Abschied, Skandal, Überflieger - der Winter 2018/19

Felix Neureuther

Biathlon, Ski Alpin, Nordische Kombination, Skispringen, Bob, Rodeln und mehr

Abschied, Skandal, Überflieger - der Winter 2018/19

So schnell geht's - die Wintersport-Saison ist schon wieder vorbei. Hier gibt's den Rückblick in elf Akten: Mit Rücktritten, Überraschungen, Skandalen, Hoffnungen, Nullrunden und mehr ...

Abschied der Saison: Felix Neureuther

Am Ende war es der Anblick seiner Tochter Matilda (1), der Felix Neureuther klar machte: So, jetzt ist gut. Lange hatte er mit sich gerungen, genau genommen seit seinem Kreuzbandriss im November 2017. Er wollte es noch einmal wissen, verlängerte den Vertrag mit seiner Skifirma sogar bis 2022. Doch dann war doch Schluss mit dem Ende einer Saison, in der Neureuther noch einmal kämpfte wie ein Löwe, den Anschluss aber nicht mehr ganz schaffte. Sei's drum: "Ich habe meinen Kindheitstraum in vollen Zügen leben dürfen, und dafür bin ich so unendlich dankbar", sagte der erfolgreichste deutsche Alpine im Weltcup.

Rücktritte 2019: Diese Athleten verabschieden sich

Felix Neureuther

Er wird allen fehlen: Skistar Felix Neureuther war lange Jahre das Aushängeschild der deutschen Ski-Alpin-Männer. Nach dem letzten Slalom in Andorra hat der Garmisch-Partenkirchner seine Karriere beendet. "Es war genauso richtig für mich", sagte Neureuther nach seinem letzten Rennen. Vielleicht sehen wir ihn bald wieder. Vor der Kamera. Als TV-Experten. Neureuther jedenfalls würde gern "seinen Senf dazugeben".

Er wird allen fehlen: Skistar Felix Neureuther war lange Jahre das Aushängeschild der deutschen Ski-Alpin-Männer. Nach dem letzten Slalom in Andorra hat der Garmisch-Partenkirchner seine Karriere beendet. "Es war genauso richtig für mich", sagte Neureuther nach seinem letzten Rennen. Vielleicht sehen wir ihn bald wieder. Vor der Kamera. Als TV-Experten. Neureuther jedenfalls würde gern "seinen Senf dazugeben".

Wenige Tage nach Neureuther erklärte DSV-Cheftrainer Mathias Berthold, einer der besten Trainer im alpinen Ski-Zirkus, seinen Abschied. Er verlässt den DSV zum Saisonende. "Ich habe noch nie so einen guten Trainer gehabt", sagte Felix Neureuther über den 53-Jährigen. Während seiner Amtszeit ging es mit den deutschen Männern stetig bergauf.

Olympiasiegerin, Gesamtweltcupgewinnerin, Doppelweltmeisterin - Lindsey Vonn hat sich von der großen Alpin-Bühne, die sie bespielte wie keine Andere, verabschiedet. In ihrem letzten Rennen fuhr die schnelle US-Amerikanerin noch einmal aufs Podest. Ihren Abgang versüßte sich die 34-Jährige in der Königsdisziplin mit WM-Bronze.

Doppelolympiasieger, Weltmeister und 26-facher Weltcupsieger: 14 Jahre nach seiner ersten WM-Medaille verabschiedete sich der Norweger Aksel Lund Svindal bei der WM in Are mit Platz zwei in der Abfahrt von der großen WM-Bühne. "Ich bedaure nichts", sagte der 36-Jährige.

Robert Kranjec, Skiflugweltmeister von 2012, sagte beim Weltcup im slowenischen Planica "Servus" von den großen Schanzen der Welt. Der 37-Jährige hatte den Abschied über die sozialen Medien angekündigt. "Ich fliege durch die Erinnerungen und schönsten Momente meiner Karriere. Ich fahre ein letztes Mal meine geliebte Planica-Schanze hinunter und winke euch zum Abschied zu."

