahlmeier, will die siebenfache Weltmeisterin am Start stehen. Dann hoffe sie, sagte Dahlmeier, "dass ich läuferisch wieder vorne dabei sein kann."

Thema in: Wintesport im Ersten, 20.01.2019, ab 9 Uhr

Stand: 21.01.2019, 13:10

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