Brisanz, Müdigkeit und Spannung vor Biathlon-Finale

Sprint der Biathlon-WM - Laura Dahlmeier erschöpft

Letzte Saisonrennen im sibirischen Tjumen

Brisanz, Müdigkeit und Spannung vor Biathlon-Finale

Laura Dahlmeier ist ein "bisschen kaputt", zahlreiche Athleten boykottieren den Start in Russland, und im Kampf um die Kristallkugeln geht es eng zu. Über mangelnde Spannung können sich die Biathleten vor dem Weltcupfinale in Russland nicht beschweren.

Noch eine Weltcupstation, noch sechs Rennen, noch einmal Spannung aufbauen: Einen Tag nach dem kalendarischen Frühlingsanfang beginnt für die Biathleten am Donnerstag (22.03.2018) das Saisonfinale.

Dahlmeier: "Alle ein bisschen kaputt"

Im russischen Tjumen stehen noch einmal Sprint, Verfolgung und Massenstart an. Geprägt sein wird der Weltcup von Müdigkeit, Boykott und Spannung. Nicht weniger als 19 Weltcup-Einzelrennen, sieben Staffeln und sechs Olympia-Wettkämpfe stecken in den Knochen der Athleten. Nicht nur Laura Dahlmeier sehnt sich dem Ende der Saison entgegen: "Ich denke, es ist ganz normal, dass wir zum Ende einer langen und anstrengenden Saison alle ein bisschen kaputt sind. Da geht es mir nicht anders als allen anderen", sagt die Doppel-Olympiasiegerin, die in Sibirien aber trotzdem "auf der Strecke noch einmal alles herausholen und am Schießstand sauber" arbeiten möchte.

Dahlmeier kann Massenstart-Weltcup gewinnen

Laura Dahlmeier

Dahlmeier: "Noch einmal alles herausholen"

Das wichtigste Rennen des Wochenendes dürfte für Dahlmeier der Massenstart am Sonntag werden. Denn während Dahlmeier im Gesamt-Weltcup sowie im Verfolgungs-Weltcup nur noch theoretische Chancen hat, geht es im Massenstart noch um eine Kristallkugel. Punktgleich mit Kaisa Mäkäräinen liegt Dahlmeier hier an zweiter Stelle, kann sie die Finnin hinter sich lassen, würde die Gesamt-Weltcupsiegerin des Vorjahres den Massenstart-Weltcup gewinnen.

Peiffer hat Rang drei im Gesamt-Weltcup im Blick

Die deutschen Männer haben in keinem der Wertungen noch Chancen auf den Sieg, Arnd Peiffer hat im Gesamt-Weltcup aber noch den dritten Rang im Blick. Erik Lesser, derzeit Gesamt-16., möchte "im Gesamtweltcup unter die besten zehn der Welt und mich dieser Möglichkeit nicht berauben."

Boykotts überschatten Weltcupfinale

Deswegen startet der Oberhofer auch in Russland. Andere Sportler boykottieren die Reise ins 1.700 Kilometer südöstlich von Moskau gelegene Tjumen. Aufgrund des russischen Dopingskandals werden die Teams aus den USA, Kanada, Tschechien, der Ukraine sowie einzelne Athleten aus Schweden und Slowenien nicht beim Weltcupfinale dabei sein. Schwedens Olympia-Medaillengewinner Sebastian Samuelsson hatte Anfang März per Twitter seinen Boykott bekannt gegeben: "Nationen ohne funktionierende Anti-Doping-Agentur sollten keine Wettbewerbe auf internationaler Ebene austragen." Zudem sei er über die Sicherheit seiner eigenen Dopingproben in Russland besorgt.

Lesser: "Kurz vor knapp gehandelt"

Erik Lesser in Oberhof

Erik Lesser: "Möchte in die Top 10"

Andere Athleten wie fast das gesamte deutsche Team hatten in einem Brief gegen einen Start in Tjumen protestiert. An den Start wollen sie nun aber dennoch gehen. Lesser, der vor einer Woche zu einem von vier Athletensprechern gewählt wurde, erklärt: "Wir haben der IBU im Vorfeld einen Brief geschrieben, in dem wir unser Missfallen über den Standort für das Weltcup-Finale ausgedrückt haben. Das hatte keinen Erfolg. Ich muss aber zugeben: Die Tjumen-Problematik stand seit einem Jahr im Raum, wir haben erst kurz vor knapp gehandelt. Das hätte früher passieren müssen."

Gesamt-Weltcup: Fourcade oder Bö?

Biathlon-WM, Massenstart der Herren - Martin Fourcade (li.) und Johannes Thingnes Bö

Fourcade (li.) oder Bö? Wer gewinnt den Gesamt-Weltcup?

Wie Lesser werden alle Top-Athleten, für die es in den Weltcup-Wertungen noch um etwas geht, starten. "Ich muss nach Tjumen reisen. Ich will ja den Gesamtweltcup gewinnen", erklärte beispielsweise der Franzose Martin Fourcade in der ARD. Fourcade benötigt jeden Zähler, um seinen siebenten Weltcup-Gesamtsieg perfekt zu machen. Verfolger Johannes Thingnes Bö liegt nur 49 Punkte hinter dem Franzosen.

Heimspiel und letzte Chance für Kuzmina

Biathlon-Damen-Verfolgung in Oberhof

Wurde in Tjumen geboren: Anastasija Kuzmina.

Auch bei den Frauen ist Spannung garantiert. Weltcup-Spitzenreiterin Anastasija Kuzmina freut sich sogar richtig auf den Weltcup. In Tjumen wurde sie geboren, die 33-jährige Schwester von Anton Schipulin, die seit 2008 für die Slowakei startet, erlebt also eine Art Heimspiel. Im Weltcup führt Kuzmina 41 Punkte vor Verfolgerin Kaisa Mäkäräinen, in Tjumen möchte sie erstmals Gesamtsiegerin werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es die letzte Chance für Kuzmina auf einen Weltcup-Gesamtsieg. Die zweifache Mutter möchte in der kommenden Saison im Weltcup kürzer treten und sich mehr um ihre Kinder kümmern.

Thema in: Sportschau, 18. März, 12.30 Uhr

Dirk Hofmeister | Stand: 20.03.2018, 12:07

Biathlon | Weltcupstand Damen

NameP
1.Kaisa Mäkäräinen822
2.Anastasiya Kuzmina819
3.Darja Domratschewa804
4.Laura Dahlmeier730
5.Dorothea Wierer681

Biathlon | Weltcupstand Herren

NameP
1.Martin Fourcade1116
2.Johannes Thingnes Bö1027
3.Anton Schipulin697
4.Arnd Peiffer668
5.Lukas Hofer637
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