Alexander Zverev sucht die Freude am Spiel

Alexander Zverev

Vor den Australian Open:

Alexander Zverev sucht die Freude am Spiel

Von Jörg Strohschein

Alexander Zverev gibt sich vor den Australian Open entspannt und zurückhaltend. Der 21-Jährige sucht neue Wege, um bei einem Grand-Slam-Turnier vor allem die eigenen Erwartungen zu erfüllen.

Beim Training in Melbourne war Alexander Zverev bereits wieder voller Eifer. Es war nichts mehr zu sehen von seinem Sturz, den er bei einer Übungseinheit am vergangenen Donnerstag (10.01.2019) in der Margaret Court Arena hingelegt hatte. Zverev humpelte, sein linker Fuß schmerzte offenbar.

Schnell in der Öffentlichkeit aufgekommene Befürchtungen, er könne deshalb womöglich nicht bei den Australian Open antreten, zerstreute der beste deutsche Tennisprofi spätestens am Samstag auf dem Court, als er zwei Stunden lang die gelben Filzbälle gewohnt intensiv über das Netz drosch. Später sagte er: "Der Fuß tut noch ein bisschen weh, auf dem Knochen ist ein blauer Fleck, aber ich mache mir nicht so viele Sorgen".

"Ich bin komplett anders als Boris" - Alexander Zverev im Exklusivinterview Sportschau 20.12.2018 16:16 Min. Verfügbar bis 20.12.2019 Das Erste

Noch nie in Runde vier

Zverev gibt sich vor dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres betont locker und und zurückhaltend. "Ich möchte es einfach genießen", sagte Zverev vor seinem Auftakt am Dienstag (15.01.2019) gegen den Slowenen Aljaz Bedene. Es ist eine andere, neue Herangehensweise des 21-Jährigen, der in der Vergangenheit eher das Gegenteil ausgestrahlt hatte.

Und diese Verbissenheit, ausgelöst von den eigenen hohen Erwartungen, dürfte auch der Grund für die Stagnation sein, die Zverev regelmäßig bei den vier Saisonhöhepunkten widerfährt. Noch nie hat er es weiter als in die dritte Runde bei einem Major-Turnier (Melbourne, Paris, Wimbledon, New York) geschafft. Dabei ist er die Nummer vier der Welt, beim Saisonfinale in London im gerade abgelaufenen Jahr hatte er sogar den bis dahin dominierenden Novak Djokovic im Finale in die Schranken gewiesen.

Situation simulieren

Doch um dieses Szenario wiederholen zu können, benötigt er die nötige Lockerheit und vermeintlich diese geringen Erwartungen, mit denen er im November nach England gereist war. Vor London hatte sich Zverev nicht in Bestform gezeigt und sich am Ende wohl auch selbst überrascht.

Dieses Herangehensweise scheint Zverev nun simulieren zu wollen, um sich unter der australischen Sonne von seiner besten Seite zeigen zu können. Offenbar traut er sich aber selbst nicht so ganz über den Weg. "Sobald mir das gelingt und ich wirklich Freude an dem habe, was ich tue, kommt alles weitere von ganz allein", sagt Zverev.

Kein Turnierfavorit

Sein Ehrgeiz ist für Zverev Glück und Fluch zugleich. Ohne diese Eigenschaft hätte ihn sein Weg nicht dorthin geführt, wo er sich jetzt bereits in seinem jugendlichen Alter befindet - und die ihn zu einem absoluten Weltklassespieler macht. Aber dieses dominierende persönliche Merkmal kann für ihn auch ein Hemmschuh sein, der dann und wann mal ordentlich zwickt und ein Fortkommen in bestimmten Phasen einfach nicht mehr zulässt.

Nicht wenige aus dem innersten Tenniszirkel sehen kaum noch Unterschiede zu den großen Dominatoren wie Roger Federer, Rafael Nadal oder Djokovic. Aber als Turnierfavorit für Melbourne würden weder die Experten noch Zverev sich selbst in den kommenden zwei Wochen ansehen. Das bedeutet aber nicht, dass der gebürtige Hamburger nicht als Sieger das Turnier beenden kann. Er wird sich dafür aber wohl wieder selbst überraschen müssen.

Kerber startet bereits am Montag

Für Angelique Kerber beginnen die Australian Open bereits einen Tag früher als für Zverev. Die 30 Jahre alte Weltranglisten-Zweite muss in der Rod-Laver-Arena in der Nach zu Montag gegen die Slowenin Polona Hercog (92) ihre Form unter Beweis stellen. Kerber spielt die dritte Partie des Tages in der großen Arena.

Stand: 13.01.2019, 15:19

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