Ironman-WM: Deutsche Power-Frauen – deutsche Medaillen?

Anne Haug vor Ironman: "Es wird ein sehr harter Kampf" Sportschau 08.10.2019 01:45 Min. Verfügbar bis 08.10.2020 Das Erste

Triathlon-Highlight auf Hawaii

Ironman-WM: Deutsche Power-Frauen – deutsche Medaillen?

Von Patrick Stricker

Anne Haug, Daniela Bleymehl und Laura Philipp führen die deutschen Frauen beim Ironman Hawaii an. Eine von ihnen hofft auf einen positiven Effekt durch drei am Strand gefundene Glückscent.

"Gegen einen Sieg hat keiner was einzuwenden, den würde ich sehr gerne nehmen", sagt Anne Haug.

"Ich will auf jeden Fall vorne mitreden und bin guter Dinge, dass ich mich zeigen kann", versichert Daniela Bleymehl. 

"Ich werde hier viel lernen können und die Erfahrung für die nächsten Jahre mitnehmen", freut sich Rookie Laura Philipp.

Drei Triathletinnen, ein Saisonhöhepunkt: die Ironman-Weltmeisterschaft am kommenden Wochenende (12./13. Oktober deutscher Zeit) auf Hawaii. Haug, Bleymehl und Philipp bilden das Spitzentrio einer deutschen Delegation, die in diesem Jahr zudem mit Mareen Hufe (Wesel), Debütantin Svenja Thoes (Neunkirchen) und Kristin Liepold (Gera, geb. Möller) so breit und so stark besetzt ist wie lange nicht.

"Wir haben dieses Jahr sehr starke Damen am Start", ist sich auch die als Daniela Sämmler geborene Bleymehl sicher. "Ich wurde zwar noch nicht gefragt, ob ich gewinnen werde, aber das macht auch nichts", erzählt sie lachend – um dann, wieder ganz fokussiert, hinterherzuschieben: "Ich werde hier mein Rennen machen. Meine stärkste Gegnerin bin ich selbst. Ich muss geduldig bleiben."

Bleymehl voller Tatendrang

Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, die 31-Jährige aus Darmstadt brennt nach  ihrer Kona-Premiere 2016 auf die nächste WM-Erfahrung. Immerhin liegt ihre Qualifikation für Hawaii bereits über ein Jahr zurück: Im September 2018 siegte sie in 9:05:49 Stunden beim Ironman Italy. "Es wird Zeit", sagt Bleymehl daher fast schon ungeduldig. "Ich habe alles getan, um hier fit am Start zu sein."

Gleiches gilt auch für Anne Haug. Die 36 Jahre alte Athletin hat sich in den letzten Wochen vor dem Rennen in ein kleines Häuschen auf Hawaiis Nachbarinsel Maui eingemietet, ihre Physiotherapeutin Sabrina Hoppe ist dabei. "Aber nicht nur als Physiotherapeutin", stellt Haug klar. "Auch als mentale Unterstützung, als gute Freundin. Sie ist für mich absolut unverzichtbar."

Kein leichter Weg für Haug

Der Weg nach Maui und insbesondere zur Ironman-WM nach Hawaii war für Haug allerdings alles andere als leicht. Erst langwierige Probleme an der Plantarfaszie – einer Sehnenplatte zwischen Ferse und vorderem Fußballen – und dann ein daraus resultierender Ermüdungsbruch im Schienbein kosteten sie rund sechs Monate anständiges Lauftraining.

Sie musste unter anderem ihren Start beim Ironman Frankfurt absagen, die Hawaii-Qualifikation war plötzlich in Gefahr. Dann aber, einen Tag vor der Qualifikations-Deadline Mitte August, zauberte Haug bei ihrem Sieg in Kopenhagen mit einer Zeit von 8:31:32 Stunden einen deutschen Rekord auf den Asphalt der dänischen Hauptstadt.

Nicht nur deshalb gilt die gebürtig aus Bayreuth stammende Profisportlerin als ärgste deutsche Konkurrentin von Seriensiegerin Daniela Ryf aus der Schweiz. Bei ihrem ersten Hawaii-Start im vergangenen Jahr schaffte es Haug auf Anhieb auf den dritten Platz. Und nun? "Ich glaube, ich bin in besserer Form als letztes Jahr, trotz der sehr holprigen Vorbereitung mit den vielen Verletzungen. Ich denke, ich kann vorne mitmischen."

Große Vorfreude bei Laura Philipp

Eine Zielsetzung, die sich Laura Philipp zumindest nach außen nicht geben möchte. Die 32-Jährige geht als Hawaii-Rookie an die Startlinie, ihre erste Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und ein Marathon) beendete sie im Oktober vergangenen Jahres auf Anhieb als Gewinnerin. 8:34:57 Stunden in Barcelona – die bis heute schnellste Frauen-Zeit bei einem Ironman-Debüt.

"Ich hätte gerne getestet, ob das auch ein zweites Mal klappt", sagt Philipp, nachdem sie in diesem Sommer verletzungsbedingt keine weitere Langdistanz absolvieren konnte. "Das darf ich dann jetzt am Samstag machen. Die Vorfreude ist riesig. Ich bin dankbar, dass ich es überhaupt hierher geschafft habe."

Glückscent vom Strand

Auch Philipp verbrachte den finalen Teil ihrer Vorbereitung auf Maui. "Am letzten Tag", erzählt sie, "habe ich am Strand noch drei Glückscent gefunden." Diese hat sie ihren Betreuern um Trainer und Ehemann Philipp Seipp in die Hände gedrückt. "Ich habe gedacht: Das ist doch ein gutes Zeichen." Auch in einem stark besetzten deutschen Frauenteam darf der Aberglaube nicht fehlen.

Stand: 10.10.2019, 11:51

Darstellung: