Biathlet Samuelsson - aufstrebender Athlet und Anti-Doping-Kämpfer

Sebastian Samuelsson (SWE) beim Biathlon-Weltcup in Oberhof

Erster Einzel-Podestplatz für jungen Schweden Samuelsson

Biathlet Samuelsson - aufstrebender Athlet und Anti-Doping-Kämpfer

Von Dirk Hofmeister, Oberhof

Mit zwei Podestplätzen in den Sprints von Oberhof haben Schwedens Biathleten gleich zu Beginn des Jahres ihre Medaillen-Ambitionen für die Heim-WM im März in Östersund unterstrichen. Der Sprint-Dritte Sebastian Samuelsson zeigt aber nicht nur sportlich Größe.

Nein, an den Kampf gegen Doping wollte Sebastian Samuelsson in diesem Moment ausnahmsweise nicht denken. "An einem Tag wie heute möchte ich mich darauf konzentrieren, glücklich zu sein", sagte der Schwede nach dem Sprintrennen am Freitag (11.01.2019) in Oberhof. Erstmals in seiner Karriere war der 21-Jährige bei einem Weltcup auf das Podest gelaufen.

"Es ist speziell"

Doch der Doping-Thematik konnte nach diesem Wettkampf niemand ausweichen. Der Sieg ging ausgerechnet an den Russen Alexander Loginow - jenen Loginow, der mit Blutdoping erwischt wurde und zwischen 2014 und 2016 gesperrt war. "Es ist speziell", versuchte Samuelsson höflich auf die Frage zu antworten, wie es sich anfühlt, auf der Pressekonferenz neben einem überführten Doper zu sitzen. Er hätte auch sagen können: "Welch Ironie."

Überraschungs-Silber bei Olympia

Sebastian Samuelsson (SWE) beim Biathlon-Weltcup in Oberhof

Eisiger Handshake zwischen Sebastian Samuelsson (SWE/re.) und Alexander Loginow (RUS/li.) in Oberhof.

Der erst 21-jährige Samuelsson hat sich in den vergangenen zwölf Monaten zu einer beeindruckenden Persönlichkeit entwickelt. Sportlich wie menschlich. Sportlich ist Samuelsson unter dem deutschen Trainer Wolfgang Pichler zu einem Podestläufer geworden. Bei Olympia in Pyeongchang gewann er Überraschungs-Silber in der Verfolgung und ebenso unerwartet Gold mit der Staffel. In dieser Saison konnte der Mann aus dem WM-Gastgeberort Östersund läuferisch und am Schießstand noch einmal zulegen - Platz drei von Oberhof scheint der logische Folgeschritt dieses hochtalentierten Sportlers.

Forderung nach Reform der WADA

Ungewöhnlicher ist die Entwicklung Samuelssons als Sprachrohr für sauberen Sport. Der Schwede zählt mittlerweile zu einer Gruppe führender Kritiker der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Gemeinsam mit anderen Athleten wie dem Bahnrad-Olympiasieger Callum Skinner aus Großbritannien oder der US-Top-Schwimmerin Katie Ledecky fordert Samuelsson lautstark eine Reform der WADA. Aktueller Aufhänger der Kritik von Sportlern und Anti-Doping-Experten ist der Plan, die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA zu rehabilitieren und wieder in die WADA aufzunehmen - und das, obwohl die RUSADA sich nachweislich nicht an Vereinbarungen des Rehabilitationsprozesses gehalten hat.

Samuelsson: "Saubere Athleten und nicht Betrüger schützen"

Jüngstes Beispiel: Die RUSADA sollte bis Ende Dezember umfangreichen Einblick in die eigene Datenbank gewähren und Rohdaten für Doping-Nachtests aushändigen. Die Frist verstrich ohne Aushändigung von Daten. Aber auch ohne Konsequenzen seitens der WADA, was Samuelsson erzürnt: "Die RUSADA hält sich nicht an Abmachungen und ist nicht compliant. Die WADA sollte saubere Athleten und nicht die Betrüger schützen", schrieb er auf Twitter.

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Offener Brief an die WADA

Auf Ankündigungen der WADA, sich am 14. und 15. Januar mit den Russen zu treffen und das Versäumnis zu diskutieren, meldete sich Samuelsson mit einem offenen Brief an Jonathan Taylor, den Chef des WADA-Compliance-Komitees und fordert, die Rehabilitation der RUSADA aufzuheben. "Eine Frist ist eine Frist und diese wurde überschritten", heißt es in dem Schreiben. Und weiter: "Die Welt wartet darauf, dass Ihr Komitee Gerechtigkeit gegenüber dem Staat ausübt, der den schlimmsten Dopingskandal in der Geschichte zu verantworten hat ... Die Glaubwürdigkeit der WADA wird immer geringer. Es ist wichtig, dass Sie aufräumen."

Unterstützung bekommt Samuelsson von zahlreichen internationalen Anti-Doping-Agenturen, darunter der schwedischen. "Wir begrüßen das aktive Engagement von Sebastian Samuelsson", lobt Christine Helle, Leiterin der schwedischen Anti-Doping-Agentur, im schwedischen Fernsehen SVT.

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Samuelsson: "Denke jeden Tag an die WM"

Ganz schön viel Engagement für sauberen Sport, das sich der 21-jährige Samuelsson da auf die Schultern packt. Bleibt denn da noch Zeit für Biathlon, der eigentlichen Profession des Staffel-Olympiasiegers? Schließlich stehen ja in zwei Monaten Weltmeisterschaften im heimischen Östersund an? "Na klar", lacht der Schwede. "Ich denke jeden Tag an die WM. Mit unseren Erfolgen haben die schwedischen Fans jetzt auch höhere Erwartungen an uns."

An diesem Wochenende stehen aber erstmal noch zwei Wettkämpfe in Oberhof auf dem Programm. Die Verfolgung am Samstag (12.01., 15 Uhr, im Live-Ticker) und die Staffel am Sonntag (13.01., 14.30 Uhr, im Live-Ticker). Im vergangenen Jahr gewann Schweden mit Samuelsson eine denkwürdige, weil sehr neblige Staffel in Oberhof. Es war der erste Weltcup-Podestplatz für Samuelsson überhaupt. Russland wurde damals mit Loginow Vierter und fehlte damit auf der Pressekonferenz. Gegen einen Ausgang des Staffelrennens wie vor einem Jahr wird Samuelsson sicher nichts haben ...

Sportschau in 100 Sekunden

Sportschau 100 Sekunden 11.01.2019 01:48 Min. ARD

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Stand: 12.01.2019, 07:17

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