Wimbledon-Qualifikation: Lisicki kämpft gegen die Krise

Sabine Lisicki

Nach schwierigen Jahren

Wimbledon-Qualifikation: Lisicki kämpft gegen die Krise

Von Michael Ostermann

Vor sechs Jahren stand Tennisprofi Sabine Lisicki im Finale von Wimbledon. Heute vergießt sie Freudentränen über einen Sieg in der ersten Runde der Qualifikation für das Turnier und hofft auf ein Ende der jahrelangen Krise.

Es waren Tränen des Glücks und ein seltenes Erfolgserlebnis für die 29-Jährige, die einmal als die Zukunft des deutschen Frauentennis galt. Inzwischen ist Lisicki froh, wenn sie überhaupt mal wieder gewinnt. So wie am Dienstag (25.06.2019) auf der Tennisanlage in Roehampton, wo Lisicki derzeit das Qualifikationsturnier für Wimbledon bestreitet. 6:3, 3:6, 6:3 besiegte sie die Ungarin Timea Babos in der ersten Runde. Zwei weitere Siege braucht sie noch, um in Wimbledon ins Hauptfeld einzuziehen.

Vom Wohnzimmer in den Keller

"Wimbledon hat einen so besonderen Platz in meinem Herzen. Es werden für mich immer die herausragendsten Erinnerungen bleiben, die ich habe", sagte Lisicki nach dem Sieg gegen Babos mit tränenerstickter Stimme. Auf dem Rasen von Wimbledon hatte sie vor Jahren ihre größten Erfolge gefeiert. Als "mein Wohnzimmer" hatte sie den Centre Court dort bezeichnet.

Zweimal erreichte Lisicki in Wimbledon das Viertelfinale, einmal das Halbfinale, und 2013 schaffte sie es sogar bis ins Finale. Auf dem Weg dorthin hatte sie Serena Williams ausgeschaltet, unterlag dann aber im Endspiel der Französin Marion Bartoli.

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Doch statt im Wohnzimmer befindet sich Lisicki nun schon lange im Keller. Denn nach der Finalniederlage gegen Bartoli begann eine Abwärtspirale, aus der sie nun schon seit Jahren auszubrechen versucht. Bislang vergeblich.

In der Weltrangliste, in der sie 2012 schon einmal auf Rang zwölf geführt wurde, ist sie derzeit auf Platz 293 gelistet. Ihren bisher letzten Turniersieg feierte sie 2014 in Hongkong. Der Sieg gegen Babos war erst ihr dritter Sieg in diesem Jahr. Dass sie überhaupt in Roehampton an der Qualifikation teilnehmen darf, verdankt sie einer Wildcard des Veranstalters.

Vielfältige Gründe für den Absturz

Auch gegen Babos lief nicht alles rund, wie Lisicki selbst zugab: "Es gab einige Höhen und Tiefen im Match, aber ich hoffe, dass ich weiterhin so kämpfen werde wie heute. Dann wollen wir mal schauen, was noch passiert." Zumindest ihr Optimismus scheint ungebrochen, trotz all der Rückschläge seit 2013.

Die Gründe für den Absturz sind vielfältig: Sie schien den gestiegenen Erwartungen nicht gewachsen zu sein. Kritiker warfen ihr vor, dass sie nach dem verlorenen Wimbledonfinale zu oft über die vielen ausgerollten roten Teppiche gelaufen sei, was Lisicki als "unfair" bezeichnete.

Der Boulevard schlachtete auch das unschöne Ende der Liason mit dem Comedian Oliver Pocher aus. Das half auch nicht gerade, sich auf den Sport zu konzentrieren.

Immer wieder verletzt

Sabine Lisicki

Verletzungen warfen Sabine Lisicki immer wieder zurück

Zudem wurde Lisicki immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Das Knie, schlimmer noch die Schulter: Eine Entzündung der Bizepssehne ihres rechten Armes setzte sie sieben Monate außer Gefecht. Sie kehrte zurück, oftmals zu früh, was den nächsten gesundheitlichen Rückschlag zur Folge hatte.

2019 ist der nächste Anlauf, zurückzukommen aus den Niederungen der Qualifikations- und Challenger-Turniere. "Ich bin gesund und fit, fühle mich wie ein Rennpferd in der Startbox, das nur darauf wartet, dass die Türen aufgehen", sagte Lisicki im März in der "Bild am Sonntag". Aufgeben sei keine Option.

21 Asse gegen Babos

Und so hofft Lisicki auf ein Erfolgserlebnis, dass ihr beweist, dass sie es noch kann. Die Qualifikation für Wimbledon könnte so ein Erfolgserlebnis sein. Bis dahin muss Lisicki jeden Strohhalm ergreifen, der sich ihr bietet. Gegen Babos schlug Lisicki 21 Asse. Der Aufschlag war immer schon einer ihrer stärksten Waffen, gehörte zu den besten der Welt. Seit 2014 hält sie mit knapp 211 km/h auch den Rekord für den schnellsten Aufschlag im Frauentennis.

In der zweiten Runde der Qualifikation trifft Lisicki, die in Anlehnung an Boris Becker als "Bum-Bum-Bine" gefeiert wurde, am Mittwoch (26.06.2019) auf Ankita Reina aus Indien. Die beiden standen sich zuletzt vor drei Wochen bei einem Qualifikationsturnier in Surbiton südwestlich von London. Die Inderin gewann mühelos 6:3, 6:1.

Stand: 26.06.2019, 11:11

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