DSV-Staffel liefert Norwegen einen heißen Tanz

Arnd Peiffer (l-r), Johannes Kühn, Benedikt Doll und Roman Rees aus Deutschland jubeln im Ziel.

Staffelrennen in Ruhpolding

DSV-Staffel liefert Norwegen einen heißen Tanz

Was für ein mitreißendes Staffelrennen in Ruhpolding. Bei Bilderbuch-Bedingungen lieferte die deutsche Mannschaft dem haushohen Favoriten aus Norwegen grandios Paroli.

Nach dem Fehlschuss-Ärger von Oberhof hat die deutsche Staffel am Freitag (18.01.2019) beim Heimweltcup in Ruhpolding Nervenstärke bewiesen. Mit nur sechs Nachladern landete das DSV-Quartett mit Roman Rees, Johannes Kühn, Arnd Peiffer und Benedikt Doll nach einem packenden Staffelrennen hinter Norwegen auf dem zweiten Platz. Auf der Schlussrunde entschied die läuferische Klasse von Johannes Thingnes Bö zugunsten der Norweger. Auf den dritten Platz lief die Staffel von Frankreich.

Startläufer Rees erledigt Job optimal

Roman Rees, der im Sprint am Schießstand schon überzeugte, aber in der Loipe Probleme hatte, zahlte das Vertrauen als Startläufer zurück. Mit zwei fehlerfreien Schießeinlagen hielt er sich konstant in der Spitzengruppe und bescherte der deutschen Staffel einen optimalen Start. Deutschland gehörte zu den ersten sechs Staffeln, die innerhalb einer Sekunde wechselten. "Oberste Devise eines Startläufers ist es dran zu bleiben und den Job habe ich erledigt", sagte Rees im ARD-Interview.

Kühn wackelt beim Stehendschießen

Als zweiter DSV-Skijäger lief Johannes Kühn, der sich auf seiner Runde u.a. mit Martin Fourcade auseinandersetzen musste. Beim Liegendschießen räumte er mit einem Nachlader ab und kehrte knapp 17 Sekunden nach den fehlerfreien Norwegern in die Loipe zurück. Der Rückstand wuchs bei der zweiten Schießprüfung deutlich an, weil Kühn erst mit dem letzten Nachlader die fünfte Scheibe abräumte und damit fast 40 Sekunden nach dem Führungsduo (Norwegen und Frankreich) auf die Schlussrunde durfte. Mit Wut im Bauch ging er auf seine letzte Runde und holte sensationell auf. Kühn war zehn Sekunden schneller als Fourcade und schickte Arnd Peiffer mit einem Rückstand von 29,3 Sekunden ins Rennen.

Peiffer mit toller Aufholjagd

Peiffer, in der Form seines Lebens, blieb beim Schießen fehlerfrei und jagte gemeinsam mit Österreich und Schweden die enteilten Norweger. Tarjei Bö, Zweiter im Sprint am Donnerstag, schwächelte mit zwei Nachladern und hatte auch in der Loipe Probleme. Peiffer und Dominik Landertinger fingen Bö noch ein. "Mit Landi kann man gut zusammenarbeiten. Wir haben schon probiert, ganz vorn heranzukommen. Das hat heute ganz gut geklappt", freute sich Peiffer.

Biathlon aus Ruhpolding - die Staffel der Herren Sportschau 18.01.2019 01:18:35 Std. Verfügbar bis 18.01.2020 Das Erste

Herzschlagfinale zwischen Doll und Bö

Damit gingen Deutschland (Benedikt Doll), Norwegen (Johannes Thingnes Bö) und Österreich (Julian Eberhard) gemeinsam auf die Schlussrunde. Das Trio gehört zu den schnellsten Läufern im Weltcup. Die Entscheidung musste am Schießstand fallen. Beim Liegendschießen wurde aus einem Trio ein Duo. Eberhard fiel mit drei Nachladern fast eine halbe Minute zurück.

Doll und Bö kamen gemeinsam zurück. Auf der Strecke lief der Norweger dann einen kleinen Vorsprung bis zum zweiten Schießen heraus (+ 13,0 s), doch beim Stehendanschlag verspielte der Norwegen diesen mit drei Nachladern. Doll brauchte ebenfalls eine Zusatzprobleme. Beide gingen zusammen auf die Schlussrunde. Mehr Spannung ging nicht. An der steilen Wand entwischte Bö mit einem irren Antritt und lief den Sieg ins Ziel.

"Ich wollte es auf den Zielsprint ankommen lassen. Das wäre wohl meine einzige Chance gewesen. Auf der Strecke ist er einfach zu schnell. Da hast du einfach keine Chance", meinte Doll nach dem Rennen.

Biathlon-Staffel der Herren - die Analyse und Stimmen Sportschau 18.01.2019 09:38 Min. Verfügbar bis 18.01.2020 Das Erste

Röschs tränenreicher Abschied

Den meisten Beifall heimste am Freitag Michael Rösch ein. Der Rebell, der letzte Woche unter Tränen das Ende seiner turbulenten Karriere verkündet hatte, startete offiziell zum letzten Mal in einem Weltcup. Als Startläufer der belgischen Staffel lief es fast wie im Märchen. Mit zwei fehlerfreien Schießen ging Rösch noch einmal als Erster aus dem Stadion.

Dass er sich auf letzten Metern extrem quälte und auf Rang acht zurückfiel, war völlig unbedeutend. Rösch wurde geherzt, gedrückt, geliebkost. Er küsste den Schnee, bedankte sich und weinte hemmungslos. "Ich habe noch nie soviel geweint wie heute. Ich war so dankbar, dass ich am Schießstand alles getroffen habe. Es muss einen Gott geben, der auf meiner Seite ist. Auf der letzten Runde habe ich zwar so etwas auf die Fresse gekriegt, aber das war mir egal. Ich bin dankbar für alles, was ich durchgemacht habe. Die Erlebnisse der letzten Tage geben mir so viel Kraft für die Zukunft", sagte der Sachse im Ersten.

Michael Rösch - "Habe noch nie so geheult" Sportschau 18.01.2019 02:37 Min. Verfügbar bis 18.01.2020 Das Erste

sst | Stand: 18.01.2019, 15:35

Biathlon | Weltcupstand Damen

NameP
1.Dorothea Wierer96
2.Marketa Davidova78
3.Marte Olsbu Röiseland76
4.Julia Simon72
5.Franziska Preuß72

Biathlon | Weltcupstand Herren

NameP
1.Martin Fourcade100
2.Tarjei Bö92
3.Johannes Thingnes Bö91
4.Matwej Jelissejew82
5.Simon Desthieux81
Darstellung: