Federer bevorzugt? Nadal beklagt sich über Setzliste in Wimbledon

Rafael Nadal

Eigenwilliges System

Federer bevorzugt? Nadal beklagt sich über Setzliste in Wimbledon

Von Chaled Nahar

Rafael Nadal steht in der Weltrangliste auf Platz zwei vor Roger Federer - ist in Wimbledon aber hinter ihm gesetzt. Das einzigartige wie eigenwillige System der Setzlisten in Wimbledon steht wieder in der Diskussion.

Ob US Open, Australien Open oder French Open - die drei Grand-Slam-Turniere erstellen ihre Setzliste der teilnehmenden Spieler streng nach Weltrangliste. Die große Ausnahme im Tennis-Kalender ist nur ein Wettbewerb: Wimbledon. Das Rasenturnier hat eine eigene Berechnung, die den Stand der Weltrangliste mit Ergebnissen bei Rasenturnieren vereint, um Rasenspezialisten bessere Chancen zu geben. Und das hat Folgen.

Nadal: "Sie respektieren nicht, was man sich erspielt hat"

Der Einfluss der Rasenergebnisse war in diesem Jahr so groß, dass der Weltranglistenzweite Rafael Nadal in der Setzliste hinter dem Dritten der Rangliste landete - und das ist Rasenspezialist Roger Federer. "Wimbledon ist das einzige Turnier, bei dem es so gemacht wird. Ich muss das akzeptieren und kämpfen, um die Spiele zu gewinnen", sagte Nadal dem spanischen TV-Sender Movistar. "Sie respektieren nicht den Platz, den man sich erspielt hat."

Für Nadal könnte das einen Nachteil bedeuten: Als Dritter der Setzliste könnte er in der Theorie eine schwierigere Ausgangslage in der Auslosung bekommen - die auch noch der Weltrangliste widerspricht. "Es ist ein wenig überraschend", sagt auch Djokovic. "Aber es sind ihre Regeln und wir müssen das respektieren."

Ist die Regelung noch zeitgemäß?

Wimbledon nennt sein Vorgehen "transparent und objektiv" - Nadal bleibt trotzdem unglücklich mit der Rechenübung. Und er sagt: "Es geht nicht nur um mich." Tatsächlich betrifft das Vorgehen zahlreiche der 32 besten Spieler, die im 128 Spieler starken Hauptfeld gesetzt sind. Einige Beispiele: Der Österreicher Dominic Thiem und Alexander Zverev aus Deutschland wurden im Vergleich zur Weltrangliste um jeweils einen Platz herabgestuft, für John Isner aus den USA ging es dagegen drei Ränge hinauf. Kevin Anderson aus Südafrika sprang vier Plätze nach oben, der Kroate Marin Cilic gar fünf.

Eine Bevorteilung von Sandplatzspezialisten wie Nadal gibt es im Umkehrschluss beispielsweise bei den French Open nicht. Der Tennis-Experte Darren Cahill vom Sender ESPN schrieb bei Twitter: "Die Formel entstand, als es klare Unterschiede gab zwischen Sandplatzspezialisten und Spielern, die andere Plätze mögen. Das ist nicht mehr der Fall." Der ehemalige amerikanische Davis-Cup-Kapitän Patrick McEnroe und Andre Agassis früherer Trainer Brad Gilbert äußerten sich ähnlich. Die Frage stellt sich also: Ist die Regelung noch zeitgemäß?

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Bei den Frauen geht es anders

Eine andere Form der Setzliste müssten sich die Organisatoren von Wimbledon nicht bei anderen Turnieren abschauen. Beim Frauen-Einzel wird die Setzliste in Wimbledon - mit seltenen Ausnahmeregelungen - wie bei anderen Turnieren nach der Weltrangliste erstellt.

Aktualisierung: In einer früheren Version hieß es, dass Federer erst im Endspiel gegen Djokovic spielen könnte, Nadal aber schon im Halbfinale auf Djokovic treffen könnte. Richtig ist, das beide erst im Finale auf Djokovic treffen können.

Wimbledon - Favoriten, Preisgeld und Andy Murray Sportschau 25.06.2019 01:33 Min. Verfügbar bis 25.06.2020 Das Erste

Stand: 27.06.2019, 20:50

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