Bianca Andreescu - großes Drama in Flushing Meadows

Bianca Andreescu bei den US Openv

Finale der US Open

Bianca Andreescu - großes Drama in Flushing Meadows

Als Serena Williams erstmals die US Open gewann, war Bianca Andreescu noch nicht einmal auf der Welt. Jetzt steht der 19 Jahre alte Shooting-Star aus Kanada gegen Williams im Finale von Flushing Meadows.

Es ist nichts darüber bekannt, ob auch Angelique Kerber der frischgebackenen US-Open-Finalistin gratuliert hat. Mit Bianca Andreescu verbindet Kerber eine besondere Geschichte, seit ihrer Niederlage im März bei den Miami Open gegen die kanadische Teenagerin. "Schlimmste Drama-Queen aller Zeiten", hatte Kerber sie beim Shakehands am Netz angeblafft. Genervt von einer ausgiebigen Behandlungspause, die sich Andreescu im Match genommen hatte, aber auch von der Widerstandskraft ihrer Gegnerin, die schon eine Woche zuvor im Finale von Indian Wells gegen Kerber die Oberhand behalten hatte.

US Open - Williams gegen Andreescu auf Rekordjagd

Sportschau 07.09.2019 00:36 Min. Verfügbar bis 07.09.2020 ARD Von Tim Brockmeier

Bei Serenas erstem US-Open-Sieg war Andreescu noch nicht geboren

Die 19 Jahre alte Andreescu bekommt nun erneut die Chance, einer anderen großen Spielerin die Laune zu verderben, auf einer der größten Tennis-Bühnen überhaupt: Serena Williams will in New York endlich den ersehnten 24. Grand-Slam-Titel gewinnen, der sie auf eine Stufe mit Rekordsiegerin Margaret Court befördern würde. Dreimal stand Williams nach ihrer Babypause in einem Major-Finale, dreimal verlor sie, darunter im Vorjahr auch in Flushing Meadows. Im Finale am Samstag (07.09.2019) will Williams endlich den historischen Sieg einfahren. Im Weg steht nur noch die 19 Jahre alte Andreescu, die bei Williams' erstem US-Open-Triumph, im Jahr 1999, noch gar nicht auf der Welt war.

“Ich erinnere mich daran, ihr zum ersten Mal zugesehen zu haben, als ich etwa zehn war", sagte Andreescu nach ihrem Halbfinalsieg gegen Belinda Bencic und schwärmte: "Ein Traum wird wahr, gegen Serena im Finale der US Open zu spielen."

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Nicht das erste Finale zwischen Williams und Andreescu

Beide standen sich vor wenigen Wochen schon einmal in einem Endspiel gegenüber, in Toronto. Als Williams verletzt aufgeben musste, lief Andreescu übers Netz, und tröstete die niedergeschlagene Tennis-Königin mit aufmunternden Worten - als wären sie zwei Freundinnen, nach vielen Jahren und gemeinsamen Schlachten auf der Profitour.

Serena Wiliams wird von Bianca Andreescu getröstet, nachdem die Amerikanerin verletzt aufgeben musste.

Serena Wiliams wird von Bianca Andreescu getröstet.

Mit dieser Unerschrockenheit, auch gegenüber großen Namen, hat Andreescu einen steilen Aufstieg in der Weltrangliste hingelegt. Auf Platz 152 war sie ins Jahr gestartet, zu den US Open kam sie schon als Nummer 15. Im Vorjahr war sie in Flushing Meadows noch Qualifikantin, bei ihrer ersten Teilnahme im Hauptfeld schaffte sie es nun gleich ins Finale. Mit 41 Siegen aus bislang 45 Matches in dieser Saison ist sie tatsächlich die Spielerin der Stunde auf der WTA-Tour.

Die 19-Jährige beeindruckt durch ein nahezu komplettes Repertoire an Schlägen, das sie auch variabel und intelligent einsetzen kann, kraftvolle Grundschläge und einen guten Aufschlag. Andreescu ist extrem schnell auf den Beinen, defensiv stark, kann das Spiel aber auch diktieren - und ihre Gegnerinnen aus dem Konzept bringen. Aufgrund ihrer kräftezehrenden Spielweise hatte sie auch schon mit einigen Verletzungen zu kämpfen. Dass die auf dem Platz oft emotionale Kanadierin Schmerzen während des Spiels und medizinische Timeouts auch als taktisches Mittel einsetzt, um den Rhythmus zu verändern, diesen Ruf hat sie seit ihrer Episode mit Kerber weg. "So verletzt kannst du gar nicht sein", meinte etwa auch die deutsche Achtelfinalistin Julia Görges in New York an die Adresse von Andreescu gerichtet.

Wade über Andreescu: "Sie hat alle Qualitäten"

"Es ist so schwer gegen sie zu spielen, weil sie alle Qualitäten hat", sagte die frühere Wimbledonsiegerin Virginia Wade, die bei den US Open als TV-Expertin im Einsatz ist. Wade ist nicht die einzige Expertin, die der jungen Kanadierin auch einen dauerhaften Erfolg auf der WTA-Tour zutraut, nachdem über Jahre viele junge Hoffnungsträgerinnen allzu schnell wieder verglühten. Andreescu beeindruckt vor allem durch ihre mentale Stärke, auch von Schwächephasen in ihrem Spiel lässt sie sich nicht aus dem Konzept bringen, wie die dreifache Grand-Slam-Siegerin Wade in New York hervorhob: Der Frust über zwei verlorene Spiele würde sie eher noch stärker machen, als Reaktion spiele sie im Anschluss noch entschlossener und furchtloser. Dies unterscheidet sie, die aktuell Jüngste in den Top-20, von anderen, auch erfahreneren Spielerinnen.

Ziel Grand-Slam-Siegerin - schon bei den US Open?

Auch von der beeindruckenden Kulisse des Arthur-Ashe-Stadiums ließ sie sich nicht einschüchtern. "Das hat Spaß gemacht", sagte sie nach dem Drittrundensieg gegen Caroline Wozniacki, ihrem ersten Auftritt in der Riesenschüssel von Flushing Meadows. Schon nach dem Sieg in Indian Wells, wo sie über eine Wildcard angetreten war, hatte sie ihre Ambitionen unterstrichen, ein Grand-Slam-Turnier gewinnen zu wollen.

Dieses Selbstbewusstsein, typisch für eine Spielerin der Millenials-Generation, zeigt sie nicht nur auf dem Court. Im länger schwelenden Streit um mehr Gleichberechtigung im Profitennis hat sie sich auch schon zu Wort gemeldet und eine Angleichung der Preisgelder im Damen- und Herren-Tennis gefordert. Das hat auch ihre Finalgegnerin Serena Williams, eine Vorkämpferin für Equal Pay, beedindruckt: "Ich mag sie als Mensch, sie ist unglaublich", sagte Williams nach dem Finale von Toronto über die 18 Jahre jüngere Kontrahentin. Bleibt abzuwarten, was sie am Samstagabend sagt, nach dem Endspiel der US Open.  

Thema in Sport aktuell, Deutschlandfunk, Freitag, 06.09.2019, 22.50 Uhr.

mixa/sid/dpa | Stand: 06.09.2019, 12:00

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