Alexander Zverev setzt deutsches Wimbledon-Debakel fort

Alexander Zverev

Tennis-Grand-Slam in London

Alexander Zverev setzt deutsches Wimbledon-Debakel fort

Alexander Zverev schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf, packte seine Tasche und verließ eilig den Schauplatz seiner nächsten herben Grand-Slam-Enttäuschung. Der 22-Jährige kassierte in Wimbledon eine krachende Erstrundenpleite und machte damit das deutsche Debakel am ersten Tag perfekt.

An einem "schwarzen Montag" (01.07.2019) im Rasen-Mekka von London schieden alle sieben zum Auftakt geforderten Deutschen in der ersten Runde aus - inklusive des großen Hoffnungsträgers. Zverev verlor auf dem Court Nr. 1 gegen den Tschechen Jiri Vesely 6:4, 3:6, 2:6, 5:7 und kassierte damit erstmals seit den French Open 2017 wieder eine Auftaktniederlage bei einem Grand-Slam-Turnier.

"Alles fällt auseinander"

"Das war ein typisches Grand-Slam-Match für mich. Ich bin gut gestartet, dann gehen zwei, drei Dinge schief und irgendwie fällt alles auseinander", sagte Zverev hinterher: "Mein Selbstvertrauen ist gerade weniger als Null." Zudem deutete Zverev anschließend an, durch den schwelenden Rechtsstreit mit Ex-Manager Patricio Apey persönlich extrem belastet zu sein. "Die letzten zwei Tage waren sehr hart für mich. Was gerade los ist, ist abartig", sagte er: "Ich darf nichts Offizielles sagen. Es tut mir weh. Ich dachte, wir sind Freunde."

Zverev sang- und klanglos ausgeschieden

Sportschau 01.07.2019 00:52 Min. Verfügbar bis 01.07.2020 ARD

Auf seinen Durchbruch auf Major-Ebene muss der Weltranglistenfünfte nun auch nach seinem 17. Anlauf weiter warten. Stattdessen reihte er sich ein in die außergewöhnliche deutsche Niederlagenserie zum Beginn des Grand-Slam-Turniers.

Kohlschreiber wehrte sich tapfer

Zuvor hatte bereits Philipp Kohlschreiber trotz tapferer Gegenwehr gegen Titelverteidiger Novak Djokovic mit 3:6, 5:7, 3:6 verloren. Auch für Zverevs Bruder Mischa, Peter Gojowczyk (München), Cedrik-Marcel Stebe (Mühlacker) sowie bei den Frauen Mona Barthel (Neumünster) und Anna-Lena Friedsam (Neuwied) war bereits Runde eins Endstation. Nicht einmal einen Satzgewinn hatte das deutsche Sextett dabei feiern können.

Zverev hatte dagegen anfangs noch auf Kurs gelegen. Doch im zweiten Durchgang kippte das Match. Vesely, der in Wimbledon bereits zweimal im Achtelfinale gestanden hatte, schaffte beim Stand von 3:3 sein erstes Break und marschierte anschließend zum Satzausgleich. Auch im dritten Durchgang führte er früh mit 3:0 und ließ sich diesen Vorsprung nicht mehr nehmen. "Ich habe ein unglaubliches Match gespielt, von vorne bis hinten", sagte Vesely anschließend.

Lendl stoisch und hilflos

Zverev beklagte sich derweil beim Schiedsrichter über eine vermeintliche Fehlentscheidung, rutschte nach einem Lob aus und legte dabei symbolträchtig eine Bauchlandung hin. In der Box verfolgte Trainer Ivan Lendl das Geschehen gewohnt stoisch - und letztlich gewohnt hilflos. Eine ins Netz geschlagene Rückhand beendete nach 2:31 Stunden das Match. Am Ende gehörte Zverev somit einmal mehr zu den Geschlagenen.

Peter Gojowczyk in der ersten Runde gegen Roberto Bautista Agut

Frühes Aus: Peter Gojowczyk verliert gegen Roberto Bautista Agut

Ebenso wie Bruder Mischa (2:6, 4:6, 4:6 gegen den Belgier Steve Darcis), Gojowczyk beim 3:6, 2:6, 3:6 gegen Roberto Bautista Agut aus Spanien, Stebe beim 3:6, 6:7 (4:7), 1:6 gegen den gegen den US-amerikanischen Aufschlag-Riesen Reilly Opelka, Barthel gegen die Tschechin Marie Bouzkova (3:6, 3:6) und Friedsam gegen die Russin Margarita Gasparjan (4:6, 4:6).

15-Jährige schaltet Williams aus

Für die größte Überraschung des Tages neben der Zverev-Pleite sorgte die erst 15-jährige Cori Gauff. Die Nummer 313 der Tennis-Welt entschied am Montag das Generationen-Duell zweier US-Amerikanerinnen mit Venus Williams dank eines 6:4, 6:4-Erfolgs für sich und zog damit als jüngste Spielerin seit 1991 in die zweite Runde ein. Gauff hatte zuvor im Alter von 15 Jahren und 122 Tagen als jüngste Spielerin in der Geschichte des Profitennis seit 1968 die Qualifikation des Rasenturniers gemeistert. "Ich weiß nicht, wie ich mich fühle. Es ist das erste Mal, dass ich weine nach einem Match, das ich gewonnen habe", sagte Gauff nach dem Sieg über ihr 39 Jahre altes Idol.

Die ältere Williams-Schwester hatte schon zwei ihrer fünf Wimbledon-Titel gewonnen, bevor Gauff am 13. März 2004 geboren wurde. Das Talent trifft bei seinem Grand-Slam-Debüt in der zweiten Runde auf die Slowakin Magdalena Rybarikova. Höchst überraschend schied in der Damen-Konkurrenz auch die Weltranglistenzweite Naomi Osaka aus. Die US-Open- und Australian-Open-Siegerin aus Japan verlor gegen Julia Putinzewa aus Kasachstan 6:7 (4:7), 2:6. Bei den Herren scheiterte der griechische Shootingstar Stefanos Tsitsipas unerwartet mit einem 4:6, 6:3, 4:6, 7:6 (10:8), 3:6 am Italiener Thomas Fabbiano.

Deutsche Sieg-Garantie am Dienstag

Am Dienstag stehen sechs weitere Partien mit deutscher Beteiligung auf dem Plan. Das Gute dabei: Weil Titelverteidigerin Angelique Kerber in ihrem Auftaktmatch auf ihre Fed-Cup-Kollegin Tatjana Maria (Bad Saulgau) trifft, ist mindestens ein deutscher Sieg garantiert.

Die Krux mit der Technik beim Tennis Sportschau 01.07.2019 07:11 Min. Verfügbar bis 01.07.2020 Das Erste

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Montag, 01.07.19, 22.50 Uhr

dpa/sid/red | Stand: 01.07.2019, 21:57

Darstellung: