Deutsche Biathlon-Staffel feiert ersten Sieg seit 2017

Deutsche Biathlon-Staffel siegt nach 1.504 Tagen in Nove Mesto Sportschau 05.03.2021 01:38 Min. Verfügbar bis 05.03.2022 Das Erste

Biathlon-Weltcup in Nove Mesto

Deutsche Biathlon-Staffel feiert ersten Sieg seit 2017

Von Wolfram Porr

Die deutschen Biathlon-Männer haben erstmals seit vier Jahren wieder ein Staffelrennen gewonnen. In Nove Mesto feierte das DSV-Quartett einen ungefährdeten Erfolg, Emilien Jacquelin erlebt am Schießstand ein Déjà-vu.

Es war fast ein Start-Ziel-Sieg für die deutschen Männer beim Weltcup in Nove Mesto. In der Besetzung Erik Lesser/Benedikt Doll/Arnd Peiffer/Philipp Nawrath brachte bereits Startläufer Lesser die Staffel in Führung, die die nachfolgenden Läufer nach und nach ausbauten. Im Ziel hatte Schlussläufer Nawrath satte 1:21,7 Minuten Vorsprung auf Russland und die favorisierten Weltmeister aus Norwegen (Sturla Holm Laegreid/Johannes Dale/Tariej Bö/Johannes Thingnes Bö/+ 1:33,2 Min.). Dabei hatte es nach den dritten Läufern noch nach einem Zweikampf zwischen Deutschland und Frankreich um den Sieg gerochen.

Sowohl in der Loipe als auch am Schießstand (insgesamt nur vier Nachlader) zeigten die Männer eine fantastische Leistung, was so sehr lange nicht mehr der Fall war. Zuletzt hatte ein DSV-Quartett vor 1.504 Tagen am 21. Januar 2017 in Antholz ein Rennen über die 4x7,5 km gewonnen.

Schöne Geschichten rund um deutschen Staffelsieg

Sportschau 06.03.2021 02:06 Min. Verfügbar bis 06.03.2022 ARD


Lesser rehabilitiert sich mit starker Laufleistung

Startläufer Erik Lesser zeigte ein sehr starkes Rennen und konnte sich für seinen schwachen Auftritt bei der WM in Pokljuka rehabilitieren, als er auf seiner Runde "blau" wurde und völlig einbrach. Liegend brauchte er keinen Nachlader und setzte sich gemeinsam mit dem Norweger Laegreid und dem Tschechen Michal Krcmar sogar an die Spitze des Feldes.

"Ganz normales Staffelrennen" für Lesser

Zwei Nachlader beim Stehendschießen brachten zunächst Norwegen nach vorne, aber Lesser konnte in der Loipe kontern und zog wieder an dem starken Skandinavier vorbei, um als Führender auf Benedikt Doll zu übergeben. Lesser selbst sprach im ZDF augenzwinkernd von einem "ganz normalen Staffelrennen". Er habe gewusst, "dass das in Pokljuka nicht meine normale Leistung war. Natürlich bin ich jetzt froh, es wäre aber auch schwer gewesen, das zu wiederholen."

Doll baut Führung noch aus

Benedikt Doll

Doll bekam es im direkten Duell mit Johannes Dale (Norwegen), Ondrej Moravec (Tschechien) und Quentin Fillon-Maillet (Frankreich) zu tun und machte seine Sache ebenfalls sehr gut. Bis zum Liegendschießen hielt er einen knappen Vorsprung vor Dale, den er mit einer konzentrierten Serie am Schießstand sogar noch leicht ausbaute. Auch stehend leistete sich der Deutsche nur einen Nachlader - anders als Dale, der sogar in die Strafrunde musste.

Erster Verfolger des 30-Jährigen war nun Fillon-Maillet. Beim zweiten Wechsel auf Arnd Peiffer hatten die Deutschen 10,1 Sekunden Vorsprung. Norwegen lag zu diesem Zeitpunkt mit einer Minute Rückstand abgeschlagen auf Rang acht. "Das Material hat heute richtig gut gepasst. Da konnte ich richtig gut agieren", sagte Doll.

Arnd Peiffer spielt seine Routine aus

Nach Doll spielte Peiffer auf der Position drei seine ganze Routine aus. Der 33-Jährige lief sein Tempo, sodass er im Liegendschießen keine Probleme bekam und den Vorsprung auf seinen Verfolger Simon Desthieux auf knapp 30 Sekunden vergrößern konnte. Der blieb auch nach dem Stehendschießen, als beide einen Nachlader brauchten, in etwa gleich. Tarjei Bö, der die Norweger zwischenzeitlich wieder auf den dritten Platz nach vorne gebracht hatte, musste wie Dale in die Strafrunde - eine kleine Überraschung.

Nawrath nutzt Jacquelins Blackout

Schlussläufer Philipp Nawrath startete seine Runde mit 36,7 Sekunden Vorsprung auf den Franzosen Emilien Jacquelin. Die Österreicher und die Norweger auf Rang drei und vier waren zu diesem Zeitpunkt schon mehr als eineinhalb Minuten zurück.

Und während Nawrath beim Liegendschießen nur einen Nachlader brauchte, erlebte Jacquelin ein Déjà-vu: Wie beim WM-Massenstart traf keine seiner ersten fünf Patronen ins Schwarze. Insgesamt bekam der Franzose nur einen von acht Versuchen ins Ziel. Vier Strafrunden - das war's für die Franzosen, die damit raus waren aus der Entscheidung.

Nicht nur Nawrath, auch Johannes Thingnes Bö profitierte von Jacquelins Blackout und setzte sich an die zweite Position. Nawrath noch einzuholen, erschien allerdings bereits hier kaum mehr möglich. Als der 28-Jährige dann auch noch im Stehendanschlag fehlerfrei blieb, stand der erste deutsche Staffelsieg seit vier Jahren fest.

Siegerehrung

"Riesendank an die Trainer, die mir auf der Position vier das Vertrauen gegeben haben", sagte ein erleichterter Philipp Nawrath, der die Rolle als Schlussläufer aus dem IBU-Cup gut kennt. "Ich konnte das Gott sei Dank bestätigen."

Kirchner: Balsam fürs gesamte Team

Große Erleichterung auch bei Bundestrainer Mark Kirchner: "Ich zahle gerne fünf Euro ins Phrasenschwein, aber so ist Biathlon. Mal kämpft man vergebens, und mal läuft es einfach. Der Sieg ist Balsam für das gesamte Team."

Stand: 05.03.2021, 16:35

Biathlon | Weltcupstand Herren

NameP
1.Johannes Thingnes Bö1052
2.Sturla Holm Laegreid1039
3.Quentin Fillon Maillet930
4.Tarjei Bö893
5.Johannes Dale843

Biathlon | Weltcupstand Damen

NameP
1.Tiril Eckhoff1152
2.Marte Olsbu Röiseland963
3.Franziska Preuß840
4.Hanna Öberg826
5.Dorothea Wierer821

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