Volleyball-Bundesliga: Die beste Saison aller Zeiten?

Bartlomiej Boladz

1. Spieltag am Wochenende

Volleyball-Bundesliga: Die beste Saison aller Zeiten?

Von Jannik Schlüter

Am Wochenende startet die Volleyball-Bundesliga der Männer in die neue Saison. Trotz des enttäuschenden Abschneidens des DVV-Teams bei der EM schwärmen die Verantwortlichen schon von der besten Saison aller Zeiten. Wirklich? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Start der Bundesliga.

Was ist in dieser Saison neu?

In den vergangenen Jahren gab es oft sehr einseitige Spiele in der Liga: Die Topteams Berlin und Friedrichshafen entschieden viele Spiele mit 3:0-Sätzen für sich. Das soll diesmal anders werden: Gerade die Mannschaften aus dem Tabellenmittelfeld haben aufgerüstet. "Frankfurt und Lüneburg haben dieses Jahr einen richtig guten Kader und auch Brühl und Rottenburg haben sich verbessert", sagt der ehemalige Volleyballprofi und heutige Sportdirektor des Deutschen Volleyballverbands (DVV), Christian Dünnes.

Der wertvollste Spieler (MVP) der Liga von 2010, 2012 und 2016 erhofft sich durch die Ausgeglichenheit mehr Zuschauer: "Wenn die Spiele auch mal in den fünften Satz gehen, wird es richtig spannend und attraktiv. Die Liga hat einen großen Schritt nach vorne gemacht." DVV-Präsident Michael Evers freut sich ebenfalls über die Entwicklung der Liga: "Die Vereine sind unwahrscheinlich gewachsen, vor allem Berlin als Aushängeschild in den vergangenen Jahren ist einzigartig." Dünnes und Evers sind sich einig: Dank der Ausgeglichenheit der Liga könne diese Saison die beste aller Zeiten werden.

Wer sind die Favoriten?

An der Spitze wird es dieses Jahr wohl trotzdem wieder einsam: Berlin steht für fast alle bereits als Meister fest – mal wieder. "Berlin hat eine eingespielte Mannschaft und auch nominell haben sie den besten Kader", so Dünnes. Die Konsequenz: sieben Meistertitel in den vergangenen acht Jahren. Dahinter wird es aber spannend. Allen voran der Rekordmeister VfB Friedrichshafen, ebenjener Verein, der die Berliner 2015 kurzzeitig entthronte, sehnt sich danach, endlich mal wieder den Titel zu holen.

Warum der VfB diese Saison aber wahrscheinlich wieder das Nachsehen hat: der Umbruch im Sommer. Der dreizehnfache Meister musste im Sommer den Abgang von Trainer Vital Heynen und auch vieler Leistungsträger verkraften. Neuer Mann an der Seitenlinie ist der bisherige österreichische Nationaltrainer Michael Warm, der zusammen mit seinem Co-Trainer Patrick Steuerwald Spieler aus neun verschiedenen Nationen vereinen muss. Im Kampf um das Playoff-Finale spielen auch die SVG Lüneburg, die United Volleys Frankfurt und die Alpenvolleys Haching mit.

Welche Folgen hat das schwache Abschneiden der Nationalmannschaft bei der EM?

"Der Verband und die Liga sind miteinander verwoben", stellt Dünnes fest. Dementsprechend sind die wenigen deutschen Nationalspieler vor allem in der ersten Saisonhälfte extra motiviert. Schließlich müssen sich so gut wie alle Spieler für die anstehende Olympia-Qualifikation vom 5. bis 10. Januar neu beweisen. Negative Auswirkungen auf die Stimmung in den Hallen fürchet der DVV-Sportdirektor aber nicht: "Beim Silber-Gewinn bei der Europameisterschaft 2017 gab es andersherum auch keinen Riesenanstieg an Fans."

Auf welche Spieler muss man achten?

Sergey Grankin

Die Liste spannender Personalien in der Volleyball-Bundesliga ist lang. Ganz oben steht der Olympiasieger von 2012, Sergey Grankin. Der Zuspieler der Berlin Recycling Volleys hat für Russland bereits 259 Spiele absolviert, kam im Januar nach Berlin und gewann prompt die Meisterschaft. Nicht weniger wertvoll für den Meister ist US-Nationalspieler Benjamin Patch. Der 25-Jährige spielt auf der Königsposition Diagonalangreifer und gilt auch als Königstransfer: "Dass wir Patch bekommen haben, hat einige Experten überrascht", sagte Berlins Geschäftsführer Kaweh Niroomand bei der Verpflichtung 2018.

Aus deutscher Sicht liegt die Aufmerksamkeit vor allem auf Tobias Krick. Der hochtalentierte Mittelblocker musste in der vergangenen Saison wegen Rückenproblemen fast komplett pausieren. 2017/18 gehörte der 20-Jährige mit 165 Punkten zu den Säulen der United Volleys Frankfurt. Der 2,11-Meter-Mann will mit seinen Frankfurtern jetzt wieder in die Champions League.

Auch der bayrisch-österreichische Vollyeballverein aus Haching will dieses Jahr den großen Wurf landen und ins Finale einziehen. Deshalb haben die Alpenvolleys aufgerüstet und den finnischen Nationalspieler Tommi Siirilä geholt. Der beste Blocker der World League 2017 kennt sich mit Titeln aus: In den vergangenen zwei Jahren wurde er sowohl finnischer als auch italienischer Meister.

Wer kann überraschen?

Dieses Jahr scheint von Platz zwei bis zwölf alles möglich. Für eine Überraschung könnten die SWD powervolleys Düren sorgen. "Wir haben eine starke Mannschaft und in der nächsten Saison viel vor", sagt der sportliche Leiter Goswin Cario. Hoffnung macht vor allem Tomas Kocain-Falkenbach: Der Deutsch-Slowake wurde vergangene Saison zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. Christian Dünnes setzt dagegen eher auf andere Teams: "Ich habe Zweifel, ob Düren es ins Halbfinale schafft. Ich tippe eher auf Frankfurt, dei Alpenvolleys und Lüneburg." Auch Liga-Präsident Evers hat die SVG auf dem Zettel. "So oder so, in dieser Saison gibt es in kaum einem Spiel einen Underdog."

Stand: 11.10.2019, 09:09

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