Tennis-Showturnier

Zverev in Berlin - Absage mit Nebengeräuschen

Alexander Zverev hat seine Teilnahme an dem Show-Turnier in Berlin abgesagt - ein Resultat der Turbulenzen und Fehltritte der vergangenen Wochen.

Edwin Weindorfer hatte es schon kommen sehen. "Es ist alles andere als sicher, dass Alexander Zverev bei uns spielt", sagte Weindorfer, Veranstalter des Einladungsturniers vom 13. bis 19. Juli in Berlin, bei dem eigentlich auch Deutschlands Topspieler fest zugesagt hatte. Wenige Stunden später hatte Weindorfer dann Gewissheit: Zverev sagte seine Teilnahme am Mittwochmittag (08.07.2020) ab. Ohne eine nähere Begründung für seinen Verzicht zu nennen, wie die Veranstalter prompt die Tennis-Fans wissen ließen: "Sein Management hat uns mitgeteilt, dass er vorerst kein Turnier bestreiten möchte und daher auch nicht nach Berlin reisen wird", so Organisator Weindorfer. "Wir sind über diese Entscheidung enttäuscht."

Überrascht dürfte er nicht gewesen sein, denn schon in den Tagen zuvor war Zverev abgetaucht und zumindest für die Veranstalter nicht zu erreichen gewesen. Auch das Management des Weltranglistensiebten äußerte sich zunächst nicht - bevor es dann die Absage schickte.

Kritik an Zverev von Berlin-Veranstalter

Die lässt sich aber wohl auch als Antwort verstehen auf diverse Äußerungen in den Tagen zuvor, als die Veranstalter Zverevs fragwürdige Auftritte am Rande der ominösen Adria Tour kritisierten. Und das Party-Video, das Zverev in einer voll besetzten Bar in Monaco zeigte, obwohl er zuvor angekündigt hatte, sich in Quarantäne zu begeben.

Tennis: Neues von Alexander Zverev Sportschau 08.07.2020 00:41 Min. Verfügbar bis 08.07.2021 ARD

Für das Turnier in Berlin hatte Veranstalter Weindorfer daraufhin "klare Verhaltensregeln" angekündigt: "Wenn sich ein Spieler hier danebenbenimmt und glaubt, er kann in dieser Woche Party machen, dann wird dieser Spieler von uns eliminiert. Bei uns herrscht Zero Tolerance." Vokabeln, die eher nach einem Bewährungsrichter klingen, der sich das Mitglied einer Jugendgang vornimmt. Den pädagogisch-strengen Tonfall behielt Weindorfer auch nach Zverevs endgültiger Absage bei: "Es wäre für Alexander Zverev eine gute Chance gewesen, vor Publikum in Berlin nach den Turbulenzen zuletzt den Fokus wieder auf sein Tennis zu richten."

Zverev bleibt in Monte-Carlo

Der 23-Jährige äußerte sich lieber über Instagram. Dort ließ er seine Follower wissen, dass er gerade einen dritten, negativen Coronatest hinter sich habe. Es sei nie schön, auf ein Heimspiel zu verzichten, sagte Zverev und erklärte seine Absage für Berlin auch damit, dass er daheim in Monte-Carlo die Arbeit mit seinem neuen Trainer David Ferrer aufgenommen habe. "Es könnte nicht aufregender sein. Ich kann es kaum erwarten, dass die Tour wieder losgeht. Ich werde bald zurück sein."

Ein paar Showmatches in Berlin mit Trainingscharakter hätten der Einarbeitung des neuen Coaches sicherlich nicht im Weg gestanden. Doch mit seinem Verzicht stellte der Weltranglistensiebte einmal mehr unter Beweis, dass er streng seinem eigenen Karriereplan folgt - und dass er es definitiv nicht darauf anlegt, zum nächsten Tennis-Volkshelden zu werden. Zverev gibt sich gerne unnahbar, das Verhältnis zum deutschen Publikum bleibt weiterhin eher kühl, trotz des Halbfinaleinzugs bei den Australian Open im vergangenen Januar. Auch die zahlreichen Daviscup-Absagen haben ihn nicht populärer gemacht, beim Finalturnier im Vorjahr flog Zverev lieber für einen Showkampf mit Roger Federer nach Mexiko.

Auch Kyrgios muss für Berlin absagen

Beim Deutschen Tennis-Bund hielt man sich mit Kritik an Zverev bislang zurück - bis zu den jüngsten, reichlich naiven Verstößen gegen die Corona-Regeln. Barbara Rittner, Head of Women’s Tennis beim DTB, attestierte Zverev "kein Gefühl für Verantwortung und die eigene Vorbildfunktion". Boris Becker, beim DTB für das Männer-Tennis zuständig, hatte Zverev auch schon einmal die fehlende Weiterentwicklung als Spieler und als Persönlichkeit attestiert, nahm ihn jetzt aber in Schutz und sprang ihm nach den jüngsten Attacken von Nick Kyrgios bei: Becker lieferte sich mit Kyrgios einen unterhaltsamen Schlagabtausch über die sozialen Medien und nannte Kyrgios eine "Ratte", nachdem dieser zuvor gegen Zverev und die anderen Gäste bei Djokovics Adria-Party ausgeteilt hatte.

Zu denen gehörte auch Dominic Thiem, der Österreicher verteidigte sich nochmals und kritisierte auch den harschen Umgang mit Zverev: "Er wird behandelt, als wäre er ein Volksschulkind. Aber er ist ein 23-jähriger Mann", sagte Thiem - und sogte damit für den nächsten Wutausbruch bei Kyrgios auf Twitter. Der Australier, der neuerdings die moralische Instanz auf der ATP-Tour gibt, war wie Thiem eigentlich auch für das Turnier in Berlin gemeldet, musste aber absagen: Er sitzt in seiner Heimat Melbourne fest, wo die Ausgangsbeschränkungen erneut verschärft wurden. Ein mögliches Aufeinandertreffen mit Thiem bleibt ihm damit erspart.