Biathlon-Star Fourcade geht - eine Karriere voller Rekorde

Martin Fourcade sagt "Adieu" - eine Biathlon-Legende beendet die Karriere Sportschau 14.03.2020 01:33 Min. Verfügbar bis 14.03.2021 Das Erste

Überraschender Abschied

Biathlon-Star Fourcade geht - eine Karriere voller Rekorde

Von Anja Keeb

Ein Jahrzehnt lang hat er den Biathlonsport dominiert, er gehört zu den erfolgreichsten Athleten in der Geschichte der Sportart. Der Franzose steht für spannende Duelle, große Gesten und für klare Worte. Nun tritt der große Martin Fourcade überraschend und ganz ohne Bühne ab.

"Danke für die Reise. Zeit auf Wiedersehen zu sagen", teilte der 31-Jährige am Freitagabend (13.03.2020) in den sozialen Medien mit. Damit war das Verfolgungsrennen am Samstag (14.03.20020) das letzte Rennen des Franzosen. Noch ein Mal das Kräftemessen mit dem norwegischen Rivalen Johannes Thingnes Bö, noch ein Mal vier nervenstarke Schießeinlagen - und am Ende durfte der Franzose tatsächlich über einen weiteren Einzelsieg jubeln. Zum achten Triumph im Gesamtweltcup fehlten am Ende gerade einmal zwei Pünktchen. Schade, dass Martin der Große in Finnland so ganz ohne jubelnde Kulisse, ohne französisches Fahnenmeer und "Au Revoir"-Banner abtreten musste. Zumindest schließt sich in Kontiolahti ein bemerkenswerter Kreis: Auf den Tag genau vor zehn Jahren hatte Fourcade an dieser Stelle auch seinen ersten Weltcup-Sieg gefeiert.

Eine Karriere voller Rekorde

Martin Fourcade

Das französische Team feiert Martin Fourcade

Fourcade prägte den Biathlon-Sport wie zuvor nur Norwegens Ole Einar Björndalen. Ein Rekord des Franzosen wird wohl lange, wenn nicht für immer, Bestand haben: Sieben Weltcup-Gesamtsiege schaffte vor ihm niemand. Zudem ist der Franzose der Erste, der in sieben aufeinanderfolgenden Höhepunkten in einem Einzelrennen Gold holte. Fourcade hat 79 Weltcupsiege auf seinem Konto, nur Björndalen ist mit 94 Erfolgen besser. Zudem wurde er fünf Mal Olympiasieger, 13 Mal Weltmeister, holte noch zehn Mal WM-Silber, fünf Mal WM-Bronze und zwei Mal Olympia-Silber. Die Erfolge haben "meine schönsten Träume bei weitem übertroffen", schreibt der zweifache Familienvater. "Mein Wille, das Beste zu geben und Berge zu versetzen, ist immer noch vorhanden. Aber die Fortsetzung meines Wachsens als Mann, als Vater, muss jetzt auf anderen Wegen geschehen. Es ist Zeit, sich zu verabschieden." Auch wenn der Rückzug überraschend kam - erste Anzeichen eines bevorstehenden Abschieds waren schon bei der WM in Antholz zu erkennen. Nach dem Sieg mit der Staffel war Fourcade in Tränen ausgebrochen. Zum einen hatte ihm dieses Gold noch in seiner üppigen Titelsammlung gefehlt, zum anderen hatte die französische Mannschaft 19 Jahre auf einen Triumph mit der Staffel gewartet.

Martin Fourcade beendet seine grandiose Biathlon-Karriere

Sportschau 14.03.2020 00:58 Min. Verfügbar bis 14.03.2021 ARD

Fourcade polarisiert und inspiriert

Fourcade, der schon als Kind nicht verlieren konnte, hasste Niederlagen. Das Gelbe Trikot wurde zu seiner zweiten Haut, zur Selbstverständlichkeit. "Wenn ich mal nicht gewonnen habe, dann halt am Tag drauf", sagte Fourcade. Er wirkte oft arrogant, provozierte gerne, wenn er nach einem letzten Schießen schon mit geballter Faust am Schießstand jubelte oder mit abgeschnallten Ski ins Ziel lief. Doch davon war zuletzt nichts mehr zu sehen. Denn nach Olympia 2018 und drei Mal Gold wurde er von allen in Beschlag genommen - Fourcade als Botschafter für Olympia 2024 in Paris, als Promoter seiner Autobiografie und als Experte für ein Biathlon-Computer-Spiel. Mangelnde Regeneration war die Folge und der Überflieger stürzte ab. "Letzte Saison war ich out", sagte der 31-Jährige. Bei der WM in Östersund quälte er sich kraftlos über die Strecke, holte keine Medaille, wurde Zwölfter im Gesamtweltcup - eine Majestätsbeleidigung. Der junge Norweger Johannes Thingnes Bö lief ihm den Rang ab und auch seine Teamkollegen zogen an ihm vorbei.

Tränen nach Staffelsieg

Martin Fourcade

Martin Fourcade - ein Sportler mit Ecken und Kanten

Doch der Meister kämpfte sich in dieser Saison eindrucksvoll zurück, holte bei der WM in Antholz drei Medailen, davon zwei goldene. Dabei zeigte er Demut, stellte das Team und nicht wie sonst sich in den Vordergrund. "Ich bin so stolz, dass es mir gelungen ist, meine Zweifel und meine Albträume zu besiegen, wieder zurück zu sein. Ich habe gekämpft und gewonnen. Ich habe auch gelitten. Ich bin gefallen und aufgestanden. Vor allem bin ich erwachsen geworden", so der Ausnahmekönner. Fourcade hat seinen Nachfolgern im Team den Weg geebnet. Mit Sprint-Vizeweltmeister Quentin Fillon Maillet oder Verfolgungs-Weltmeister Emilien Jacquelin hat Frankreich nun mehrere Erfolgsgaranten, kann auch ohne ihn Siege feiern. Mit seinen Erfolgen und seiner Einstellung war er ein Vorbild für viele Sportler. Auch Simon Schempp, dem er vor zwei Jahren in Pyeongchang im Massenstart hauchdünn Olympiagold weggeschnappt hatte, verneigte sich: "Du hast so viele Menschen, auch mich, inspiriert. Dein Wille und Einsatz sind außergewöhnlich. Großer, großer Champion."

Zukunft in der Sportpolitik

Fourcade will sich nun stärker in der Sportpolitik engagieren. In seiner aktiven Zeit war der Franzose unter den Biathleten der mit Abstand größte Kritiker der russischen Dopingpraktiken. Er sprach sich oft für harte Sanktionen aus. Mit der boykottierten Flower-Zeremonie bei der WM 2017 in Hochfilzen zeigte er seine Haltung auch auf der größten Bühne. Olle Dahlin, Präsident des Weltverbandes IBU, lobte Fourcade deshalb: "Er ist nicht nur auf dem Schnee mit gutem Beispiel vorangegangen. Er war immer eine starker und lauter Verfechter für sauberen Sport."

Stand: 14.03.2020, 12:15

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