Deutsche Biathlon-Männer verpassen Staffelsieg um zwei Sekunden

Biathlon - die 4x7,5 km-Staffel der Männer in Hochfilzen Sportschau 15.12.2019 02:35 Min. Verfügbar bis 15.12.2020 Das Erste

Weltcup in Hochfilzen

Deutsche Biathlon-Männer verpassen Staffelsieg um zwei Sekunden

Die deutschen Biathlon-Männer haben in der Besetzung Philipp Horn, Johannes Kühn, Arnd Peiffer, Benedikt Doll Platz zwei im Staffelrennen über 4x7,5 Kilometer beim Biathlon-Weltcup in Hochfilzen erobert. Nur Norwegens Überflieger waren schneller.

27 Staffeln waren im letzten Rennen der Weltcupstation Hochfilzen am Start. Eine hatte sich besonders viel vorgenommen: Die deutschen Biathlon-Herren, die in der ersten Staffel des Winters in Östersund als Achte bitter enttäuscht hatten, suchten einen versöhnlichen Abschluss des Hochfilzen-Wochenendes.

Startläufer Philipp Horn trotz vier Nachladern auf Platz zwei

Für den von Halsschmerzen geplagten Erik Lesser rutschte Philipp Horn in die Rolle des Startläufers. Doch für den 25-Jährigen begann der Wettkampf denkbar unglücklich. Schon beim ersten Schießen zwei Nachlader und über 20 Sekunden Rückstand auf die Spitze - der Start in die 4x7,5 Kilometer-Staffel war missglückt. Zwei weitere Nachlader auch bei Schießen zwei - doch Horn präsentierte sich extrem stark in der Loipe: Als Zweiter kam er zum ersten Wechsel, knapp 20 Sekunden hinter den führenden Norwegern. Knapp hinter Deutschland: die Staffeln aus Frankreich, Kanada und Russland.

Johannes Kühn: Souverän am Schießstand, laufstark in der Loipe

Johannes Kühn, am Vortag in der Verfolgung auf Platz zwölf bester Deutscher, war als zweiter deutscher Läufer also gefordert. Einerseits die Jagd auf Norwegen, andererseits die Verfolger im Rücken - wie würde Kühn seine 7,5-Kilometer-Runde angehen? Der Bayer lief kontrolliert, verzichtete auf eine kraftraubende Aufholjagd, und vertraute auf seine Stärke am Schießstand: Kühn blieb zwei Mal fehlerfrei und ohne Nachlader, der Norweger Erlend Bjöntegaard musste einmal in die Strafrunde.

In der Loipe zog Kühn dann auch noch an Frankreich und Kanada vorbei, übernahm die Führung und baute diese kontinuierlich aus: Mit 21,3 Sekunden Vorsprung vor Frankreich und 28,5 Sekunden vor Kanada kam er in die Wechselzone. Die weiteren Verfolger Slowenien und Tschechien hatten da schon über eine halbe Minute Rückstand, Russland und Norwegen über 50 Sekunden.

Johannes Kühn schickt Arnd Peiffer ins Rennen

Johannes Kühn schickt Arnd Peiffer ins Rennen

Arnd Peiffer: Der Routinier bleibt cool

Olympiasieger Arnd Peiffer übernahm von Kühn - und auch der schoss mit einer Souveränität, als hätte er noch nie in seiner Biathlon-Karriere eine Scheibe verfehlt. Wie Kühn räumte er zehn Schieben ab ohne Nachlader. Dahinter strauchelte dagegen der Hauptverfolger: Frankreich fiel zurück, weil Florent Claude einmal in die Strafrunde musste.

Peiffer konnte den Vorsprung auf die Verfolger auf über 40 Sekunden ausbauen. Norwegen war plötzlich wieder auf Platz zwei, rund zehn Sekunden vor Kanada, 15 Sekunden vor Frankreich. Die Teams ab Platz fünf - Tschechien, Russland, Slowenien - hatten beim letzten Wechsel schon mehr als eine Minute Rückstand auf die führende Staffel des Deutschen Skiverbands (DSV).

Benedikt Doll: Duell mit Überflieger Johannes Thingnes Bö

Der deutsche Schlussläufer Benedikt Doll konnte also einerseits mit einem angenehmen Polster seine 7,5 Kilometer in Angriff nehmen. Dafür hatte er auch den unangenehmsten Verfolger im Rücken: Norwegens Schlussläufer war Johannes Thingnes Bö, der derzeitige Überflieger im Weltcup.

Während alle Staffeln immer weiter zurückfielen, arbeitete sich Bö in der Loipe Sekunde um Sekunde an Doll heran. Beim letzten Schießen standen die Rivalen dann kurzzeitig nebeneinander am Schießstand, weil Doll zwei Nachlader benötigte. Aber auch Bö musste zwei Reservepatronen ziehen. Immerhin noch 13,8 Sekunden Vorsprung konnte Doll mit auf die letzten 2,5 Kilometer nehmen.

Einen Kilometer vor dem Ziel hatte Bö zu Doll aufgeschlossen, der Norweger bereitete im Windschatten des führenden Deutschen seine Schlussattacke vor. Die kam auf der Zielgeraden: Doll musste sich Ausnahmeläufer Bö um zwei Sekunden geschlagen geben. "Mir fehlte auf der Zielgeraden der Punch. Johannes konnte sich heransaugen und war einfach zu stark", sagte Schlussläufer Doll: "Wir sind trotzdem superglücklich über das tolle Ergebnis." Platz drei eroberte die Staffel Frankreichs mit 51,9 Sekunden Rückstand auf die siegreichen Norweger.

Biathlon - Analyse & Stimmen nach der Herren-Staffel Sportschau 15.12.2019 05:22 Min. Verfügbar bis 15.12.2020 Das Erste

red/sid | Stand: 15.12.2019, 15:30

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