Wimbledon - Anderson entthront Federer

Kevin Anderson spielt gegen Roger Federer eine Rückhand

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Wimbledon - Anderson entthront Federer

Der südafrikanische Tennis-Profi Kevin Anderson steht nach einem Marathon-Match gegen Titelverteidiger Roger Federer überraschend im Halbfinale von Wimbledon. Auch Novak Djokovic, Rafael Nadal und John Isner stehen in der Runde der letzten Vier.

Roger Federer ist am Mittwoch (11.07.2018) in Wimbledon fast schon sensationell im Viertelfinale gescheitert. Gegen den Südafrikaner Kevin Anderson verspielte der Schweizer eine 2:0-Satzführung. Der Titelverteidiger unterlag in einem Tennis-Krimi 6:2, 7:6 (7:5), 5:7, 4:6, 11:13 - und verabschiedete sich damit so früh aus dem Turnier wie seit seinem Zweitrunden-Aus im Jahr 2013 gegen den Ukrainer Sergej Stachowski nicht mehr.

Federer: "Fühle mich furchtbar"

"Solche Matches sind sehr besonders. Hier Roger Federer zu schlagen, daran werde ich mich sicher immer erinnern", sagte Anderson nach seinem Überraschungs-Coup. Er steht als erster Südafrikaner seit Kevin Curren 1983 in der Vorschlussrunde. Federer meinte geknickt: "Es war einfach einer dieser Tage, an denen man hofft irgendwie durchzukommen. Ich hatte nie das Gefühl, bei 100 Prozent zu sein. Jetzt fühle ich mich furchtbar."

Federer scheitert in Wimbledon an Anderson

Sportschau | 12.07.2018 | 00:34 Min.

Matchball vergeben

Federer hatte zum ersten Mal seit 2015 nicht in seinem "Wohnzimmer" auf dem Centre Court, sondern auf dem kleineren Court Nr. 1 antreten müssen. Dort lag der Titelverteidiger gegen den vor allem durch sein starkes Service gefährlichen Anderson zunächst noch auf Kurs. Nachdem er mit seinen Satzgewinnen 33 und 34 in Serie die eigene Wimbledon-Bestmarke aus den Jahren 2005 und 2006 eingestellt hatte und sogar einen Matchball hatte, musste der achtmalige Champion erstmals wieder einen Durchgang abgeben.

Über vierstündiges Tennis-Drama

Danach kippte das Duell endgültig und ging sogar in die Verlängerung, weil in Wimbledon im fünften Satz kein Tiebreak gespielt wird. Federer lag stets vorn, doch Anderson zog auch dank seiner insgesamt 28 Asse immer wieder nach. Bei 11:11 war es dann Federer, der als Erster patzte. Mit einem Doppelfehler und einer Vorhand ins Netz ermöglichte er Anderson, zum Matchgewinn aufzuschlagen. Nach 4:14 Stunden blieb dem Topgesetzten nichts anderes übrig, als seinem Gegner zu gratulieren. Am Freitag (13.07.2018) trifft Anderson auf John Isner aus den USA.

Isner bezwang im Duell der Aufschlagriesen den kroatischen Ex-Finalisten Milos Raonic 6:7 (5:7), 7:6 (9:7), 6:4, 6:3. Der Amerikaner steht erstmals im Wimbledon-Halbfinbale.

Nadal wehrt fünf Breakbälle ab

Der spanische Weltranglistenerste Rafael Nadal hat sein Viertelfinal-Aus knapp verhindert. Gegen den Argentinier Juan Martin del Potro gewann er mit 7:5, 6:7 (7:9), 4:6, 6:4, 6:4. Beide Spieler riskierten dabei ihre Gesundheit. Del Potro stürzte gleich mehrfach spektakulär, Nadal stürmte im Kampf um den Ball im fünften Satz sogar bis in die Zuschauerränge. Der Spanier, der in den vier Runden zuvor keinen Satz abgegeben hatte, wirkte im Entscheidungsdurchgang etwas frischer. Beim Stand von 2:2 glückte ihm das entscheidende Break. Anschließend musste er noch fünf Breakbälle abwehren, ehe er endlich jubeln durfte. Er trifft nun im Halbfinale auf Novak Djokovic.

"Djoker" sticht wieder

Novak Djokovic jubelt in Wimbledon

Novak Djokovic

Djokovic hat erstmals seit drei Jahren das Halbfinale von Wimbledon erreicht. In vier Sätzen bezwang der "Djoker" den Japaner Kei Nishikori 6:3, 3:6, 6:2, 6:2. "Es ist großartig, wieder unter den letzten Vier zu sein. Mein Level war in den letzten Monaten wieder besser, ich bin zum richtigen Moment wieder gut drauf. Dafür habe ich hart gearbeitet", sagte Djokovic. Der 31-Jährige, nach anhaltender Formkrise derzeit auf dem Weg zurück zu alter Stärke, war zuletzt bei den US Open 2016 ins Halbfinale eines Major-Turniers eingezogen. 2011, 2014 und 2015 hatte er Wimbledon gewonnen.

red/sid/dpa | Stand: 11.07.2018, 22:14

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