Karriereende - Wozniackis "perfekter Abschluss" beim Lieblingsturnier

Caroline Wozniack läuft mit der dänischen Flagge über den Platz

Abschied auf dem Centre Court in Melbourne

Karriereende - Wozniackis "perfekter Abschluss" beim Lieblingsturnier

Von Jannik Schneider (Melbourne)

Mit Caroline Wozniacki verlässt eine der schillerndsten und erfolgreichsten Persönlichkeiten mit nur 29 Jahren die professionelle Tennisbühne. Trotz unzähliger Erfolge wurde sie lange an ihrem Grand-Slam-Fluch gemessen. Als sie diesen besiegte, folgten alsbald gesundheitliche Probleme.

Höflich, aufgeschlossen und eloquent ist Caroline Wozniacki fast immer gewesen. Das wissen nicht zuletzt auch die Journalisten, die in den rund 15 Jahren über die Karriere der Dänin berichtet haben. So erhoffte sich ein belgischer Kollege drei Tage vor dem Turnierstart der Australian Open in Melbourne Auskunft über die Comeback-Pläne ihrer einstigen Rivalin Kim Clijsters. Die möchte im Alter von 36 Jahren und sieben Jahre nach ihrem letzten professionellen Spiel im März auf die Tour zurückkehren: eine machbare Aufgabe?

"Es ist taff. Ich glaube nicht daran, dass sie nochmal erfolgreich sein kann. Sie darf mir selbstverständlich gerne das Gegenteil beweisen", sagte Wozniacki, die vor 11 Jahren bei den US Open ihr erstes Grand-Slam-Finale gegen die Belgierin verlor, gerade heraus. Sie glaube, dass sich der Tennissport in den vergangenen sieben Jahren sehr verändert habe, nochmals schneller und athletischer geworden sei, fügte aber an: "Am Ende geht es ohnehin nur darum, was sie glücklich macht. Dann ist es das Richtige für sie."

Wozniacki wollte beim Lieblingsturnier aufhören

Die Entscheidung für sich selbst hat die bekannteste Athletin ihres Landes bereits vor einigen Monaten getroffen. Dass sie ihre Karriere bei ihrem Lieblingsturnier in Melbourne beenden wollen würde, dem einzigen Grand-Slam-Event, das ihren Namen in der Siegerliste führt.

Caroline Wozniacki beendet Tenniskarriere

Sportschau 24.01.2020 02:00 Min. Verfügbar bis 24.01.2021 ARD

So war dann nach ihrem Drittrunden-Aus gegen die stark aufspielende Tunesierin Ons Jabeur bei den Australian Open Schluss: mit nur 29 Jahren, 30 Titeln sowie 67 Wochen an der Spitze der Weltrangliste. In einer Zeit, in der ihre gute Freundin Serena Williams mit fast 39 Jahren noch immer dem Grand-Slam-Rekord hinterherjagt - und am Freitag (24.01.2020) erneut daran scheiterte. In einer Zeit, in der Spielerinnen mit über 30 Jahren wie Maria Sharapova ihren einstigen Leistungen hinterhertrauern. In einer Zeit, in der das Durchschnittsalter der Top 10 im Tennis immer jünger zu werden scheint.

Die Zeit beziehungsweise das Alter spielten für die Rechtshänderin aus Odense aber keine Rolle. "Ich habe mir selbst vor längerem schon gesagt: Das war es. Ich denke, dieser Zeitpunkt kommt für jeden professionellen Athleten irgendwann. Wir müssen jeden einzelnen Tag so hart arbeiten, um an die Spitze zu gelangen und dort zu bleiben. Bei mir kam er nach 15 Jahren Karriere. Ich bin bereit, bereit für das nächste Kapitel in meinem Leben", erklärte sie in der Pressekonferenz. Dort waren knapp 60 Minuten nach dem Spielende ihre Tränen noch nicht ganz getrocknet.

