Wimbledon - Görges' nächste Reifeprüfung

Julia Görges jubelt in Wimbledon

Halbfinale gegen Serena Williams

Wimbledon - Görges' nächste Reifeprüfung

Von Christian Mixa

Julia Görges hat ihre gute Entwicklung fortgesetzt - im Halbfinale von Wimbledon wartet mit Serena Williams die nächste Reifeprüfung.

Julia Görges musste viele Fragen beantworten nach ihrem Halbfinaleinzug in Wimbledon. Unter anderem auch die nach dem Mundschutz, den sie auf dem Platz trägt. Es handele sich um eine Art Zahnklammer, klärte sie die Reporter auf. "Ich beiße beim Schlagen immer stark auf meine Zähne, das tut dem Kiefer nicht gut", antwortete Görges, sichtlich amüsiert über die Frage. Die "Bild-Zeitung" machte daraus prompt den Titel "Jules bissiges Geheimnis".

Wenn es solche Randnotizen zum Aufmacher bei einem großem Boulevardblatt schaffen, dann muss im deutschen Tennis tatsächlich wieder einmal etwas Großes passiert sein. In diesem Fall sind es gleich zwei Spielerinnen, die es beim berühmtesten Rasenturnier der Welt ins Halbfinale geschafft haben - und für die erste deutsche Endspielpaarung bei den Damen seit 1931 sorgen könnten.

Görges' Aufstieg - bis ins Wimbledon-Halbfinale

Anders als bei Angelique Kerber, der ehemaligen Weltranglistenersten und Finalistin 2016 an der Church Road, war Görges' Einzug unter die besten Vier eher nicht zu erwarten. Den internationalen Medienvertretern in Wimbledon musste die 29-Jährige erst einmal erklären, wo sie eigentlich die ganze Zeit abgeblieben war, seitdem sie 2011 mit dem Turniersieg in Stuttgart gegen die damalige Weltranglistenerste Carolina Wozniacki international ins Rampenlicht gestürmt war. Görges erzählte noch einmal die Geschichte über ihren erfolgreichen Neustart vor knapp zwei Jahren, nach vielen Rückschlägen und Verletzungen: den Umzug nach Regensburg. Ein komplett neues Team mit Trainer Michael Geserer und Physiotherapeut und Athletikcoach Florian Zitzelsberger, mit dem sie auch privat zusammen ist.

Erste Ausrufezeichen setzte sie schon im vergangenen Jahr, als sie auf der Tour sogar mehr Matches gewann als die beiden Top-Spielerinnen Simone Halep und Garbine Muguruza. Im Februar 2018 schaffte sie es erstmals in die Top Ten. Nun steht sie erstmals in einem Grand-Slam-Halbfinale - dies alles schreibt sie vor allem ihrem Team zu. "Ich wusste immer, dass mein Spiel gut genug ist. Es war das Mentale, an dem ich arbeite musste", sagte Görges, die tatsächlich schon immer alle Anlagen für eine Spitzenspielerin hatte: die nötige Grundhärte in den Schlägen, Aggressivität, eine gute Platzbeherrschung.

Das neue Team habe ihr aber vor allem "mentale Balance und Positivität" gebracht, sagte Görges in Wimbledon: "Ohne sie säße ich jetzt nicht hier." Im Viertelfinalmatch gegen Kiki Bertens blieb Görges ruhig, anders als früher, trotz des unglücklich verlorenen ersten Satzes. "Ich wusste, dass ich die bessere Spielerin bin und habe einfach auf meine nächsten Chancen gewartet", sagte sie.

Auch an ihrem Spiel auf Rasen, alles andere als ihr Lieblingsbelag, hat Görges erfolgreich gearbeitet, in gemeinsamen Trainingssessions mit David Prinosil. Tatsächlich strahlt die 29-Jährige in Wimbledon die Reife aus, mit dem Rummel umzugehen, den ein Halbfinalmatch gegen Serena Williams mit sich bringt. Und die Aussicht auf ein mögliches deutsches Finale:  "Ich denke, das hört sich ziemlich cool an", sagte Görges zu einem möglichen Endspielduell mit Kerber, die im anderen Halbfinale auf Jelena Ostapenko trifft.

Bereit für ein Duell mit Serena

Zuvor wartet allerdings die Grand-Slam-Rekordsiegerin Serena Williams, gegen die sie bei den French Open noch klar den Kürzeren zog. "Es ist hier ein ganz anderer Untergrund. Das Match habe ich mir hart erarbeitet. Ich werde mir eine Taktik überlegen, gemeinsam mit meinem Team. Wir werden bereit sein", sagte Görges.

Ihre Gegnerin scheint allerdings auf dem besten Weg zu alter Form zu sein. Der Halbfinaleinzug in Wimbledon ist das bislang beste Resultat, seit Serena Williams nach 13 Monaten Babypause auf die Tour zurückgekehrt ist. Beim Viertelfinalsieg gegen Camila Giorgi, als sie erstmals einen Satz abgab, zeigte sie schon wieder gewohnte Kämpferqualität und Siegeswillen. "Ich fühle mich wieder sehr wohl auf dem Platz", sagte die frühere Weltranglistenerste, die im provisorischen Ranking von Platz 181 schon wieder auf Platz 51 geklettert ist. "Nummer 51 hört sich immer noch nicht nach Serena an", sagte sie und kündigte neue Großtaten an: "Ihr wisst, ich hasse es zu verlieren. Es ist lange her, dass ich einen Titel gewonnen habe."

Stand: 11.07.2018, 15:30

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