Lange-Herausforderer Kienle - weniger soll mehr sein

Ironman-WM auf Hawaii

Lange-Herausforderer Kienle - weniger soll mehr sein

Mit seinem Sieg 2014 leitete Triathlet Sebastian Kienle die deutsche Ära beim Ironman Hawaii ein. In diesem Jahr will er sie unbedingt fortsetzen.

Sebastian Kienles Glücksgefühl-Sehnsucht nach dem zweiten Weltmeisterschafts-Titel beim legendären Ironman auf Hawaii ist "extrem groß". "Wahrscheinlich noch größer als bei jemandem, der noch nicht weiß, wie sich das anfühlt", sagte der 34 Jahre alte Triathlet aus Mühlacker vor dem Rennen am Samstag (ab 18.25 Uhr im sportschau.de-Liveticker).

Kienle leitete vor vier Jahren die deutsche Ära im Ziel von Kailua-Kona ein. Mit Stolz erfüllt ihn, dass einer der Aufsteller am Pier auch an seinen Triumph von 2014 erinnert. 2015 folgte der erste WM-Gewinn von Kienles gutem Kumpel Jan Frodeno, 2016 wiederholte der heute 37-Jährige seinen Erfolg. Im vergangenen Jahr, als schwere Rückenschmerzen Frodeno bremsten und er sich erst nach mehr als neun Stunden ins Ziel schleppte, setzte Patrick Lange die deutsche Serie fort. Auch Kienle hatte Lange nichts entgegenzusetzen, wurde letztlich Vierter und verpasste damit das Podest. Im Jahr zuvor war er Zweiter hinter Frodeno geworden, 2015 Achter.

Unsicherheit, Nervosität – "aber soweit alles gut"

"Das Gefühl ist immer gemischt hier", blickt der 34-Jährige nun der 40. Auflage des Ironman Hawaii entgegen. "Wenn du hier am Start bist – und du bist zu 100 Prozent überzeugt, dass du alles getan hast, was in deiner Macht steht – dann hast du wahrscheinlich zu viel gemacht. Ein gewisser Grad an Unsicherheit ist hier immer da." Auch ein bestimmtes Maß an Nervosität lasse sich nicht von der Hand weisen, auch wenn Kienle mit dem Verlauf seiner Wettkampfvorbereitung prinzipiell zufrieden ist. Wegen Problemen an der Achillessehne habe er "ein kleines bisschen weniger" gemacht als sonst. "Aber insgesamt ist soweit alles gut."

Allerdings: Nicht in allen Bereichen hat Kienle den Aufwand heruntergefahren. Auf die Ironman-70.3-WM in Südafrika Anfang September hat er zwar verzichtet, dafür aber ein längeres Höhentrainingslager absolviert. Anpassungen, die dem Sieger von 2014 beim Duell mit Lange Auftrieb verleihen sollen. Zu einem Dreikampf mit Frodeno wird es nach dessen verletzungsbedingter Absage indes nicht kommen. Die Abwesenheit des amtierenden Europameisters erhöhe die Chancen der Konkurrenz, ist sich Kienle sicher. "Aber ich glaube nicht, dass das bei den anderen so viel ändert."

Frodeno erwartet ein "heißes Duell"

Auf Big Island warten beim härtesten Triathlon-Wettkampf der Saison traditionell besondere Herausforderungen: 3,86 Kilometer Schwimmen im wellig-warmen Wasser des Pazifiks, 180,2 Kilometer auf dem Rad mit und gegen den berühmt-berüchtigten Wind sowie 42,195 Kilometer Laufen bei brütender Hitze. Dass Kienle dabei zu Langes härtesten Konkurrenten gehört, sieht der Vorjahressieger auch selbst so: "Er hat auf jeden Fall in den letzten Jahren gezeigt, dass er immer zur Spitze gehört. Sicherlich ist er auch wieder ein Anwärter, den man noch auf der Rechnung haben muss", sagt Kienle. Und Frodeno ist der Meinung: "Ich halte große Stücke auf Sebastien Kienle. Es könnte ein heißes Duell werden."

Ein weiterer Vorteil für Herausforderer Kienle: Er ist der WM-Erfahrenste. 2012, bei seiner ersten Hawaii-Teilnahme, wurde er direkt Vierter. 2013 schaffte er es als Dritter erstmals aufs Podium. Inklusive 2014 holten die deutschen Stars der Szene nicht nur vier Mal Gold, sondern auch acht der zwölf Podestplätze sowie ein Triple im Jahr 2016: Frodeno vor Kienle und Lange.

Selbstvertrauen gibts am Pier

Der Startschuss am Samstag fällt um 6.35 Uhr Ortszeit. Kienle wird vorher an den Aufstellern der Hawaii-Sieger am Pier vorbeigehen. "Natürlich gibt es auch das Selbstvertrauen, mir selbst schon gezeigt zu haben, dass ich das kann. Und dann ist es sicher einfacher, sich auch einzubläuen, dass man es auch nochmal kann, wenn man es einmal geschafft hat."

red/dpa | Stand: 12.10.2018, 16:45

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