Berlin Volleys - Meister in Schieflage

Trainer Cedric Enard und sein Team

Volleyball

Berlin Volleys - Meister in Schieflage

In der Liga nur Fünfter, im Pokal schon ausgeschieden. Für Berlins Volleyballer läuft es bisher alles andere als rund. Jetzt soll ein Erfolgserlebnis in der Champions League her.

Die "Königsklasse" ist für die Berlin Volleys eine willkommene Abwechslung. In diesem Wettbewerb ist das Team schließlich noch ungeschlagen. Am Mittwoch (19.12.2018) treten die Hauptstädter in Danzig an, und sie rechnen sich etwas aus. "Unsere Chancen stehen gut, dort zu punkten", sagte Mannschaftskapitän Sebastian Kühner. Das Auftaktmatch der Champions League hatten die Berliner gegen Maaseik aus Belgien 3:1 gewonnen.

Ansonsten läuft es überhaupt nicht rund für den Klub, der zuletzt drei Mal in Serie deutscher Meister geworden war. In der Bundesliga steht das Team nach drei Pleiten nur auf Platz fünf. Schon acht Punkte beträgt der Rückstand auf die Tabellenspitze. Hinzu kam eine bittere 2:3-Niederlage im Pokal-Halbfinale in Lüneburg. Den Einzug ins Endspiel in Mannheim hatte Manager Kaweh Niroomand zuvor als "Minimalziel" bezeichnet.

Neue Spieler, neuer Trainer

Der Umbruch im Sommer war groß. Sieben Spieler und Erfolgstrainer Stelian Moculescu hatten den Verein verlassen. Schon in der Vorbereitung war der Wurm drin. Der neue Trainer Cedric Enard war als Frankreichs Co-Trainer bei der Weltmeisterschaft unterwegs, etliche Akteure auch. Andere Spieler plagten sich mit Verletzungen herum. Assistenzcoach Tomasz Wasilokwski  trainierte anfangs wochenlang nur mit drei Spielern. "Eine solche Vorbereitung ist schon speziell", sagte Enard, der kaum Zeit hatte, die sieben Neuzugänge zu integrieren. Der 42-Jährige selbst war vom französischen Meister Tours Volleyball nach Berlin gekommen.

Zu Beginn verkrampft

Gleich das erste Heimspiel in der Max-Schmeling-Halle gegen Düren ging verloren. Vor allem die Neuen waren dem Druck nicht gewachsen. "Unsere neuen Spieler haben gerade zu Saisonbeginn die Atmosphäre nicht als  Rückendeckung, sondern als Belastung empfunden", erklärte Manager Niroomand: "Unsere Spieler waren völlig verkrampft." Trainer Enard hatte es irgendwie kommen sehen. "Alle Mannschaften werden sich ganz besonders anstrengen, um uns als deutschen Meister zu schlagen", sagte der Franzose schon vor der Saison.

Persönlichkeiten fehlen

Was dem Team laut Niroomand fehlt, ist eine klare Hierarchie. "Noch ist bei uns nicht klar: Wer übernimmt das Zepter, wenn es mal nicht wie gewünscht läuft?", fragte der Manager, der der Mannschaft und dem Trainerteam "Wille, Fleiß und Qualität" nicht absprechen will. Doch er fordert: "Unsere Spieler dürfen sich nicht fallen lassen, wenn der Gegner mal den Druck erhöht. Individuell sind wir sicher nicht schlechter besetzt als in der vergangenen Saison. Aber Spieler wie Robert Kromm oder Paul Carroll als Persönlichkeiten zu ersetzen, das muss erst noch wachsen."

Niroomand mahnt aber auch Geduld an: "In unserer Mannschaft steckt eine enorme Qualität. An die müssen wir uns jetzt erstmal langsam herantasten", sagte er: "Ich denke, erst Mitte Dezember oder Anfang Januar wird unsere Mannschaft ihre Normalform erreicht haben."

Rossard kommt aus Stettin

Um die Saison zu retten, haben die Berliner noch kurzfristig auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Der französische Nationalspieler Nicolas Rossard kommt von Stocznia Stettin. Hoffnung macht auch die Generalprobe für das Spiel in Danzig. Doch auch beim 3:0 im Derby bei den Netzhoppers KW-Bestensee konnte Berlin nicht vollends überzeugen. Vor allem 17 Aufschlagfehler sollten Ennard zu denken geben.

Niroomand mahnte schon an, er wolle bei aller Geduld "eine Weiterentwicklung bei unserer Mannschaft erkennen". Die Champions-League-Partie in Polen kommt da gerade recht.

vdv mit sid/dpa | Stand: 18.12.2018, 10:16

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