Ironman-WM 2019: Mythos für die Massen?

Otto Tylkowski - ein außergewöhnlicher Ironman Mittagsmagazin 10.10.2019 02:15 Min. Verfügbar bis 10.10.2020 Das Erste

Triathlon-Faszination auf Hawaii

Ironman-WM 2019: Mythos für die Massen?

Von Sebastian Rieth aus Kailua-Kona, Hawaii

Der Ironman Hawaii ist Extremsport und Faszination gleichermaßen. Unser Reporter vor Ort begleitet das Rennen und schildert, was den Mythos dieses beliebten Triathlon-Wettkampfes ausmacht.

Der Mythos beginnt am Morgen. Es ist kurz nach sechs, aber Kona ist schon hellwach. Am schmalen Hafen des kleinen Städtchens tummeln sich die Menschen, alle in Badekleidung und mit Schwimmbrille. Wer keine Ahnung hat, was Triathlon oder Ironman ist, der mag sich verwundert die müden Augen reiben. Der Rest weiß ganz genau, um was es geht: um den Mythos Ironman Hawaii.

Wenn die ersten Sonnenstrahlen durch die Palmen schimmern und die Insel im Pazifik wachküssen, dann zeigt sich wohl am eindrucksvollsten, wie groß die Anziehungskraft dieses Sportevents mittlerweile ist. Hawaii ist der Sehnsuchtsort aller Triathleten, wer sich hierfür qualifiziert, wer hier ins Ziel kommt, der erhält im Grunde den Ritterschlag. Aber warum? Was macht diesen Wettkampf so faszinierend?

"Beenden, was man angefangen hat"

Klar, da sind die ungeheuren klimatischen Bedingungen. Der wilde Ritt im Schwimmen durch den Pazifik, mit seinen Quallen, Schildkröten und Delfinen. Da ist die Radstrecke mitten durch die Lavawüste, mit ihren tückischen Winden. Und da ist der Marathon, mit seiner gnadenlosen Hitze. Das alles schreibt unglaubliche Geschichten, schafft Mythen und einen besonderen Sportsgeist. John Collins, einer der Gründerväter, brachte es mal auf den Punkt: "Beim Ironman geht es darum, zu beenden, was man angefangen hat. Vielleicht nicht so schnell wie der Kerl vor dir, aber auf jeden Fall schneller als jemand, der gar nicht erst gestartet ist."

Und so gibt es auch in diesem Jahr wieder Geschichten wie die von Otto Tylkowski aus Hamburg, der sich am Samstag mit 74 Jahren über die Strecke quälen wird. Zum 13. Mal. Hawaii macht süchtig. Oder die Geschichte von Anne Haug, der deutschen Profi-Athletin, die im vergangenen Jahr bei ihrem Debüt auf Rang drei sprang und sich noch immer von der Tierwelt auf Big Island faszinieren lässt. Die Geckos seien hier wie die Ameisen in Deutschland. "Ich fühle mich wie im Dschungel", sagt sie. "Das ist cool."

Triathlon liegt voll im Trend

2.600 Athleten, Profis wie Amateure, werden in diesem Jahr an den Start gehen. Wird der Mythos deshalb zum Massenphänomen? In Deutschland und vielen anderen Ländern liegt Triathlon voll im Trend. Auf Hawaii verdreifachen sich die Übernachtungspreise, wenn die Ironman-Lawine über die Insel rollt. Parkplätze gibt es praktisch keine mehr, am Besten bewegt man sich mit einem Roller fort. Einen fünfstelligen Geldbetrag müssen die Altersklassen-Athleten investieren, wenn sie dabei sein wollen. Alleine 1.000 US-Dollar beträgt das Startgeld. Der Ironman, das ist ziemlich klar, ist mittlerweile auch eine große kommerzielle Maschine – trotz seines Mythos. Oder gerade deswegen.

Die Athleten, die morgens im Pazifik eine Runde schwimmen gehen, um sich an das Wasser zu gewöhnen, wissen das natürlich. Sie nehmen es in Kauf, um dabei zu sein. Um ein Teil zu sein des großen Mythos Ironman Hawaii.

Stand: 11.10.2019, 09:16

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