Mehrkampf bei der Turn-WM - Hoffnungen ruhen auf Dauser

Lukas Dauser

Wettkämpfe in Doha

Mehrkampf bei der Turn-WM - Hoffnungen ruhen auf Dauser

Das Teamfinale bei den Kunstturn-Weltmeisterschaften in Doha haben die deutschen Männer verpasst. Im Mehrkampf soll es besser werden. Die Hoffnungen ruhen auf Lukas Dauser.

Zu viele Stürze, zu wenige Punkte: Für die deutschen Kunstturner begannen die Weltmeisterschaften in Doha/Katar mit einer Enttäuschung. Mit Rang zehn hatte das Quintett des Deutschen Turner-Bundes (DTB) das erhoffte Mannschaftsfinale deutlich verpasst - im Gegensatz zu den Frauen.

Zufrieden sein durfte von den Schützlingen von Bundestrainer Andreas Hirsch nur Dauser. 16 Monate nach seinem Kreuzbandriss erreichte der Sportsoldat aus Unterhaching locker das Mehrkampf-Finale am Mittwoch (31.10.2018/Livestream ab 14 Uhr bei sportschau.de). Der 25-Jährige konnte sich zudem noch über einen Platz in der Medaillenentscheidung am Barren freuen. Es ist in seiner Karriere das erste Einzelfinale bei einer Turn-WM.

"Besonders cool"

"Das Mehrkampf-Finale finde ich besonders cool. Was den Barren angeht: Auch da will ich meine Chance suchen", sagte Dauser, der ursprünglich gar nicht als Sechskämpfer vorgesehen war.

Das Mehrkampf-Finale aus Boden, Pferd, Ringen, Sprung, Barren und Reck erreichte Dauser mit 80,539 Punkten als 15. der bereinigten Liste. Nur zwei Starter pro Nation sind dabei. Begleitet wird er dabei von Marcel Nguyen, der mit 79,697 Zählern auf Platz 22 den Endkampf der Top 24 erreichte.

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Nguyen unter seinen Möglichkeiten

Routinier Nguyen war im Gegensatz zu Dauser im Teamwettbewerb unter seinen Möglichkeiten geblieben. Haltungsfehler am Barren kosteten ihn auch die Finalteilnahme in seiner Paradedisziplin. Am Boden fehlten dem 31-Jährigen die nötigen Schwierigkeiten, um dort den Endkampf zu erreichen. Als 22. reichte es nur knapp für die Mehrkampfentscheidung.

Nguyen war durch einen Sturz vom Reck mitverantwortlich für das unbefriedigende Mannschaftsergebnis. Aber auch andere Athleten wie Andreas Toba, der ebenfalls vom Königsgerät fiel, ließen Zähler liegen. Am Boden machten Philipp Herder und WM-Neuling Nick Klessing vorentscheidende Fehler. Verzichten mussten die Deutschen auf den verletzten Reckspezialisten Andreas Bretschneider.

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Mehrkampf-Comeback erst im September

Dauser dagegen überzeugte. Seine Übung am Barren (14,933) turnte er fast perfekt durch und wurde dafür mit Platz acht an seinem Lieblingsgerät belohnt: "Ich bin insgesamt mit meinem Wettkampf zufrieden". Und zum Finaleinzug sagte er: "Ich habe immer dran geglaubt."

Mitte September hatte Dauser ein vielbeachtetes Comeback im Sechskampf gegeben. Da gewann er in Stuttgart überraschend die Qualifikation für die WM in Doha. "Er hat mir das Überlegen ziemlich leicht gemacht. Da gibt es nicht viel zu überlegen", sagte Bundestrainer Hirsch, der damals nicht wusste, ob Dauser nach der langen Verletzungspause abliefern würde.

Belohnung nach "XXL-Kreuzbandriss"

Den "XXL-Kreuzbandriss" hatte sich Dauser im Juni 2017 beim Turnfest in Berlin zugezogen und die WM in Montreal verpasst. Acht Wochen lang war jegliche Belastung verboten, der daraus resultierende, partielle körperliche Abbau machte Dauser fast Angst: "Mein Oberschenkel war nur noch ein Lappen." Der Umfang schrumpfte um 8,5 Zentimeter, mittlerweile fehlen nur noch fünf Millimeter. Es folgte ein harter Kampf ums Comeback mit täglicher Arbeit an den Geräten, Rehabilitationsübungen, Wassergymnastik und Kraftübungen.

In Doha kann er sich nun für die Strapazen belohnen. Dort tritt er mit viel Demut an. "Ich schiele nicht auf bestimmte Platzierungen", sagt der Student. So geht vor allem die Gesundheit vor. Seit seinem Unfall hat Dauser den Doppel-Tsukahara aus seinem Repertoire an den Ringen gestrichen. Sein neuer Abgang ist 0,3 Punkte weniger wert, was der letztjährige Vize-Europameister am Barren aus Sicherheitsgründen aber in Kauf nimmt.

red/sid/dpa | Stand: 30.10.2018, 12:24

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