Kerber im Wimbledon-Finale - Görges raus

Angelique Kerber

Wimbledon 2018

Kerber im Wimbledon-Finale - Görges raus

Angelique Kerber bekommt ihre Revanche für das verlorene Wimbledon-Finale 2016 - weil Serena Williams Julia Görges aus dem Turnier geworfen hat.

Kerber kann als erste Deutsche seit Steffi Graf das Rasen-Turnier in Wimbledon gewinnen. 22 Jahre nach dem letzten Titel ihres Idols beim berühmten Rasenturnier zog die Kielerin am Donnerstag (12.07.2018) zum zweiten Mal nach 2016 ins Endspiel ein. Mit ihrer Konstanz, Geduld und Erfahrung setzte sich die 30-Jährige im Halbfinale gegen die zu fehlerhaft agierende Ostapenko durch und gewann mit 6:3, 6:3 in nur 68 Minuten.

Kerber: "Ich bin wirklich stolz"

"Es war ein hartes Match, Jelena schlägt den Ball sehr hart, ich musste mich gut bewegen und fokussiert bleiben", sagte Kerber anschließend. "Ich bin wirklich stolz, wieder in einem Grand-Slam-Finale zu stehen. Das war mein Traum, seitdem ich ein Kind war." Sie wiederholte das Meisterstück von 2016, als sie ebenfalls bis ins Endspiel auf dem heiligen Rasen gerauscht war und gegen die US-Amerikanerin Serena Williams verlor. Am Samstag (14.07.2018) steigt die Revanche.

Nur vier weitere deutsche Damen standen je im Wimbledon-Finale: Neben Graf und Sabine Lisicki 2013 gelang das Cilly Aussem und Hilde Krahwinkel, die 1931 gegeneinander spielten.

Haudrauf-Tennis von Ostapenko

Um 13.07 Uhr Ortszeit legte Kerber im ärmellosen weißen T-Shirt auf dem Centre Court los. Wenn Ostapenko richtig traf, konnte die Linkshänderin wenig ausrichten. Mit ihrem Tempo in den Schlägen sorgte die Lettin für Raunen im Publikum, zahlreiche Fehler blieben aber nicht aus. Mit ihrem risikoreichen Haudrauf-Stil hatte sie bei den French Open 2017 erstaunt und dort ihren ersten Titel gewonnen. Für Kerber war es zunächst schwer, ihren Rhythmus zu finden. Machtlos musste die Weltranglisten-Zehnte etlichen Bällen hinterherschauen.

Zweiten Matchball verwandelt

Bei 2:3 sah sich die Australian- und US-Open-Siegerin von 2016 erstmals mit einem Breakball konfrontiert, wehrte ihn aber mit einem Ass ab. Kerber blickte danach hadernd zu ihrem Trainer Wim Fissette in die Box. Prompt gelang ihr darauf das erste Break der Partie, mit 4:3 lag sie erstmals vorn. Mit ihrem zweiten Ass holte sie sich das 5:3. Nach 34 Minuten war die Hälfte geschafft. Ostapenko hatte zuvor noch keinen Satz abgegeben. In einem lange Zeit einseitigen zweiten Satz lag Kerber schon 5:1, 30:0 in Führung. Doch die neun Jahre jüngere Ostapenko gab nicht auf und kämpfte unverdrossen weiter. Kerber musste zittern, doch dann verwandelte sie ihren zweiten Matchball.

Görges gegen Williams ohne Chance

Julia Görges mit enttäuschter Mimik in Wimbledon

Enttäuscht: Julia Görges

Julia Görges dagegen verlor ihr Match gegen Williams ziemlich sang- und klanglos mit 2:6, 4:6. In ihrem ersten Grand-Slam-Halbfinale konnte sie ihre Nervosität offenbar nicht ganz ablegen. Im ersten Satz gelang Williams das Break zum 4:2, den Durchgang holte sich die US-Amerikanerin in 32 Minuten. Auch danach zeigte sie ihre wohl beste Leistung im bisherigen Turnierverlauf.

Görges gab alles, doch gegen die kraftvollen Schläge von Williams fand sie kein Rezept. "Der Unterschied war, dass sie mit ihrer Erfahrung wusste, wie man das Match gewinnt, und ich nicht die Erfahrung hatte", sagte Görges anschließend. Dennoch verlasse sie Wimbledon "glücklich, stolz, motiviert".

Rittner: "Serena in dieser Form einfach zu gut"

"Momentan eine einfache Analyse ... Serena in dieser Form einfach zu gut", schrieb die Damen-Verantwortliche im deutschen Tennis, Barbara Rittner, schon während der Begegnung auf Twitter. Als Williams dann Görges erneut den Aufschlag abnahm und mit 4:2 in Führung ging, schien die Vorentscheidung gefallen. Doch Görges stemmte sich gegen das Aus, nahm der siebenmaligen Wimbledon-Gewinnern erstmals den Aufschlag ab und verkürzte auf 4:5. Doch dann gelang Williams das nächste Break und Görges war ausgeschieden.

Williams kann damit in ihrem erst zweiten Grand-Slam-Turnier als Mutter den Allzeit-Rekord der Australierin Margaret Court mit 24 Titeln bei den vier wichtigsten Turnieren einstellen. Görges kann sich damit trösten, dazu beigetragen zu haben, dass erstmals zwei deutsche Damen in einem halben Jahrhundert Profigeschichte die Top Vier in Wimbledon erreichten.

sid/dpa | Stand: 12.07.2018, 19:15

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