Wozniacki: "Das Leben danach wird genauso aufregend" Sportschau 24.01.2020 01:09 Min. Verfügbar bis 24.01.2021 Das Erste

"Sweet Caroline" zum Abschied auf dem Centre Court

Nach der Niederlage auf dem Centre Court von Melbourne verabschiedeten die Verantwortlichen von Tennis Australia Wozniacki so, wie es einer Grand-Slam-Siegerin gebührt. Es wurde ein Einspieler von Kolleginnen und Kollegen gezeigt; die Familie, allen voran Vater Piotr, zu seiner Zeit als Profifußballer unter anderem bei Waldhof Mannheim unter Vertrag, und ihr langjähriger Trainer durften auf den Platz. Es folgten große Emotionen inklusive Tränen. Zum Abschluss wurde der Klassiker von Neil Diamond gespielt: "Sweet Caroline". Wozinacki nannte es später den "perfekten Abschluss".

Die vergangenen zwei Jahre allerdings verlief ihre Karriere alles andere als perfekt. Ausgerechnet nachdem sie hier an Ort und Stelle 2018 alle ihre Kritiker verstummen ließ und den nicht mehr zu erwartenden Grand-Slam-Titel feierte, wurden gute Ergebnisse immer seltener. Ende des gleichen Jahres lieferte die dänische Volksheldin der Öffentlichkeit eine ehrliche und zeitgleich erschütternde Antwort.

Chronische Autoimmunerkrankung

Vor anderthalb Jahren unterbreiteten ihr die Ärzte die Diagnose "rheumatoider Arthritis“ - eine chronisch verlaufende Autoimmunerkrankung. Ausgerechnet vor den WTA Finals 2018 erklärte sie, dass es anfangs ein Schock gewesen sei. "An manchen Tagen wachst du auf und kommst kaum aus dem Bett. Aber an anderen Tagen geht es dir gut, dann spürst du die Krankheit nicht."

Sie lernte damit umzugehen. Hört man sich in ihrem Umfeld um, fiel die Entscheidung für ein baldiges Karriereende nicht nur, aber auch wegen dieser Krankheit.

Kennengelernt hat die Tenniswelt Wozniacki, die aus einem Land mit nahezu keiner Tennishistorie stammt, als eine der wohl besten Defensivkünstlerinnen und Konterspielerinnen, die jemals auf der WTA-Tour gespielt haben. Aus dem schüchternen Mädchen, das 2006 die Juniorenkonkurrenz in Wimbledon gewann und von den dänischen Journalisten zum Interview überredet werden musste, ist über anderthalb Jahrzehnte eine globale Marke erwachsen.

Neue Heimat Monte Carlo

Spätestens als sie 2010 die Spitze der Weltrangliste eroberte, wurde sie zu groß für den dänischen Markt. Sie lebt mit ihrem Ehemann David Lee, ein ehemaliger Basketballprofi, in Monte Carlo. In der Heimat ist sie beliebter und bekannter als die famosen Handballstars oder der Fußballer Christian Eriksen von den Tottenham Hotspur. Sie hinterlässt eine riesige Lücke in der dänischen Sportwelt.

Dänmemarks Caroline Wozniacki nach dem Spiel gegen Tunesiens Ona Jabeur

Dänmemarks Caroline Wozniacki nach dem Spiel gegen Tunesiens Ona Jabeur

Das gilt auch für den Tennissport. Wobei Wozniacki heute noch auf dem Platz andeutete, der WTA-Tour in anderer Form erhalten zu bleiben. Vielleicht sieht man sich bald in anderer Funktion wieder. Als TV-Expertin und oder Moderatorin kann man sich die Dänin gut vorstellen. Sie wolle aber auch viel Zeit in ihre Stiftungsarbeit stecken. Außerdem hätten ihr Ehemann und sie immer noch keine Flitterwochen eingelegt. Die sollen alsbald folgen.

Vielleicht schon im März. Wenn Clijsters auf die Tour zurückkehren möchte. So einen Schritt schließt Wozniacki, die in diesen Tagen sehr ausbalanciert wirkte, energisch aus. "Man soll ja niemals nie sagen. Aber die Chancen, dass ich als aktive Spielerin nochmal zurückkehre, sind in etwa so hoch wie ein Comeback von Ana Ivanovic." Die ehemalige French-Open-Siegerin lebt mittlerweile mit ihrem Mann Bastian Schweinsteiger und zwei Kindern zurückgezogen.

Stand: 24.01.2020, 15:49

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