Die Unvorhersehbarkeit prägt das Damen-Tennis

Serena Williams, Garbine Muguruza, Angelique Kerber, Naomi Osaka

US Open in New York

Die Unvorhersehbarkeit prägt das Damen-Tennis

Von Jörg Strohschein

Auch bei den US Open in New York gibt es beim Frauenwettbewerb wieder kaum vorhersehbare Ergebnisse. Im Gegensatz zu den Herren gibt es auf der WTA-Tour keine Dominanz einzelner Spielerinnen. Aber woran liegt das? Eine Analyse.

Es war, als führe ein ICE über Maria Scharapowa hinweg. Serena Williams deklassierte die Russin in weniger als einer Stunde mit 6:1, 6:1 in der ersten Runde der US Open in New York. Scharapowa, immerhin fünffache Grand-Slam-Siegerin, schlich vom Platz wie ein begossener Pudel.

Williams dagegen zeigte nochmal ihr ganzes Können und torpedierte Scharapowa mit ihren knallharten und geradezu brachialen Auf- und Angriffsschlägen. Die machten in den vergangenen Jahren so oft den Unterschied aus - und Williams damit zur fast unschlagbaren Dauergewinnerin im Frauen-Tennis.

Drei Herren dominieren

Mittlerweile ist die US-Amerikanerin Mutter und mit 37 Jahren kann sie diese hervorstechenden Leistungen nicht mehr dauerhaft zeigen. Und das machen sich die vielen Kontrahentinnen zunutze. Unter anderem Angelique Kerber, die in New York allerdings bereits in der ersten Runde ausgeschieden ist.

US Open: Kerber scheitert in Runde Eins

Sportschau 27.08.2019 00:35 Min. Verfügbar bis 27.08.2020 Das Erste

Anders sieht es bei den Herren aus: Gab es bei denen in den vergangenen drei Jahren und bei elf Grand Slams in Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic gerade einmal drei unterschiedliche Sieger, waren es bei den Damen gleich neun Spielerinnen (Williams, Ostapenko, Muguruza, Stephens, Wozniacki, Halep, Kerber, Osaka, Barthy).

Aber weshalb dominieren die drei Männer die ATP-Tour scheinbar so mühelos, während bei den Damen "rund 20 Spielerinnen in der Lage sind, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen"? So beschrieb es Damen-Bundestrainerin Barbara Rittner jüngst.

Lange Grundlinienduelle

"Das hängt sicherlich mit der Spielweise der Damen zusammen", sagt A-Lizenz-Trainer und langjähriger Damen-Bundesliga-Coach Ralph Lampe. Auf der WTA-Tour sei eine gewisse Gleichförmigkeit der taktischen Herangehensweise zu erkennen.

Angelique Kerber in der 1. Runde der US Open 2019

"Die Damen konzentrieren sich vor allem auf das Balltempo und spielen mit hoher Intensität. Darunter leidet allerdings die Varibialität im Spiel", sagt Lampe. Deshalb komme es bei den Frauen häufig zum einen auf das Selbstvertrauen an, zum zweiten auch darauf, welche Spielerin den "besseren Tag erwischt und die Bälle besser trifft".

Weniger überraschende Aktionen

Ballwechsel, die mit einem erfolgversprechendem Winkelspiel oder auch mal einem Stoppball oder auch mit einem überraschenden Netzangriff angereichert werden, sind bei Frauen eher die Ausnahme.

Häufig sind die Schlagabtäusche von ausdauernden Grundlinienduellen geprägt, die entweder mit einem "Winner" oder einem Fehler einer der Spielerinnen enden. Zudem würden sich die Männer auch deutlich mehr "auf die Fähigkeiten und Schwächen des Gegners einstellen und darauf reagieren. Viele Damen ziehen dagegen ihr eigenes Spiel konsequent durch". Dadurch verlören die Frauen an Flexibilität.

Damen spielen nicht so physisch

Rafael Nadal

Rafael Nadal

Hinzu komme auch, dass "die Damen nicht die gleichen körperlichen Voraussetzungen haben und kaum in der Lage sind, einen vergleichbar intensiven Topspin wie etwa Rafael Nadal zu spielen", sagt Lampe. Die Frauen können die physischen Elemente, wie sie die Männer stets in ihr Spiel etablieren, nicht auf vergleichbare Weise in ihr Spiel integrieren. Die große Ausnahme bildete in den vergangenen Jahren stets Serena Williams, die mit ihrer außergewöhnlichen Wucht ihre Gegnerinnen regelmäßig überforderte.

Der Reiz des Frauen-Tennis bleibt aber trotz der Unterschiede zu den Männern groß. Denn die Matches finden bei den Grand Slams auf höchstem Niveau statt. Und die Unberechenbarkeit, wer am Ende den Platz als Siegerin verlassen wird, sorgt für eine natürliche Spannung, die den Herren auf ihrer Tour mittlerweile ein wenig abhandengekommen ist.

Stand: 27.08.2019, 12:12

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