Roth und Frankfurt - Kampf um die besten Triathleten

Jan Frodeno und Anne Haug beim ITU World Triathlon Hamburg

Triathlon

Roth und Frankfurt - Kampf um die besten Triathleten

Von Frank Hellmann

Da ist dem Triathlon im fränkischen Roth ein echter Coup gelungen: Die Challenge-Veranstalter bejubeln die Verpflichtung der beiden Hawaii-Sieger Jan Frodeno und Anne Haug. Für die Ironman-Serie gleicht das einer Ohrfeige.

Weihnachten ist schon vorgezogen. Zumindest im Hause der Familie Walchshöfer, die aus dem kleinen Roth die Triathlon-Serie Challenge lenkt. Ihr Flaggschiff ist seither das Langdistanz-Rennen in Roth, das mit einer echten Überraschung aufwartet: der Verpflichtung der beiden Hawaii-Sieger Jan Frodeno und Anne Haug.

Am Donnerstag (19.12.2019) gab der Challenge-Veranstalter den Frodeno-Coup bekannt, am Freitag folgte die Haug-Verpflichtung. Entsprechend selbstbewusst formulierte Felix Walchshöfer, sich einen Wunschtraum erfüllt zu haben: "Ich kann es noch kaum fassen, dass sich nach Jan Frodeno nun auch unsere fränkische Hawaii-Siegerin Anne Haug entschieden hat, bei uns zu starten!"

Er könne heute schon versprechen: "Der Wettkampf am 5. Juli 2020 wird in die Triathlon-Geschichte eingehen!“ Auch Mutter Alice und Schwester Kathrin, beide in die Organisation eingebunden, freuen sich.

Harter Schlag für Frankfurt

Gleichzeitig ist das ein harter Schlag für den auf den 28. Juni 2020 terminierten Ironman Frankfurt. Offiziell immer noch als Europameisterschaft deklariert, was sich nach Informationen von sportschau.de jedoch 2022 oder 2023 ändern kann, weil Klagenfurt und Hamburg in den Startlöchern stehen, hatte der Ironman Frankfurt im Buhlen um die besten Triathleten die schlechteren Karten.

Roth bietet eine 35-jährige Geschichte und eine gewachsene Begeisterung für den Triathlon, was sich schon an Hinweisschildern an der Autobahn mit der Aufschrift "Triathlon-Region“ ablesen lässt. Tatsächlich gilt das Örtchen im Frankenland als Triathlon-Traumfabrik, das von einem eigenen Mythos getragen wird. Hunderttausende Zuschauer, die aus den 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42 Kilometern Laufen etwas Besonderes machen.

Haben in Roth alles im Griff: Felix und Alice Walchshöfer.

Haben in Roth alles im Griff: Felix und Alice Walchshöfer.

Nicht umsonst gewinnt Roth Jahr für Jahr den Fan-Preis als beliebteste Veranstaltung. Der Ironman Frankfurt, der einst die Lizenz aus Roth aufkaufte, kann bei den Sympathiewerten nicht mithalten, auch wenn der Zieleinlauf am Römer ein besonderes Flair verbreitet.

Roth hatte mehr zu bieten - auch mehr Geld

Seit vielen Jahren tobt zwischen den konkurrierenden Serien Ironman und Challenge ein Wettstreit, wobei Roth eben den Nachteil hat, dass seine Teilnehmer keine Punkte sammeln können, um sich für den Ironman Hawaii zu qualifizieren. Das geht in Frankfurt und vielen anderen Rennen der Ironman-Serie, die über die Qualifikationskriterien für Hawaii die Athleten binden.

Die gesamte  Marke Ironman befindet sich in Händen der chinesischen Wanda-Gruppe, der Sport ist Teil eines knallharten Geschäfts. Die Startgelder in Frankfurt sind nicht gerade üppig, in Roth kann der Veranstalter den Marktwert besser abbilden. Frodeno-Manager Felix Rüdiger verhehlt gar nicht, dass das Angebot besser war, aber seinen Athleten habe auch die Herausforderung gereizt, seine 2016 aufgestellte Bestzeit von 7:35:39 Stunden zu brechen.

Haug betont lokalen Bezug

Der 38-jährige Frodeno begründete seinen Entschluss so: "Das Rennen in Roth ist weltweit einzigartig. Ich finde es einfach spannend, mich mit den Besten der Welt zu messen." Auch Haug fiebert als aktuelle deutsche Rekordhalterin über die Triathlon-Langdistanz ihrem Roth-Start entgegen, der auch einen lokalen Aspekt hat.

"Für mich als Bayreutherin ist es ja quasi mein Heimrennen und stand schon sehr lange auf meiner Wunschliste, aus einem ganz besonderen Grund: Roth war der erste Triathlon, den ich live gesehen habe und der mein Triathlon-Fieber entfacht hat." Auch bei der 36-Jährigen dürfte der finanzielle Aspekt eine Rolle gespielt haben.

Ironman spricht von "normalen Vorgängen"

Oliver Schiek, der Europa-Manager der Ironman-Marke, hat zwar keine schlaflosen Nächte, aber aus Frankfurter Perspektive kann er die Enttäuschung verstehen. Es spricht von "normalen Vorgängen“, räumt aber ein: "Wir haben natürlich nach der Starbesetzung im Vorjahr gewusst, dass uns das 2020 auf die Füße fallen kann." In diesem Jahr waren mit Frodeno, Sebastian Kienle und Patrick Lange alle Hawaii-Sieger der vergangenen Jahre am Start; dazu hatte auch Haug gemeldet, ehe sie verletzt absagen musste.

Kienle und Lange haben sich zu ihrem Wettkampfkalender 2020 noch nicht geäußert - Lange schließt aber einen Roth-Start aus. Schiek verspricht: "Frankfurt wird keine Zweitbesetzung erleben." Er verweist auf das Prozedere: Die Zusammenstellung der weltweiten Profifelder gestaltet Paula Newby-Frazier aus den USA, die im Detail auch mit den Managern der Athleten verhandelt.

Klarheit fürs Frankfurter Starterfeld soll es bereits in einem Monat geben. Das Tauziehen um die beiden bekanntesten Triathlon-Protagonisten im Sommer hat der Ironman allerdings schon verloren.

Stand: 20.12.2019, 15:44

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