Nach Kritik an den Technikern: Biathlet Doll feilt an der Technik

Material-Frust im deutschen Biathlon-Team Sportschau 17.12.2020 02:15 Min. Verfügbar bis 17.12.2021 Das Erste

Weltcup in Hochfilzen

Nach Kritik an den Technikern: Biathlet Doll feilt an der Technik

Von Raphael Honndorf

Es waren harte Worte, die Benedikt Doll nach seinem Staffel-Auftritt am Sonntag in die TV-Kameras sagte. Von "Körperverletzung" war da die Rede. Doch inzwischen ist der Biathlet etwas defensiver.

Eigentlich hätte man beim deutschen Männerteam froh sein können über den Ausgang des Staffel-Rennens am Sonntag. Mit Rang drei erreichte das Team des Deutschen Skiverbandes wie schon beim Weltcup im finnischen Kontiolahti das Podest. Wieder einmal waren aber die Quartette aus Norwegen und Schweden schneller - Gegner, gegen die man schon mal verlieren kann.

Doll: "Es hat sich nach Körperverletzung angefühlt"

Entsprechend positiv war auch Bundestrainer Mark Kirchner, der sich "sehr zufrieden" mit dem Ausgang zeigte. Einer in der deutschen Mannschaft hatte da aber zunächst eine völlig andere Ansicht: Der sonst so positiv eingestellte Benedikt Doll war mächtig angefressen und war es "leid, dass immer schönreden zu müssen". Er fühlte sich auf der Strecke "wehrlos" und habe "keinen Spaß" gehabt. Damit nahm er Bezug auf sein Material und griff sogar direkt die Techniker des Teams an, in dem er ihnen "Körperverletzung" vorwarf. Die vor ihm platzierten Skandinavier seien mit super Material ausgestattet "bei uns ist es zur Zeit noch ein bisschen Lotterie", echauffierte sich der 31-Jährige am TV-Mikro.

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Doll erklärt sich in einem Video

Was er mit diesen Worten ausgelöst hatte, schien ihm am Abend dann richtig bewusst geworden zu sein. In einem Facebook-Statement nahm er sich mehr als sieben Minuten Zeit, um seine Sichtweise noch einmal genauer zu erklären. Er habe "Redebedarf", erklärte der Schwarzwälder. Im TV-Interview wären seine Aussagen "drastischer rübergekommen, als es ist", startete er seine Erklärung. Es folgte eine kurze Einführung in die Thematik "guter Ski" und von wie vielen Faktoren dieser abhängig sei: Von unterschiedlichen Herstellungsjahren, verschiedenen Bauweisen und Spannungsverhältnissen über die abweichenden Beläge kam er zu den veränderbaren Schliffen und Wachspräparationen.

Dann lobte der Ex-Weltmeister auch noch einmal die Arbeit der Techniker: "Wir haben grundsätzlich keine schlechten Ski, unsere Techniker machen einen super Job und sind voll motiviert. Sie machen ja nicht absichtlich schlechte Skier." Zudem sei er glücklich mit dem Ausgang und freue sich über den dritten Rang.

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Anspruch ist, vorne mitzulaufen

Trotzdem sei ein Unterschied zu anderen Nationen spürbar, dieser müsse wieder verringert werden. "Es lässt einen hilflos zurück, wenn man auf der Strecke alles gibt, und die anderen ziehen einfach ab", beschrieb Doll seine Gefühlswelt im Rennen. In den nächsten Tagen will er nun viel testen: "Wir und besonders ich haben noch viel Arbeit vor uns." Aufzugeben sei schließlich keine Option, zumal er selbst auch sehe, dass seine Teamkollegen nicht so hart betroffen sind. "Wir haben den Anspruch, vorne mitzulaufen. Ich bin optimistisch, dass wir das hinbekommen", schloss er sein Statement versöhnlich ab.

Auch läuferisch etwas nachgelassen

Dass Doll mit den schnellsten Läufern der Welt mithalten kann, hat er in den Saisons davor schon mehrfach unter Beweis gestellt. Ob die aktuellen Probleme nun aber wirklich nur am Material liegen, ist schwer nachzuvollziehen. Die Vergleichswerte - etwa zum Staffel-Rennen im Vorjahr - haben schlicht zu viele Variablen, wie Wettereinflüsse oder die Streckenbeschaffenheit. Allerdings geht aus den Statistiken auch hervor, dass Doll in diesem Jahr nur noch zu den Top-15-Läufern im Feld zählt. Er läuft aktuell drei Prozent schneller als der Durchschnitt in einer Konkurrenz. Im Vorjahr waren es noch vier Prozent, was ihn in die Top 5 hievte.

Fakt ist auch: Bei der Staffel-Entscheidung am Sonntag war er im deutschen Team mit einer reinen Laufzeit von 17:16,1 Minuten hinter Erik Lesser (17:11,6 min), der als Startläufer noch eine Zusatzschleife von 200 Meter laufen musste, und Roman Rees (17:15,2 min) nur der Drittschnellste.

Herrmann hat sich gefühlt wie eine Anfängerin

Denise Herrmann ist in ihrer Analyse der Hochfilzen übrigens einen anderen Weg gegangen. Auch sie ließ bezüglich der Laufleistung einige Wünsche offen. Bei ihr fiel jedoch kein Wort über die Techniker, stattdessen sagte sie: "Ich habe bei solchen Bedingungen immer mit meinen Schienbeinen zu kämpfen. Die sind mir zu schnell zugegangen, die Feinmotorik ist ausgefallen. Da fühlt man sich wie ein Anfänger."

Stand: 14.12.2020, 15:40

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