Nach Biathlon-Weltcup von Oberhof: Lichtblicke, Baustellen und Laura Dahlmeier

Franziska Preuß in Oberhof

Die Analyse nach dem Biathlon-Heim-Weltcup

Nach Biathlon-Weltcup von Oberhof: Lichtblicke, Baustellen und Laura Dahlmeier

Von Dirk Hofmeister, Oberhof

An einem sehr guten Tag können die deutschen Biathletinnen auch ohne Superstar Laura Dahlmeier auf das Podest laufen. Das ist wohl eine Erkenntnis des Biathlon-Heim-Weltcups von Oberhof. Eine andere ist: Je schlechter es läuft, desto lauter werden die Rufe nach Dahlmeier. Und noch eine: Der Weltcup von Oberhof liefert wohl einen ziemlich guten Einblick in die Leistungsfähigkeit der deutschen Skijäger. Mit Lichtblicken und Gründen zur Freude, mit Baustellen und Ratlosigkeit.

Die Lichtblicke

Gemessen an Podestplätzen und Top-10-Platzierungen zeigten die deutschen Biathleten die beste Saisonleistung. Im Vergleich der vergangenen fünf Oberhof-Weltcups lieferten die Deutschen auf einer der schwersten Strecken im Weltcup die zweitbesten Ergebnisse.

Auf das Podest durften Arnd Peiffer und die Frauen-Staffel mit zwei zweiten Plätzen. Hinzu kamen zwei zumindest gefühlte Podestplatzierungen: In der Verfolgung zeigten die Frauen eine irre Aufholjagd. Franziska Preuß verbesserte sich von Rang 45 auf sechs, Denise Herrmann von Rang 36 auf neun.

"Auf die wichtigen Dinge konzentrieren"

Biathlon-Frauen-Disziplin-Trainer Florian Steirer

Florian Steirer: "Es war nicht alles schlecht."

Nach dem historisch schlechten Frauen-Sprint hagelte es mediale Kritik, Franziska Preuß fasste ihre Sicht so zusammen: "Jeder kennt die deutschen Medien, da war schon fast Volksdrama nach dem Sprint." Das Team um Bundestrainer Mark Kirchner und die Frauen-Disziplintrainer Kristian Mehringer und Florian Steirer setzten aber woanders an: "Wir haben die Leistungen differenziert betrachtet. Denise hat die Laufbestzeit gehabt. Die Anna (Weidel, d.Red.) hatte die beste Schießzeit. Anna und die zwei Horchler-Mädels haben zudem 90 Prozent Trefferleistung gehabt. Es war also nicht alles schlecht", erklärte Steirer und gab als Marschroute für die weiteren Rennen aus: "Wir haben besprochen, dass wir uns auf die wichtigen Dinge im Biathlon konzentrieren." Nach der starken Aufholjagd in der Frauen-Verfolgung und einem krönenden zweiten Platz in der Staffel resümierte der Österreicher: "Das haben die Mädels konsequent umgesetzt. Das müssen wir mitnehmen."

Gutes Krisenmanagement bei Preuß, Herrmann, Horchler

Biathlon-Verfolgung der Frauen in Oberhof

Herrmann, Preuß, Horchler (v.l.n.r.).

Herrmann und Karolin Horchler können sich nach Oberhof über die halbe WM-Norm freuen. Preuß bestätigte mit dem fünften Top-10-Ergebnis der Saison ihre stabile Form in Reichweite zum Podest. Zudem scheint Preuß den Negativ-Ausreißer der Saison, als sie bei der Staffel von Hochfilzen zweimal in die Strafrunde musste, gut verdaut zu haben. Bei der Staffel von Oberhof übergab sie als Erste. "Wir wollten ihr das Vertrauen schenken. Am besten ist, nach einer Staffel wie Hochfilzen, es gleich bei der nächsten besser zu machen", erklärte Mehringer und lobte: "Sie hat ein super Rennen gemacht."

Peiffer mit starker Konstanz

Arnd Peiffer beim Training für den Sprint der Männer, Biathlon-Weltcup in Oberhof

Arnd Peiffer

Bei den Männern beeindruckt Sprint-Olympiasieger Peiffer. Im Herbst seiner Karriere ist der 31-jährige Niedersachse aktuell der konstanteste Biathlet aus dem Team von Bundestrainer Mark Kirchner. Zum Lohn steht er im Gesamt-Weltcup auf Rang sechs. Es scheint, als habe dem neunfachen Weltcupsieger die Geburt seiner Tochter im November eine Portion zusätzliche Gelassenheit gebracht. Auf den Weltcup in Oberhof bereitete er sich in einem Einzel-Trainingslager mit seiner kleinen Familie vor - mit sichtbarem Erfolg.

Lesser "auf einem guten Weg"

Erik Lesser vor dem Sprint der Männer, Biathlon-Weltcup in Oberhof

Erik Lesser

Zu wünschen wäre, dass dies auch auf den zweiten Jung-Papa im deutschen Team, Erik Lesser, abfärbt. Während des Oberhof-Weltcups wurde seine Tochter geboren. Am Tag darauf und übernächtigt lief der Thüringer am Sonntag eine starke Staffel. Nachdem Lesser wegen Rückenproblemen zuletzt etwa 50 Prozent seines geplanten Trainings auslassen musste, bescheinigte ihm Kircher nun aufsteigende Form: "Er ist auf einem guten Weg", so der Bundestrainer, der mit einem Augenzwinkern noch einen besonderen Tipp parat hat: "Vielleicht sollte er öfter mal nicht so viel schlafen."

Die Baustellen

Schempp: “Der komplette Ofen aus“

Biathlon-Weltcup in Oberhof - Sprint der Männer

Schempp (re.): "So macht das wenig Sinn"

Größte Sorgen dürfte sich Kirchner aktuell aber über Simon Schempp machen. Der 30-Jährige verpasste als Sprint-70. erstmals seit mehr als drei Jahren eine Verfolgung und kam in konditionell schlechtestmöglicher Verfassung nach Oberhof: "Momentan läuft auf der Strecke gar nichts zusammen. Sobald ich läuferisch eine gewisse Intensität überschreite, ist der komplette Ofen aus", beschreibt er, wie es ihm derzeit in der Loipe ergeht. Eine Erklärung hat er für seine Formschwäche nicht: "Wenn ich das wüsste, ...", sagte er mit einem ratlosen Schulterzucken nach der Staffel. Nur die 64.- und die 17.-beste Laufzeit (in der 26 Teams umfassenden Staffel) - Schempp läuft derzeit weit hinterher. Bundestrainer Kirchner schließt auch eine Pause für den am Mittwoch beginnenden Ruhpolding-Weltcup nicht aus: "Mit Simon müssen wir reden." Und auch Schempp schließt einen Verzicht beim Weltcup auf seiner Heimstrecke nicht mehr aus: "Wir müssen schauen, was das Beste ist. Aber so macht das wenig Sinn."

Doll und Herrmann - Rückschritte am Schießstand

Benedikt Doll beim Training für den Sprint der Männer, Biathlon-Weltcup in Oberhof

Doll: "Wenn man vorn stehen wil, muss man besser schießen."

Über ihre Laufleistungen müssen sich Denise Herrmann und Benedikt Doll keine Sorgen machen. Doch auch die ehemalige Skilangläuferin aus Sachsen und die "Rennsemmel" (Lesser über Doll) aus Breitnau haben ihre Schwachstellen: das Schießen. Herrmann vergab den Sieg in der Staffel beim letzten Schießen und sagte danach: "Mit dem Stehendanschlag kann ich nicht zufrieden sein. Aber auf Stand eins und mit dem Publikum im Rücken - da geht einem ganz schön die Düse."

Doll war nach Rang sieben in der Verfolgung und vier Fehlern ebenfalls selbstkritisch: "Liegend die Null wäre drin gewesen. Wenn man vorn stehen will, muss man besser schießen." Am Schießstand konnten Doll und Herrmann die Verbesserungen der vergangenen Jahre nicht fortsetzen. Stehend trifft Doll aktuell nur 70 Prozent der Scheiben - er hat damit derzeit aktuell so viele Patzer wie seit mehr als vier Jahren nicht. Auch Herrmann scheint nach einer stabileren Saison 2017/2018 wieder in alte Unkonzentriertheiten zu verfallen. "Ich arbeite täglich daran, das Schießen besser zu machen. Aber vielleicht denke ich noch zu viel nach", erklärt sie.

Laura Dahlmeier: Nicht da - aber ständig präsent

Laura Dahlmeier

Dahlmeier will in Ruhpolding wieder starten.

Beim Weltcup in Ruhpolding kehrt nun die Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin Laura Dahlmeier ins deutsche Team zurück. Die Bayerin trainierte während des Oberhof-Weltcups zu Hause. Dennoch war die 25-Jährige auch am Rennsteig überpräsent. Nahezu in jedem Interview wurden Hildebrand, Herrmann, Preuß und Co. zum Fehlen der deutschen Vorzeigebiathletin befragt. Zumeist versuchten die DSV-Athletinnen, konkrete Antworten zu vermeiden. Nach dem Staffelpodest platzte es dann aber aus Herrmann heraus: "Wir haben schon in ein paar Staffeln gezeigt, dass wir auch ohne Laura erfolgreich sein können", und erklärte: "Die Trainer investieren so viel Zeit, da ist es auch für das Team um das Team wichtig, dass wir das jetzt zurückzahlen konnten." Auch Preuß war vom Dahlmeier-Thema genervt, hatte die passende Antwort parat. "Nächste Woche ist Laura wieder dabei. Dann sind wieder alle glücklich", sagt Preuß. Na, mal sehen...

Stand: 14.01.2019, 09:52

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