Denise Herrmann-Wick

Olympiasiegerin im Interview Biathletin Denise Herrmann-Wick: "Eine Welt, die man nicht mehr kennt"

Stand: 03.11.2022 12:00 Uhr

Der Winter naht, und alle Wintersportler scharren schon mit den Kufen. Denise Hermann-Wick - seit ihrer Hochzeit im Sommer mit einem Doppelnamen gelistet - hat im Biathlon schon alles erreicht. Ihre Vorfreude auf die Heim-WM und die vielen weiteren Highlights ist dennoch riesengroß. Im Wintersport-Podcast der Sportschau mit Julia Kleine richtet sie den Blick aber auch auf Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und des Klimawandels auf ihren Sport.

Sportschau: Denise Herrmann-Wick, die Heim-WM im Februar ist für dich sicherlich das absolute Highlight der anstehenden Saison. Das dauert ja noch ein bisschen, aber kribbelt es trotzdem schon?

Auf alle Fälle. Ich kenne Oberhof schon ewige Jahre, aber jetzt mit dieser Heim-WM, schaut man sich Oberhof nochmal genauer an. Es ist sehr schön, solch ein Highlight vor sich zu haben. Da sind es mehrere Aspekte, auf die man hinfiebert: Natürlich die sportliche Höchstleistung dort zu bringen, aber auch dieses Gefühl, daheim eine WM zu haben, ist für mich eine Herzensangelegenheit und ich freue mich extrem drauf.

Sportschau-Wintersport-Podcast, 02.11.2022 19:50 Uhr

Sportschau: Die Vorfreude ist groß und gegen einen weiteren Weltmeistertitel hättest du gerade zu Hause nichts einzuwenden, oder?

Klar, aber da muss extrem viel passen. Man hat ja auch die letzten Jahre gesehen, dass nicht immer alles nach Plan verläuft. Aber wir als Mannschaft und ich als Person werden alles dafür geben, dass die Vorbereitung passt und dass ich die beste Performance der Saison da abrufen kann. Wenn ich das im Nachhinein von mir sagen kann, dann habe ich alles erreicht.

Sportschau: Bei aller Freude auf den baldigen Start und die Highlights dieser Wintersport-Saison müssen wir leider auch über den Krieg in der Ukraine sprechen, denn der betrifft auch den Sport. Russische und belarusische Athletinnen und Athleten sind weiterhin von den Wettkämpfen ausgeschlossen. Wie geht ihr im deutschen Team damit um?

Ende der letzten Saison hätten wir nicht gedacht, dass die jetzt immer noch nicht wieder dabei sind. Als Sportler willst du gegen die Besten laufen und da gehört die russische und belarusische Mannschaft gerade im Biathlon dazu. Aber solange der Krieg tobt und die Grundansicht, wie man respektvoll mit Menschen umgeht, nicht gleich ist, ist das eben nicht möglich. Natürlich sind die Sportlerinnen und Sportler aus den Ländern nicht alle für den Krieg, aber es gibt immer solche und solche. Ich finde die Entscheidung auf jeden Fall richtig, weil die Gegebenheiten eben noch so sind.

Sportschau: Ein weiteres Thema, das insbesondere auch den Wintersport beschäftigt, ist die Klimakrise. Welche Gedanken machst du dir zu diesem Thema?

Der Klimawandel begleitet uns schon die letzten Jahre und macht vor keinem Halt. Man hätte schon eher den Saisonstart nach hinten schieben sollen. Ich wollte in Davos auch schon meine ersten Schneekilometer machen, aber bei den Wetterprognosen macht das natürlich Sinn, dass die den Schnee nicht rauslegen. Klar beeinflusst mich das in meiner Vorbereitung, aber man muss da auch tolerant sein und das Thema verkörpern. In welchem Rahmen sich das entwickelt, weiß man nicht mehr so richtig. Man hat das Gefühl, man ist in einer Welt, die man nicht mehr so richtig kennt. Das tut mir schon im Herzen weh. Wir leben zwar schön in Deutschland, aber es haben schon Leute richtig zu kämpfen und da muss man eine gute Lösung für alle finden.

Sportschau: Ihr habt ja auch einen Sommer-Biathlon, da seid ihr auf Roll-Ski unterwegs. Ihr könntet, wenn der Schnee nicht mehr vorhanden wäre, also auch auf Roll-Ski weitermachen. Habt ihr solch ein Szenario schon einmal durchgedacht?

Klar, jetzt gibt es noch Winter und Schnee. Aber es macht total Sinn, die Weltcups da auszutragen, wo natürlicherweise noch Schnee liegt und nicht vielleicht in…

Sportschau: …Saudi-Arabien?

Ja zum Beispiel. Das geht einem nicht ins Hirn rein. Aber bei uns läuft das schon brutal gut, was die Reiserei angeht, die Wege kurz zu halten und die Weltcup-Orte logistisch sinnvoll aneinanderzureihen. Wir fliegen auch nur ganz selten zum Beispiel. Da merkt man schon, dass bei uns das Gefühl für das Umweltthema da ist.

Sportschau: Nachdem wir nun viel über Krisen gesprochen haben, kommen wir doch zum Ende noch zu den schönen Seiten des Lebens. Am 29. November 2022 geht es los mit der neuen Biathlon-Saison – in der ARD mit einem neuen Expertengesicht: Erik Lesser wird zusammen mit Arnd Peiffer messerscharfe Analysen liefern. Wie findest du das?

Ich habe schon Schweißperlen auf der Stirn. Also messerscharf hast du schon richtig beschrieben, das kann er gut. Er war mit sich selbst der ärgste Kritiker – aber auch mit anderen, sieht Sachen, die man selbst bei sich nicht mal sieht. Es wird bestimmt amüsant, ich kann ja leider nur selten live gucken, weil ich dann selbst am Start bin, werde es mir aber in der Mediathek nochmal reinziehen.

Jeden Donnerstag im Winter: der Sportschau-Wintersport-Podcast

Ob Loipe, Schanze, oder Eiskanal - wir tauchen ein in die große Welt des Wintersports und betrachten sie aus einer anderen Perspektive. Jeden Donnerstag trifft Julia Kleine im Wintersport-Podcast der Sportschau Sportler:innen und spricht mit ihnen über Wettkämpfe, Karrieren, Privates. 

Wir bringen Euch populäre und erfolgreicher Sportler:innen aus dem Biathlon und Skispringen näher, sprechen aber auch mit den coolsten und waghalsigsten Athlet:innen aus dem Freestyle und dem Bobfahren. Überraschend, unterhaltsam, informativ.  

Ihr habt Feedback, Fragen oder Vorschläge? Schreibt uns: wintersport@sportschau.de.

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