Turn-WM in Doha - Deutsche Turner im Mehrkampf abgeschlagen

Turn-WM in Doha - Deutsche Turner im Mehrkampf abgeschlagen

Novum in der Kunstturn-Geschichte: Nach 115 Jahren ist bei Weltmeisterschaften erstmals ein Mehrkampf-Titel bei Punktgleichheit mit dem zweitplatzierten Athleten vergeben worden.

Der neue Champion Artur Dalalojan aus Russland kam bei den Titelkämpfen am Mittwoch (31.10.2018) in Doha/Katar nach sechs Durchgängen ebenso auf 87,598 Punkte wie der chinesische Vorjahressieger Xiao Ruoteng.

Entscheidend für das Ranking war, dass Dalalojan mehr Zähler für die Ausführung der Übungen erhielt, bei den technischen Werten lag Xiao vorn. Es war das erste Allround-Gold für die Russen nach 17 Jahren. Die Bronzemedaille ging an Dalalojans Landsmann Nikita Nagorni.

Deutsche turnen unsauber

Überhaupt keine Rolle spielten bei diesem historischen Finale Marcel Nguyen und Lukas Dauser. Die beiden Unterhachinger hatten einen gebrauchten Nachmittag erwischt und kamen unter 24 Finalisten auf die Plätze 20 und 24.

Artur Dalalojan

Vom ersten Durchgang an waren die Übungen der beiden deutschen Vereinskollegen von Fehlern durchsetzt und häufig unsauber ausgeturnt. Folgerichtig lag das Duo ständig im letzten Drittel des Rankings, eine Top-Ten-Platzierung blieb absolut illusorisch.

Beide hatten allerdings auch während der Vorbereitungen auf diese Welttitelkämpfe mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Dem ehemaligen Barren-Europameister Nguyen bereitete eine angebrochene Rippe Probleme. Dauser war anzumerken, dass nach mehr als einjähriger Verletzungspause (Kreuzbandriss) die Stabilität an den sechs Geräten noch nicht vollständig wieder hergestellt war.

"Gebrauchter Tag"

Nguyen, der Olympia-Zweite von London 2012, stürzte gleich zum Auftakt beim Sprung. Am Barren konnte er seinen Tsukahara-Abgang wegen der Probleme mit seiner angebrochenen Rippe nicht präsentieren. "Es war klar, dass es hier nichts zu gewinnen gibt. Deshalb bin ich kein Risiko eingegangen", sagte der 31-Jährige. Am Boden steigerte er sich aber, ehe er sich nach Pferd und Ringen noch auf den 20. Platz vorschob (79,132 Punkte).

Der Wahlberliner Dauser (76,730 Punkte) sprach nur von "einem gebrauchten Tag". An den Ringen patzte er nach Riesenfelge in den Handstand und verlor viele Punkte, auch weil er Strafen für ein nicht lange genug gehaltenes Kraftteil einstecken musste. Nach Kreuzbandriss 2016 hatte er mehr als ein Jahr Zwangspause einlegen müssen und war froh, zu seiner zweiten WM überhaupt antreten zu dürfen. "Der Einzug in die zwei Finals war doch schon ein Erfolg. Und ich werde viel daraus lernen", sagte der 25-Jährige.

Dauser im Barren-Finale

Während für Nguyen die WM beendet ist, hat Dauser noch einen weiteren Auftritt vor sich. Der letztjährige Vize-Europameister am Barren steht an seinem Lieblingsgerät am Samstag im Finale.

Die Generalprobe dafür allerdings ging vor lediglich knapp 1.000 Zuschauern im Aspire Dome gründlich daneben. Der 25-Jährige kam nach mehreren Unsauberkeiten lediglich auf 12,433 Zähler, in dieser Verfassung wäre er in der Medaillenentscheidung am Barren komplett chancenlos.

Die Welttitelkämpfe werden am Donnerstag (01.11.18) mit dem Mehrkampffinale der Frauen fortgesetzt. Einzige deutsche Starterin ist die deutsche Mehrkampf-Meisterin Elisabeth Seitz aus Stuttgart. Für diesen Wettkampf hat sie sich einiges vorgenommen. "Ich würde gerne wieder ein so gutes Ergebnis holen wie im letzten Jahr", sagte die 24-Jährige am Mittwoch.

2017 in Montreal kam die Pädagogikstudentin auf den neunten Platz. Dafür allerdings müsste die Olympia-Vierte von Rio am Stufenbarren am weniger geliebten Schwebebalken oben bleiben, was ihr in den vergangenen Wochen schwerer fiel, als gewohnt. Seitz: "Ich weiß auch nicht, woran das liegt. Im Training läuft es gut. und ich weiß, dass ich es kann."

Stand: 31.10.2018, 16:58

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