René Hecht neuer Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes

René Hecht ist neuer Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (Archivbild)

Chaos im Volleyball-Verband

René Hecht neuer Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes

Das ging schnell: Nachdem Präsident Thomas Krohne und weitere fünf Vorstände am Sonntag (17.06.2018) ihren Rücktritt beim Deutschen Volleyball-Verband (DVV) erklärt hatten, bestimmte der DVV noch am selben Tag einen neuen Vorstand.

Rekordnationalspieler René Hecht wurde vom Hauptausschuss zu Krohnes Nachfolger gewählt. Erhard Rubert und Thomas Petigk werden Vize-Präsidenten. Michael Evers bleibt zudem als Vertreter der Bundesliga dem Vorstand erhalten. Das teilte der Verband am Sonntag mit.

Die neue Verbandsführung muss nun die Wogen glätten. "Die jetzige Situation zeigt, dass in unserem Sport das Vertrauen fehlt", teilte der Vorstand um Hecht am Nachmittag mit: "Wir werden diese Situation kritisch hinterfragen, warum es überhaupt so weit kommen konnte."

Im Streit mit einer Mehrheit der Landesverbände über die künftige Ausrichtung des DVV hatte sich der Vorstand um Präsident Thomas Krohne zum Rücktritt entschlossen. "Die Art und Weise wie die Diskussionen über die Modernisierung und Digitalisierung unseres olympischen Spitzensportverbandes geführt wurde, bildet keine Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit in der Zukunft", hieß es in der am Sonntag veröffentlichten Erklärung von Krohne und weiteren fünf Vorständen.

Streit um DVV-Zukunftsplan

Im Zentrum des Streits steht der "DVV-Zukunftsplan 2021", den Krohne im Juni 2017 vorgestellt hatte. Verbunden sein sollte damit unter anderem die Einführung einer verpflichtenden DVV-Card für alle Spielerpassinhaber und die kostenpflichtige Etablierung der neuen digitalen Plattform "Volleypassion". Mitglieder und Fans sollten damit Mehrwerte erhalten, Krohne wollte seinerseits mehr Mitglieder gewinnen und Sponsoreneinnahmen für den Verband steigern.

Thomas Krohne tritt als Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes zurück

Thomas Krohne tritt als Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes zurück.

Doch auf der Werbetour für das neue Portal wehte Krohne und seinen Kollegen der Wind heftig ins Gesicht. Sie hätten sich "teilweise deprimierenden Diskussionen stellen müssen, die von Falschinformationen, Unverständnis und einer Verweigerungshaltung gegen jede Form von Veränderung, Innovation und Vorwärtsentwicklung geprägt waren", erklärte er. Die Mehrheit der Landesverbände stellte sich gegen die kostenpflichtige Einführung. "Wir haben die in den letzten Wochen erlebte, teilweise komplette, Verweigerungshaltung und vorgefasster Meinungen letztlich als Ende unserer mit viel Herzblut betriebenen Mission verstehen müssen", hieß es.

Einige Landesverbände fürchten Nachteile

Einige Landesverbände fürchten, dass die Pläne auf ihre Kosten gehen würden. Im "Volleyball Magazin" hatte der Präsident des Westdeutschen Volleyball-Verbandes, Hubert Martens, schon vor Monaten kritisiert: "Mit den Einnahmen durch die Volley Card will der DVV seinen eigenen Haushalt auf stabile Füße stellen. Ob dann noch was für die Landesverbände übrig bleibt, kann keiner garantieren. Wir kämen in eine Abhängigkeit vom DVV, die unser Föderalismus-System infrage stellt."

Krohne war im August 2012 einstimmig zum Nachfolger von Werner von Moltke gewählt worden. Von Moltke hatte 15 Jahre an der Spitze des Verbandes gestanden. In die Amtszeit Krohnes fallen unter anderem die Olympiasiege der Beachvolleyball-Duos Julius Brink/Jonas Reckermann 2012 und Laura Ludwig/Kira Walkenhorst 2016 sowie bei den Männern WM-Bronze 2014 und EM-Silber 2017 in der Halle.

red/sid/dpa | Stand: 17.06.2018, 17:43

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