Familie statt Leistungssport: Snowboarderin Anke Wöhrer beendet ihre Karriere aus einem zuckersüßen Grund. "Ich habe ein Goldstück daheim. Meine Tochter ist das Schönste, was mir im Leben passiert ist. Ich möchte immer für sie da sein und höre deshalb auf", sagte die 33-Jährige, deren Sternstunde 2014 bei den Olympischen Spielen in Sotschi schlug. Sie gewann Olympia-Silber im Parallelslalom – damals noch als Anke Karstens.

Olympiamedaillen hat auch Rennrodlerin Tatjana Hüfner gesammelt - von 2006 bis 2014 einen kompletten Medaillensatz. Zudem Weltmeister- und Europameistermedaillen und viele Weltcupsiege. Im Februar beendete die 35-Jährige dann ihre Karriere, mit einem Rennen auf ihrer Heimbahn in Oberhof. Nach ihrer letzten Fahrt ins Tal sagte Hüfner: "Ich verspüre Dankbarkeit, nicht Wehmut."

Künftig ist nur noch ein Fourcade im Biathlon-Zirkus unterwegs. Simon Fourcade, der große Bruder vom einstigen Dominator Martin Fourcade, macht mit 34 Schluss. Seinen größten Erfolg feierte Simon Fourcade 2012 in Ruhpolding mit WM-Silber im Einzel. Ansonsten stand er fast immer im Schatten seines kleinen Bruders.

Nach Olympia hatten viele schon mit dem Rücktritt von Anastasyja Kuzmina spekuliert. Doch die Doppel-Mama machte weiter und war noch einmal so richtig erfolgreich. Bei der WM in Östersund gewann die 34-Jährige Gold im Sprint. In dieser Disziplin sicherte sie sich auch den Gesamt-Weltcup. 13 Jahre nach ihrem Weltcup-Debüt hört die Ausnahmeathletin aus der Slowakei auf.

Mitten in der Saison überraschte Michael Rösch mit einer emotionalen Abschiedsrede. Der Sachse, der in den vergangenen Jahren für Belgien startete, war bekannt und beliebt. In Ruhpolding sagte er Servus - mit vielen Tränen. Ganz verschwinden wird Rösch nicht. Bei den Staffelrennen will er die belgische Mannschaft unterstützen. Den größten Erfolg feierte Rösch, der lange als eines der größten deutschen Talente galt, 2006. Bei den Olympischen Spielen in Turin gewann er mit der Staffel Gold. 

Mit Anton Schipulin hat sich bereits kurz vor dem Jahresende 2018 ein Olympiasieger verabschiedet. Der Russe war die nicht abreißenden Dopinggerüchte um seine Person leid - und zog im Dezember überraschend den Schlussstrich unter seiner Karriere. "Ich habe keine Energie mehr, mich immer wieder gegen diese Vorwürfe zu wehren", sagte der 31-Jährige. Ganz vom Biathlon hat sich Schipulin allerdings nicht zurückgezogen. Bei der WM in Östersund war er als Experte für einen russischen TV-Sender im Einsatz.

Bereits mit 29 Jahren macht dieser Schwede Schluss. Biathlet Fredrik Lindström beendete seine Karriere zum Weltcupfinale in Oslo. Im starken und jungen schwedischen Team konnte sich Lindröm zuletzt kaum noch durchsetzen. Bei der WM kam er nur noch zu zwei Einsätzen. Dabei hielt Lindström in den letzten Jahren häufig die schwedische Fahne hoch. Zwei Einzel-WM-Medaillen, sieben Weltcup-Podestplätze und Olympiagold 2018 mit der Staffel feierte er. Hier jubelt er nach dem Sieg mit der Staffel beim Weltcup 2018 in Oberhof.

Abschied mit nur 23 - Snowboarder Johannes Höpfl macht Schluss. "Zum einen möchte man etwas Neues, auch wenn man erst 23 Jahre alt ist. Zum anderen merke ich aber auch die körperliche Belastung", sagte der zweimalige Olympia-Teilnehmer vom SC Passau. Höpfl kann sich vorstellen, zukünftig als Trainer für Snowboard Germany zu arbeiten.

Skispringer Andreas Stjernen hängte sein Sportgerät nach der Raw-Air-Tour an den Nagel. "Ich beende meine Karriere in meiner Heimat", so der Norweger, der beim Saisonfinale im slowenischen Planica nicht mehr am Start war. Seine bisher größten sportlichen Erfolge feierte er zusammen mit der norwegischen Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang und bei der Skiflug-Weltmeisterschaft 2018 in Oberstdorf. Dort holte das Team Gold.

Maxim Vylegzhanin, russischer Skilangläufer mit udmurtischer Herkunft, hat sich beim legendären Rennen über die 50-Kilometer-Distanz am Holmenkollen verabschiedet. Der 30-Jährige feierte im letzten Rennen seiner Karriere mit Platz zwei noch einmal einen Podestplatz. Zweimal olympisches Silber in Sotschi 2014 und Gold bei der WM 2015 in Falun sind die größten Erfolge, auf die er zurückblicken kann.

Und noch eine Alpin-Fahrerin, die aufhört: Die Schwedin Frida Hansdotter sagte ein Jahr nach ihrem Olympiagold im Slalom "Adjö". Bei ihrer letzten Fahrt beim Weltcupfinale in Soldeau trug sie eine traditionelle Tracht und verteilte Zimtschnecken. Bei der WM 2019 im heimischen Are verpasste sie zwar eine Medaille, dennoch sagte die 33-Jährige nach ihrem Abschied: "Ich habe alle meine Ziele erreicht. Es ist der richtige Zeitpunkt."

Last but not least: Werner Schuster. Der Bundestrainer der deutschen Skispringer (im Bild 2. von links) verabschiedete sich am letzten Skiflug-Wochenende in Plancia von der deutschen Mannschaft. Der Österreicher ist der Baumeister der Erfolge von Severin Freund über Andreas Wellinger und Stephan Leyhe bis hin zu Markus Eisenbichler. Unter Schuster flogen die Deutschen zu WM-Gold, Olympia-Gold, Weltcupsiegen und Gesamt-Weltcuperfolgen. Nun sagt er "Tschüssi" - und wird dem Deutschen Skiverband möglicherweise dennoch beim Aufbau einer Akademie zur Schulung von Führungskräften erhalten bleiben. Die Vertragsgespräche laufen derzeit.

Skandal der Saison: Der Dopingsumpf von Seefeld

An diesem unsäglichen WM-Mittwoch in Seefeld war nicht mehr klar, ob das nur noch zum Weinen oder schon zum Lachen war. Alles rund um die Tiroler Dopingrazzien schien irrsinnig: Ein österreichischer Langläufer, der mit Nadel im Arm verhaftet wurde. Täter, die so skrupellos oder dumm waren, ungeniert auf der großen Sportbühne ihrem schändlichen Treiben nachzugehen, wo doch klar war, dass nach dem Fall Johannes Dürr der große Knall bevorstand. Noch ist das ganze Ausmaß des Skandals nicht absehbar, ein Erfurter Arzt sitzt als mutmaßlicher Drahtzieher in Haft. Dass nicht nur der Wintersport betroffen sein soll, ist keineswegs tröstlich, sondern erschreckend.

Achterbahnfahrt der Saison: Laura Dahlmeier

Zu Saisonbeginn schwächelte ihr Immunsystem, zwischen den Jahren streckte sie ein Infekt nieder, vor der WM pausierte Laura Dahlmeier dann noch freiwillig. Aber die Biathlon-Königin gab nicht auf, feierte ihren 20. Weltcup-Sieg in Antholz und krönte eine verrückte Saison mit zwei Bronzemedaillen bei den Titelkämpfen in Östersund.

Siegerehrung nach Sprint der Frauen, Biathlon-WM Östersund

 Überflieger der Saison: Markus Eisenbichler

Kurz vor Toresschluss kam er dann doch noch, dieser so ersehnte erste Weltcupsieg des Markus Eisenbichler. Doch selbst ohne den Erfolg von Planica wäre es der Skisprung-Winter seines Lebens gewesen. Der dreifache Skisprung-Weltmeister von Seefeld war sportlich über jeden Zweifel erhaben und blieb auch in den Momenten des größten Erfolges der authentische Sympathieträger mit den klaren Werten. Einfach Eisei eben.

Markus Eisenbichler bei der Siegerehrung nach Gold auf der Großschanze bei der WM 2019

Markus Eisenbichler bei der Siegerehrung nach Gold auf der Großschanze bei der WM 2019

 Meistermacher der Saison: Werner Schuster

Das Beste zum Schluss: Elf Jahre lang war Werner Schuster Bundestrainer der deutschen Skispringer, erfolgreicher als in seiner letzten Saison ist der Österreicher nie gewesen. Drei WM-Titel gab es in Seefeld, nur der Vierschanzentourneesieg blieb ihm verwehrt. Schuster, der aus einem Trümmerhaufen wieder ein Weltklasse-Team gemacht hat, hinterlässt eine Lücke, auch wenn er dem Schanzenzirkus - in welcher Funktion auch immer - erhalten bleiben wird: "Ich habe nichts anderes gelernt als Skispringen - was soll ich denn sonst machen?"

Stehaufmännchen der Saison: Eric Frenzel 

Ohne Saisonsieg reiste Frenzel zur WM nach Seefeld, monatelang haderte der Olympiasieger mit seiner Sprungform. Doch dann flog und lief der "König der Kombinierer" in Tirol wie zu besten Zeiten, holte Gold im Einzel und Teamsprint. Und das in seinem "Wohnzimmer", wo er 13 Weltcupsiege feierte. Auf der Tribüne weinte Ehefrau Laura mit Töchterchen Emma auf dem Arm Tränen der Freude. Kein Zweifel: Auch mit 30 Jahren, drei Olympiasiegen und sieben WM-Titeln hat der Sachse noch lange nicht genug.

Eric Frenzel bei der Ski-WM in Seefeld

Eric Frenzel nach seinem Sieg bei der Ski-WM in Seefeld

Dominator der Saison: Francesco Friedrich

Es gab mal Zeiten, da galt Francesco Friedrich nur als Spezialist für den Zweierbob. Sehr athletisch eben, aber an den Lenkseilen fehlte noch das Gespür für den großen Schlitten. Spätestens im Jahr 2019 ist der Sachse aber am Gipfel angekommen. Doppeltes Olympia-Gold hatte er schon in Pyeongchang gewonnen, in diesem Winter holte er auch die WM-Titel und die Kristallkugeln für den Gesamtweltcup in beiden Schlitten. Friedrich ist nicht nur ohne Zweifel der beste Bob-Pilot der Gegenwart - er ist vielleicht der beste, den sein Sport jemals hervorgebracht hat. Und das im Alter von gerade erst 28 Jahren.

Punktlandung der Saison: Felix Loch 

Der Abgesang war eigentlich schon geschrieben. Im Februar 2018 hatte Felix Loch auf dramatische Weise den Olympiasieg in Pyeongchang verschenkt, und von dieser Niederlage schien sich Deutschlands Vorzeige-Rodler einfach nicht mehr zu erholen. Im Weltcup-Winter schlingerte er von einer Enttäuschung in die nächste, zur Heim-WM in Winterberg reiste der einstige Dominator dann ohne einen einzigen Saisonsieg. Mit einer solchen Bilanz war Loch seit zehn Jahren in kein Großereignis mehr gestartet. Doch die Titelkämpfe Ende Januar brachten die Erlösung, Loch wurde zum sechsten Mal Weltmeister, ist nun Rekordchampion - und der Abgesang darf noch eine Weile in die Schublade

Felix Loch in Altenberg

Felix Loch in Altenberg

liegen.

 Nullrunden der Saison: Die deutschen Eisschnellläufer

Edelmetall ist selten geworden für die deutschen Eisschnellläufer. Im Weltcup gänzlich leer auszugehen, ist dennoch besonders: In 78 (!) Rennen gab es 0 (!) Podestplätze. Ein paar Mal waren die deutschen Athleten dicht dran, nicht nur im Weltcup. Patrick Beckert fehlten nach 10.000 Meter bei der Einzelstrecken-WM in Inzell zwei Tausendstelsekunden zu Bronze. Nach der Nullrunde bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang waren die Ergebnisse dennoch zu dürftig.

Nico Ihle

Nico Ihle nach den 500 m bei der WM in Inzell

 Eishoffnung der Saison: Anna Seidel

Anna Seidel ist erst 20 Jahre alt und doch schon seit Jahren die deutsche Hoffnungsträgerin im Shorttrack. Dieser Rolle wurde sie im nacholympischen Winter mehr als gerecht. Beim Weltcup in Salt Lake City gewann sie Silber über 1000 m, in Sofia erzielte auf dieser Strecke als Siebte ihr bisher bestes WM-Ergebnis - die Arbeit mit dem neuen Bundestrainer Stuart Horsepool zahlte sich aus. In der Breite fehlt den deutschen Shorttrackern aber weiter die internationale Qualität. Seidel bleibt eine Ausnahmeerscheinung.

Anna-Katharina Gärtner

Anna-Katharina Gärtner läuft die Staffel mit Gina Jacobs, Anna Seidel und Bianca Walther

 Vermisste der Saison: Aljona Savchenko

Keine Aljona, keine Medaillen: So läuft das im deutschen Eiskunstlauf seit 13 Jahren. Die schöpferische Pause der Paarlauf-Olympiasiegerin und ihres Goldpartners Bruno Massot hat die Deutsche Eislauf-Union aus dem Medaillenspiegel bei Europa- und Weltmeisterschaften verschwinden lassen. Und anders als 2015, als Savchenko mit ihrem neuen Partner international noch nicht startberechtigt war, sieht es jetzt ganz nach einer längeren Durststrecke aus. Denn kaum jemand glaubt, dass die Ex-Weltmeister aus Oberstdorf noch einmal in den Wettkampfsport zurückkehren werden.

Aljona Savchenko und Bruno Massot bei ihrer Goldkür in Südkorea.

Das waren die Stars des Winters

Die Wintersport-Saison ist vorbei. Zeit für einen Rückblick auf die, die fast täglich vom Treppchen gegrüßt haben. Diese Stars des Winters dominierten in ihrem Sport.

Mikaela Shiffrin

Ski alpin - "Wonder Woman" Mikaela Shiffrin hat in dieser Saison einmal mehr Skigeschichte geschrieben. Zum Beispiel mit ihrem 40. Slalomsieg im Weltcup. Die 24-jährige US-Amerikanerin setzte sich beim Saisonfinale in Soldeu/Andorra durch und stellte die Slalom-Bestmarke des großen Schweden Ingemar Stenmark ein. Bei der alpinen Ski-WM in Are (Schweden) schnappte sich Shiffrin drei Medaillen (Gold im Slalom und Super-G sowie Bronze im Riesenslalom).

Ski alpin - "Wonder Woman" Mikaela Shiffrin hat in dieser Saison einmal mehr Skigeschichte geschrieben. Zum Beispiel mit ihrem 40. Slalomsieg im Weltcup. Die 24-jährige US-Amerikanerin setzte sich beim Saisonfinale in Soldeu/Andorra durch und stellte die Slalom-Bestmarke des großen Schweden Ingemar Stenmark ein. Bei der alpinen Ski-WM in Are (Schweden) schnappte sich Shiffrin drei Medaillen (Gold im Slalom und Super-G sowie Bronze im Riesenslalom).

Ski alpin - Marcel Hirscher ist der Ski-Alpin-Star 2018/19. Bei Weltcuprennen stand der Österreicher nun schon insgesamt 67-mal ganz oben auf dem Treppchen - nur der Schwede Ingemar Stenmark war bei den Herren in dieser Statistik erfolgreicher als er. Ob Hirscher seine Karriere zeitnah beendet, ließ der 30-Jährige offen: "Ich bin jetzt zehn Jahre in dem ganzen Zirkus dabei, und dass man da früher oder später Federn lässt, ist ganz klar. Mal sehen, wie ich in den Sommer reinkomme."

Para-Ski-alpin - Mit zwei Gold- und drei Silbermedaillen ragte Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber bei der Para-Alpin-WM in Kranjska Gora und Sella Nevea aus dem fünfköpfigen deutschen Team heraus. Im März richtet sich ihr Fokus auf den Uni-Abschluss. Acht Prüfungen stehen an. Dann will die Lehramtsstudentin das zweite Staatsexamen in der Tasche haben. Im Mai heiratet Schaffelhuber standesamtlich am Chiemsee, im August folgt die kirchliche Trauung.

Biathlon - Dorothea Wierer weiß, wie es geht. Die Italienerin siegt im Gesamtweltcup mit 22 Punkten Vorsprung vor ihrer Landsfrau Lisa Vittozzi. Im Einzel-Weltcup hat Vittozzi zwar die Nase vor, aber Wierer glänzt in den Disziplinen Verfolgung (Erste), Sprint (Zweite hinter Anastasiya Kuzmina) und Massenstart (Zweite hinter Hanna Öberg). Bei der WM in Östersund siegte Wierer im Massenstart. Mit Lukas Hofer gab es Silber im Single-Mixed. Zudem gehörte Wierer zur Mixed-Staffel, die Bronze gewann.

Biathlon - Überragender Biathlet war mal wieder Johannes Thingnes Bö, der seit dieser Saison Weltcup-Rekordhalter ist: 16 Siege in einer Saison gelangen zuvor keinem Skijäger. Bö gewinnt (fast) immer und sicherte sich neben der großen Kristallkugel auch die Siege in den Einzeldiszilpinen Sprint, Verfolgung, Einzel und Massenstart.

Biathlon - Aus deutscher Sicht ragte Arnd Peiffer mit drei WM-Medaillen und Platz fünf im Weltcup heraus. Aufsteigerin war zweifelsfrei Denise Herrmann. Die Ex-Langläuferin gewann bei der WM überraschend drei Medaillen - herausragend war dabei ihr Goldlauf in der Verfolgung.

Langlauf - Die Norwegerin Ingvild Flugstad Östberg hat erstmals in ihrer Karriere den Langlauf-Gesamtweltcup gewonnen. Dafür reichte der 28-Jährigen in Québec ein dritter Platz im Verfolgungsrennen. Ihre härteste Widersacherin war Natalia Neprajewa aus Russland. Bei der WM holte sie Silber im Skiathlon (Gold: Therese Johaug), über 30 Kilometer (Gold: Johaug) und in der Staffel (Gold: Schweden) sowie Bronze im Klassik-Rennen über 10 Kilometer und im Team-Sprint klassisch (mit Maiken Caspersen Falla).

Langlauf - Johannes Hoesflot Klaebo aus Norwegen behauptet sich im Gesamtweltcup-Ranking vor dem Russen Alexander Bolschunow. Mit Platz eins in der Verfolgung machte er am letzten Wettkampftag alles klar. In den Distanzrennen war er nur Neunter, aber in den Sprintrennen dominierte Klaebo den Winter 2018/19. Bei der Tour de Ski machte Klaebo keiner etwas vor. Bei der WM jubelte der Norweger über Gold im Sprint, im Team-Sprint klassisch und mit der Staffel.

Para-Ski-Nordisch - Bei der Para-Ski-Nordisch-WM im kanadischen Prince George hat Clara Klug mit ihrem Guide Martin Härtel überzeugt. Das Duo glänzte im Februar mit dreimal Gold im Biathlon und zweimal Bronze im Langlauf. Insgesamt hat die deutsche Mannschaft bei den Wettkämpfen in British Columbia 15 Medaillen gewonnen. Nur die Ukraine mit Ausnahmeathleten wie Taras Rad in der sitzenden Konkurrenz und Ludmilla Liaschenko in der stehenden Konkurrenz übertraf das mit 41 Medaillen.

Nordische Kombination - Nach der fünfjährigen Gesamtweltcup-Siegesserie von Eric Frenzel und Akito Watabes Hammer-Saison 2018/19 ist nun der Norweger Jarl Magnus Riiber der Star am NoKo-Himmel.Beim Finale in Schonach egalisierte er mit seinem zwölften Saisonsieg die bisherige Bestmarke des Finnen Hannu Manninen. Bei der WM in Seefeld sicherte sich Riiber zwei Goldmedaillen (Einzel Normalschanze, Team) und einmal Silber (Team-Sprint mit Jan Schmid). Bester Deutscher der Weltcup-Saison war Johannes Rydzek auf Rang vier.

Skispringen - Im russischen Nischni Tagil sichert sich Maren Lundby Mitte März vorzeitig den erneuten Triumph im Gesamtweltcup. Die Weltmeisterin aus Norwegen ist auch 2018/19 uneinholbar. Bei der Ski-WM in Seefeld verwies Lundby Katharina Althaus auf Rang zwei. Mit dem Team und dem Mixed-Team sicherte sich Lundby Bronze.

Skispringen - Ryoyu Kobayashi ist der Star auf den Schanzen, die die Welt bedeuten. Der Japaner setzte sich im Gesamtweltcup vor Stefan Kraft und Kamil Stoch durch. Zudem triumphierte er bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen. Ihm gelang wie Sven Hannawald und Kamil Stoch der Grand Slam. Bei der WM in Seefeld verpasste Kobayashi eine Einzelmedaille, jubelte aber im Teamspringen über Bronze (hinter Sieger Deutschland und Vizeweltmeister Österreich).

Eisschnelllauf - Die Tschechin Martina Sablikova hat sich bei der Mehrkampf-WM der Eisschnellläuferinnen im kanadischen Calgary Gold gesichert. Mit einem Weltrekord im abschließenden 5.000-Meter-Rennen verdrängte die dreimalige Olympiasiegerin Sablikova die bis dahin führende Japanerin Miho Takagi noch auf den zweiten Platz. Einen Tag nach ihrer Bestmarke über 3.000 Meter lief Sablikova die 5.000 Meter in 6:42,01 Minuten und war damit 65 Hundertstelsekunden schneller als bei ihrem alten Weltrekord.

Eisschnelllauf - Bei den Männern setzte sich der Titelverteidiger Patrick Roest aus den Niederlanden vor dem Norweger Sverre Lund Pedersen durch. Bei der Mehrkampf-WM knackte Roest mit 145,561 Punkten den Vierkampf-Weltrekord, die älteste Bestmarke im Männer-Bereich. Sie war von Shani Davis (USA) 2006 ebenfalls in Calgary mit 145,742 Punkten aufgestellt worden.

Shorttrack - Anna Seidel ist erst 20 Jahre alt und doch schon seit Jahren die deutsche Hoffnungsträgerin im Shorttrack. Dieser Rolle wurde sie im nacholympischen Winter mehr als gerecht. Beim Weltcup in Salt Lake City gewann sie Silber über 1.000 Meter. In Sofia erzielte sie auf dieser Strecke als Siebte ihr bisher bestes WM-Ergebnis. Die Arbeit mit dem neuen Bundestrainer Stuart Horsepool zahlte sich aus. In der Breite fehlt den deutschen Shorttrackern aber weiter die internationale Qualität. Seidel bleibt eine Ausnahmeerscheinung.

Rodeln - Natalie Geisenberger sichert sich zum siebten Mal in Serie den Sieg im Gesamtklassement. Beim letzten klassischen Weltcup-Rennen ihrer Dauerrivalin Tatjana Hüfner raste die 31-Jährige in Sotschi zum Sieg. Mit einem breiten Grinsen stieg Geisenberger von ihrem Schlitten und zeigte mit beiden Händen die magische Zahl "7" in die Kamera. Bei den Männern siegte Semjon Pawlitschenko im Gesamtweltcup. Felix Loch wurde Dritter.

Rodeln - Im Doppel waren Toni Eggert und Sascha Benecken mal wieder einsame Spitze. Nach 2014/2015, 2016/2017 und 2017/2018 feierte das Duo seinen insgesamt vierten Triumph im Gesamtweltcup. Tobias Wendl/Tobias Arlt rodelten in dieser Wertung auf Platz drei.

Bob - Mariama Jamanka hat in diesem Winter alles abgeräumt. Vom deutschen Meistertitel über den ersten Weltcupsieg bis zur Kristallkugel im Gesamtweltcup. Nun vervollständigte sie ihre Trophäensammlung mit dem ersten WM-Titel. Die Thüringerin sagte nach dem Erfolg in Whistler: "Ich hatte nach Olympia gehofft, dass wir all die Titel so nach und nach abhaken, nun passierte alles in dieser Saison."

Bob - Francesco Friedrich war nicht zu schlagen - weder im Zweier-Bob noch im Vierer-Bob. Der Sachse gewinnt die Gesamtweltcups vor dem Letten Oskars Kibermanis. Zudem ist der 28-jähige Friedrich (im Foto rechts) seit nun drei Großereignissen in beiden Schlitten ungeschlagen. Er könnte den Sport noch auf Jahre dominieren. Ein Ende ist nicht abzusehen. Sein Dank geht an die Anschieber Candy Bauer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis (li.).

Skeleton - Mit dem historischen Dreifach-Erfolg bei der WM in Whistler haben die deutschen Frauen um Weltmeisterin Tina Hermann alle Erwartungen übertroffen. Im Gesamtweltcup verwies allerdings die Russin Jelena Nikitina die 27-jährige Herrmann auf Rang zwei. Bei den Männern dominiert der Russe Alexander Tretiakow vor Sung Bin Yun (Korea) und Martins Dukurs (Lettland) die Weltcup-Saison.

Freestyle Skiing - Da hat in jeder Disziplin ein anderer die Nase vorn. Mac Forehand ist Slopestyle-König. Simon D'Artois hat es in der Halfpipe am besten drauf, Andri Ragettli beim Big Air. Xindi Wang glänzte bei den Aerials und Mikael Kingsbury auf der Buckelpiste, Bastien Midol beim Ski Cross. Bei den Frauen machten Sarah Höfflin (Slopestyle), Cassie Sharpe (Halfpipe), Elena Gaskell (Big Air), Mengtao Xu (Aerials), Perrine Laffont (Moguls) und Fanny Smith (Ski Cross) auf sich aufmerksam.

Snowboard - Stefan Baumeister, der für den SC Aising-Pang startet, sicherte sich die kleine Kristallkugel im Snowboard-Parallelslalom. Er sagte: "Es ist unglaublich. Das ist einfach das Größte, was man als Sportler erreichen kann." Der 25-Jährige erklärte: "Das ist mehr wert als eine WM-Medaille, weil es zeigt, dass man über das ganze Jahr hinweg konstant gefahren ist." Die große Kristallkugel gewannen der Österreicher Alessandro Hämmerle und die tschechische Olympiasiegerin Ester Ledecká.

sid | Stand: 24.03.2019, 21:40

Darstellung: