Zverev muss weiter auf den großen Coup warten

Alexander Zverev

US Open in New York

Zverev muss weiter auf den großen Coup warten

Wieder nichts! Der ganz große Wurf bei einem Grand-Slam-Turnier will Alexander Zverev einfach nicht gelingen. Jetzt muss er sich auch noch harsche Kritik gefallen lassen.

Alexander Zverev war noch nicht lange verschwunden von der großen Grand-Slam-Bühne, als ihn Boris Becker öffentlich zurechtstutzte. "Er hat sich in den vergangenen 18 Monaten als Spieler nicht verbessert", urteilte die Tennis-Legende als Experte im TV über die deutsche Nummer eins, die bei den US Open in New York den selbst angekündigten großen Durchbruch erneut verpasst hatte. "Er ist motiviert, ist fleißig, er hat ein gutes Umfeld, aber er hat sich nicht weiterentwickelt", so Becker. 

"Zu eindimensional, zu sehr lesbar"

Das Erreichen des Achtelfinals war zwar ein besseres Abschneiden, als viele nach einem sehr durchwachsenen Jahr erwartet hatten. Doch wirklich voran kommt Zverev nicht. Am Montag (02.09.2019, Ortszeit) war der Argentinier Diego Schwartzman besser. Beim 6:3, 2:6, 4:6, 3:6 wurden die Probleme des 22-Jährigen erneut schonungslos aufgedeckt. "Insgesamt ist das Spiel ein bisschen zu eindimensional, zu sehr lesbar für den Gegner", sagte Becker.

Alexander Zverev verliert gegen Schwartzman

Sportschau 03.09.2019 00:42 Min. Verfügbar bis 03.09.2020 ARD Von Tim Brockmeier

Dass der gebürtige Hamburger alles auf dem Platz gibt, kann man ihm nicht absprechen. Allerdings erzeugt er viel zu wenig Druck, agiert nicht dominant genug. Die Gegner wüssten inzwischen, dass sie den Ball einfach im Spiel halten müssten, "denn von der Grundlinie tut ihnen Sascha Zverev nicht besonders weh", kritisierte Becker. 

 Keine Änderungen im Team

Der dreimalige Wimbledon-Sieger sieht sich als Mentor für Zverev, den er als Herren-Boss im Deutschen Tennis-Bund vom Davis Cup sehr gut kennt. Ob Zverev die Kritik von Becker aber annimmt, darf bezweifelt werden. Zverev vertraut nach der Trennung von Ivan Lendl im Anschluss an sein frühes Scheitern in Wimbledon wieder verstärkt seinem vertrauten Umfeld mit seinem Vater Alexander als Trainer an der Spitze. Daran wird sich auch nach dem Aus bei den US Open nichts ändern. "Mein Team bleibt, wie es ist. Ich bin sehr zufrieden damit", stellte Zverev kurz und knapp klar: "Es wird sich nichts tun."

"Schritt nach vorne" nicht groß genug

Zverev versuchte vielmehr, das Positive aus dem letzten Grand Slam der Saison zu ziehen. "Es war eine bessere Woche als die vergangenen Monate", sagte er: "Ich denke schon, dass ich hier einen Schritt nach vorne gemacht habe." Doch war dieser dann eben nicht groß genug, um in Flushing Meadows erstmals in die Runde der letzten Acht einzuziehen, wo es zu einem Duell mit Rafael Nadal gekommen wäre.

Zurzeit steht Zverev auf Rang sechs der Weltrangliste, den Sprung in die Weltspitze hat er also bereits geschafft. Längst ist er Teil der sogenannten "Next Gen", der Generation hinter den Superstars Roger Federer, Nadal und Novak Djokovic. Was er kann, das hat er bei den ATP Finals 2018 in London gezeigt, die er nach Siegen gegen Federer und Djokovic gewann. Doch um wirklich zur Riege der ganz Großen zu gehören, muss bei den Grand Slams im neuen Jahr mehr kommen als ein Achtelfinale.

dpa | Stand: 03.09.2019, 09:30

Darstellung: