Russische Biathleten in Not

Biathlet Loginow im Visier der Ermittler

Im Visier der Strafermittler

Russische Biathleten in Not

Von Hajo Seppelt, Nick Butler und Jörg Winterfeldt

Österreichs Strafermittler nehmen beim Weltcup die russischen Biathleten ins Visier. Die Dopingvergangenheit überschattet den Weltcup. Die Formalie zeigt: Die Schlinge zieht sich langsam zu.

Dem Auftritt haftete etwas Dramatisches an. Am Vorabend des ersten Wettkampfes im Rahmen des Biathlon-Weltcups in Hochfilzen, dem 7,5-km-Sprint der Frauen, erhielt die russische Delegation in ihrem Hotel Besuch von der österreichischen Polizei. Der Vorgang war eine reine strafprozessuale Formalie, aber er zeigt, wie das Netz der Ermittler sich langsam schließt.

Entgegen anderslautender Meldungen kam es allerdings nicht zu einer Razzia. "Durchsuchungen oder Vernehmungen“, teilt die zuständige Zentrale Staatsanwaltsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKStA) auf Anfrage der ARD-Dopingredaktion mit, "wurden nicht vorgenommen.“

Die Ermittler nutzten lediglich den Aufenthalt der Russen, um die nächste Phase des Verfahrens einzuleiten. Sie informierten die betroffenen Russen, dass gegen sie ein Ermittlungsverfahren geführt wird: "Gegen fünf Betreuer des russischen Biathlon Teams wegen der Anwendung verbotener Substanzen bzw Methoden zum Zweck des Dopings (§ 22a Abs 1 Z 1 und 2 Anti-Doping-Bundesgesetz 2007) und fünf Sportler dieses Teams wegen schweren Betruges im Zusammenhang mit Doping (§§ 146, 147 Abs 1a, tw Abs 2 StGB). Der Tatzeitraum betrifft die Biathlon-WM 2017 in Hochfilzen.“

Aberkennung droht

Wie Anfang des Monats in der Sportschau berichtet, zählt zu den Beschuldigten auch der größte Star der Russen, Anton Schipulin. Er fehlt gerade bei Weltcup in Hochfilzen wie schon zum Saisonstart, angeblich aufgrund von sportlichen Gründen. Das Internationale Olympische Komitee hatte Schipulin schon nicht zu den Winterspielen in Pyeongchang eingeladen, der Whistleblower Grigori Rodtschenkow hatte behauptet, bei den Spielen in Sotschi sei das gesamte russische Biathlon-Team gedopt gewesen.

Schipulin gehörte zu jener Staffel, der nun ohnehin die Aberkennung ihres Olympiasieges droht. Die IBU ist überzeugt, gegen Schipulins Staffelkollegen Jewgeni Ustjugow genug Dopingbeweise vorliegen zu haben, dass sie vor wenigen Tagen offiziell Anklage erhob. Bei einer Disqualifikation der Russen erhielt die zweitplatzierten Deutschen nachträglich Gold.

Im Biathlon-Weltverband IBU durfte Schipulin ohne Einschränkungen starten. Bei der WM 2017 hatte er, wie bei Olympia in Sotschi, Staffelgold gewonnen. „Ich bin äußerst verärgert, dass diese Hexenjagd weitergeht, die mein Vertrauen als sauberer Sportler nicht nur in den Kampf gegen Doping, sondern in unsere Sportart insgesamt untergräbt“, schrieb Schipulin auf Instagram, „ich habe die Anti-Doping-Regeln niemals verletzt. Ich habe immer guten Gewissens alle Dopingtests absolviert.“

Vertuschungsversuch

Der russische Journalist Dmitry Guberniev hatte bereits am Mittwochabend auf seinem Instagram-Account ein Foto von der offiziellen „Verständigung“ veröffentlicht. Demnach betrifft sie außer Schipulin noch die Athleten Evgeny Garanichev, Alexander Loginov, Irina Starykh und Alexey Wolkow, den früheren Cheftrainer Alexander Kasperovich, die Ärzte Artem Kryntsilov, Alexander Selyavkin, Evgeny Shutov und den Therapeuten Dmitry Topychkanov.

Dieses Element beinhaltet Daten von Instagram. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Die österreichische Strafprozessordnung verlangt in dem angeführten Paragraf 50, dass Beschuldigte über einen bestehenden Verdacht und ihre Rechte informiert werden müssen. Dann stehen ihnen weitere Rechte zu: Sie können etwa einen Verteidiger hinzuziehen, Akteneinsicht nehmen oder eine Beweisaufnahme beantragen.

Von Whitleblower beschuldigt: Biathletin Starykh

Als Großkonsumenten in der Vergangenheit vom Whistleblower beschuldigt: Irina Starykh, ebenfalls bereits einmal gesperrt

Österreichs Ermittlern prüfen mehrere Vorwürfe. Darunter befindet sich ein vertrauliches Dossier, das der Chefermittler der Welt-Antidoping-Agentur, Günter Younger erstellt hat mit Vorwürfen zu Dopingvertuschung in der IBU, sowie eine Aussage des Whistleblowers Grigori Rodtchenkow. Der hatte behauptet, dass er einst im Zuge eines positiven Dopingtests bei Starykh von einem der russischen Biathlonbosse gefragt worden sei, ob er das Ergebnis vertuschen könne.

Eine ganze Ampulle

Er habe das verneinen müssen: Starykh, die auch einen eigens von ihm zusammengestellten Doping-Cocktail erhalten habe, habe nicht nur Mikro-Doping mit Epo angewendet, eine kleine Dosis also, sondern sie habe gleich eine ganze Ampulle Epo appliziert. Starykh hat allerdings, wie Alexander Loginov, bereits eine zweijährige Sperre wegen Dopings abgesessen. Beiden war Doping in der Vorbereitung auf die Spiele in Sotschi nachgewiesen worden.

Als Loginow und Starykh zum Saisonbeginn in der Mixed-Staffel in Pokljuka Vierte wurden, schimpfte der Weltklassemann Martin Fourcade aus Frankreich bitter in der ARD. „Ich habe schon gesagt, was ich von Starykh und Loginov halte. Ich habe keine Angst, ihre Namen zu nennen. Die wissen, was ich von ihnen halte. An deren Stelle würde ich mich schämen. Es scheint aber, als würden sie’s genießen. Sollen sie – unter sich.“

Stand: 13.12.2018, 20:26

Darstellung: