"Komplett Murks" - Deutsche Biathleten hadern mit den eigenen Leistungen

Denise Herrmann

Weltcup in Oberhof

"Komplett Murks" - Deutsche Biathleten hadern mit den eigenen Leistungen

Sechs Rennen und kein einziger Podestplatz für die deutschen Biathleten in Oberhof. Beim Team von Bundestrainer Mark Kirchner ist der Wurm drin. Die deutschen Biathleten hinken den eigenen Ansprüchen weit hinterher und üben Selbstkritik.

Arnd Peiffer war sichtlich bedient nach dem Ziellauf bei der Mixed-Staffel am Sonntagvormittag (10.01.2021). Seine vier Fehler im letzten Stehendanschlag und die anschließende Strafrunde brachten das deutsche Team um einen möglichen Podestplatz. Es wäre in Oberhof, das in den Einzelrennen am Freitag und Samstag nur norwegische Sieger gesehen hat, zumindest eine positiver Tupfer in der Bilanz gewesen.

Mehr Schatten als Licht

"Irgendwie war es komplett Murks", sagte Peiffer nach der Mixed-Staffel und seinem Missgeschick im Stehendschießen: "Heute war ein Tag, wo man sich fragt, wofür trainiere ich eigentlich, wenn ich dann so einen Mist mache."

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Sportschau 10.01.2021 00:36 Min. Verfügbar bis 10.01.2022 ARD


Doch sein Fauxpas passte nach der guten Vorlage von Vanessa Hinz, Denise Herrmann und Benedikt Doll ins Bild. Es war nicht die erste Enttäuschung in der leeren Rennsteig-Arena von Oberhof. Die deutschen Biathleten hinken den eigenen Ansprüchen weit hinterher.

Rang zehn bestes Einzelergebnis

So ist Rang vier in der Single-Mixed-Staffel, den Janina Hettich und Erik Lesser wenige Stunden später erlaufen konnten, die deutsche Topplatzierung nach der ersten Wettkampfwoche beim Heimweltcup am Grenzadler.

Im Einzel verbuchten die Skijäger des Deutschen Skiverbandes lediglich einen Top-10-Platz - durch Peiffer in der Verfolgung. Dort ließ er sein Können aufblitzen. Er schoss als Einziger im Feld null Fehler, zauberte die schnellste Verfolgungszeit in den verschneiten Thüringer Wald und lief von Rang 47 auf zehn.

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Schweden hat aufgeschlossen

Vorzeigeläuferin Denise Herrmann stürzte in der Verfolgung nach sieben (!) Schießfehlern gar auf Rang 32 ab. Rund viereinhalb Wochen vor der WM in Pokljuka schrillen die Alarmglocken.

"Wenn man mannschaftlich einen Vergleich zieht, sind die Norweger weggezogen, die Franzosen haben uns überholt, und die Schweden haben uns eingeholt - zumindest Martin Ponsiluoma und Sebastian Samuelsson", stellte Lokalmatador Erik Lesser nach seinem elften Platz in der Verfolgung ernüchtert fest. Das Credo, "einer muss immer durchkommen" - in Oberhof wurde es nicht erfüllt.

Verfolgung der Männer macht Hoffnung

Peiffer monierte vor allem den immensen Rückstand auf die Norweger, die in Oberhof bislang alle Einzelsiege, bei den Herren sogar zwei Dreifacherfolge, einfuhren.

"Sie sind im Schnitt besser als wir. Sie sind jedes Wochenende auf dem Podium, meistens zu zweit oder zu dritt. Da müssen wir uns schon fragen, was die besser machen", sagte der 33-Jährige. Aber, fügte der Olympiasieger tapfer an, "wir können sie punktuell schlagen".

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Nicht nur bei seinem Sieg vor Weihnachten in Hochfilzen war das gelungen, auch am Samstag in der Verfolgung deuteten die DSV-Athleten ihr Potenzial an. Lesser schaffte in der Tageswertung trotz zweier Schießfehler die dritte Laufzeit, der fehlerfreie Peiffer setzte mit 45 Sekunden Vorsprung sogar die Bestmarke. Problem nur: Lesser lief von Rang 25 los, Peiffer gar von 47.

Läuferische Schwächen im DSV-Team

Absolute Spitzenergebnisse waren nach einem derart schwachen Sprint nicht mehr möglich. Bundestrainer Mark Kirchner wertete es dennoch als Zeichen, "dass wir uns nicht zu verstecken brauchen". Nur, so sein eindringlicher Appell, das gelte es nun auch "zu stabilisieren".

Doch Tatsache ist: Läuferisch fehlt auf die absolute Spitze einiges. Die Athleten des Deutschen Skiverbandes sind für Podiumsplätze meist auf Fehler anderer angewiesen - doch hauptsächlich machen sie die eben selber.

Deutsche Biathleten sind genervt

Am gravierendsten erwischte es am Samstag mal wieder die eigentliche deutsche Top-Athletin Herrmann. Sie verkaufe sich wie ihre Teamkolleginnen "unter Wert", klagte die 32-Jährige nach indiskutabler Leistung im Verfolger: "Es gelingt mir grad halt irgendwie nichts. Ich werde alles versuchen, um das Ruder wieder rumzureißen."

Auch Franziska Preuß war nach Rang 18 in der Verfolgung ratlos. "Es nervt mich. Wieso kriegen es die anderen immer hin, und bei uns hängt es irgendwie?", fragte die derzeit beste deutsche Biathletin sichtlich verzweifelt. Bis zur WM steht noch einiges an Arbeit bevor. Aber, gab Peiffer kämpferisch die Marschroute aus, mit der aktuellen Situation werde sich das Team "sicher nicht zufriedengeben".

So liefen die Rennen der ersten Woche von Oberhof:

Sonntag

Samstag

Freitag

sid/rho | Stand: 10.01.2021, 16:49

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