Turnerinnen bei der WM in Doha im Team-Finale

Elisabeth Seitz

Turn-WM in Doha

Turnerinnen bei der WM in Doha im Team-Finale

Trotz eines starken Auftritts im Chaos von Katar mussten Deutschlands Turnerinnen lange zittern, ehe der Einzug in das Team-Finale der WM in Doha feststand. Um so größer war die Erleichterung.

Eli Seitz ballte die Fäuste, Sophie Scheder und Kim Bui umarmten sich, Sarah Voss entfuhr ein Aufschrei der Erlösung: Die deutschen Turnerinnen sind bei den Weltmeisterschaften am Persischen Golf zum zweiten Mal nach 2011 in Tokio in ein WM-Team-Finale eingezogen. Mit der Winzigkeit von 0,117 Punkten setzten sie sich auf Platz acht am Ende hauchdünn vor den Britinnen durch.

Nachdem sie sich selbst am Samstag (27.10.2018) glänzend präsentiert hatten und auch durch einen fatalen Stromausfall im "Dome" von Doha nicht schocken ließen, mussten die deutschen Frauen fast 24 Stunden zittern, ehe ihr "Erfolg des Teamspirits" feststand. "Ich war auf der Tribüne der Depression nahe, weil ich dachte, die Britinnen lassen sich das nicht nehmen", sagte eine glücklich strahlende Cheftrainerin Ulla Koch nach den bangen Minuten.

Fenton patzt

"Das war echt übel", gestand Elisabeth Seitz. "Nie hätten wir gedacht, das wir ausgerechnet die Britinnen bezwingen können, wir hatte eher gehofft, Frankreich oder Brasilien hinter uns zu lassen", meinte die Stuttgarterin. Mit ihrer letzten, nicht sauberen Übung am Boden hatte Georgia-Mae Fenton das Ergebnis der Briten nicht mehr toppen können und bei den Deutschen die Woge der Erleichterung ausgelöst.

Deutsche Turnerinnen erreichen WM-Teamfinale

Sportschau 28.10.2018 00:43 Min. Verfügbar bis 28.10.2019 ARD

Am Vormittag hatten die Turnerinnen noch versucht, bei einem Besuch der Kinder in der deutschen Schule von Doha auf andere Gedanken zu kommen. Nach der eigenen Darbietung am Vortag hatte schon Zuversicht geherrscht. "Das fühlt sich total gut an", urteilte die 29 Jahre alte Kim Bui. "Jetzt hoffe ich nur, dass wir auch am Sonntag noch so glücklich sind wie jetzt", hatte sie gesagt und war in der entscheidende Minute genauso glücklich wie ihre Gefährtinnen.

Strom-Chaos in der Halle

Beim Auftritt der Deutschen am Stufenbarren hatten am Samstag Stürme mit heftigen Regenschauern und ein damit verbundenes Strom-Chaos zu einer 30-minütigen Unterbrechung geführt. Doch das störte die Deutschen wenig. "Keiner wusste, was los war", beschrieb Eli Seitz die Situation. "Das hat wohl vorher keiner geahnt, dass hier mal eine halbe Stadt unter Wasser steht", fügte sie hinzu.

Seitz auch am Stuffenbarren im Finale

Die Stuttgarterin darf sich nun noch dreimal im weiteren WM-Verlauf vorstellen. Ihre Übung am Stufenbarren wurde auch ohne die einstudierte neue Verbindung mit 14,566 Punkten belohnt, das bedeutete für sie Rang drei an ihrem Lieblingsgerät. Im Finale darf sie nun auf ihre erste WM-Medaille hoffen, nachdem ihr bei Olympia das Podest als Vierte verwehrt blieb. Im Mehrkampf kam sie auf 52,798 Punkte und bekommt nun eine neue Chance im Endkampf der besten 24, ihren neunten WM-Rang aus dem Vorjahr zu bessern.

Große Show von Biles

Eine große Show erlebten die nur wenigen Fans im "Dome" von Rekordweltmeisterin Simone Biles. Die viermalige US-Olympiasiegerin beherrschte mit 60,965 Punkten den Mehrkampf. Krönung ihres Auftritts war der von ihr kreierte, gestreckte Vorwärts-Salto mit zwei Schrauben. Der spektakuläre Sprung geht nun als "Biles" ins Regelwerk des Weltverbandes FIG ein. Für die perfekte Ausführung zogen die Kampfrichter die WM-Höchstnote von 15,966 Punkten.

Missbrauch im US-Turnen - Die Rückkehr der Survivors Sportschau 21.10.2018 04:16 Min. Verfügbar bis 21.10.2019 Das Erste

dpa/red | Stand: 28.10.2018, 16:15

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